Zwischen Befund und Behandlung

Krebsdiagnose: Warum Betroffene oft wochenlang auf Behandlung warten müssen

Verdacht: Krebs. Das heißt für viele Betroffene: warten. Bis zur Diagnose und Behandlung können Wochen voller Ungewissheit vergehen - eine zusätzliche Belastung für Patienten.

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Von Autor/in Berkan Cakir

Den Brustkrebs wollte Petra Domberg so schnell wie möglich aus ihrem Körper haben. Doch die 61-Jährige musste sich gedulden. Anfang Oktober 2021 wurde bei ihr bei einer Routineuntersuchung der erste Verdacht festgestellt, operiert wurde sie - auch wegen Streiks - erst acht Wochen später. "Ich wollte die Operation eigentlich so schnell wie möglich, nachdem ich die Diagnose hatte", sagt Domberg. "Man möchte ja nicht, dass das drinbleibt und metastasiert."

Krebsverdacht und Wartezeit: Mehr Anfragen bei Beratungsstellen

Dombergs Fall ist kein Einzelfall. Zwar gibt es bei den Krebsberatungsstellen in Baden-Württemberg keine offiziellen Zahlen, doch mehrere Einrichtungen berichten auf Anfrage des SWR von Betroffenen, die zunehmend über wochenlange Wartezeiten klagen. "Unser Eindruck ist, dass die Wartezeiten für Krebspatienten länger geworden sind, und dass dadurch auch mehr Unzufriedenheit entsteht", sagt Klaus Hönig von der Krebsberatungsstelle in Ulm.

Die Kliniken selbst differenzieren. Mehrere Wochen zwischen Diagnose und Operation seien nicht ungewöhnlich, heißt es etwa vom Universitätsklinikum Freiburg. Die Dringlichkeit hänge stark von der Krebsart ab - hochakute Fälle würden weiterhin sofort behandelt. Für Brustkrebs wie bei Petra Domberg gilt das in den meisten Fällen nicht. Hier müssen sich Patientinnen und Patienten vom Verdacht über die Biopsie bis zur OP häufig auf längere Wartezeiten einstellen. Das könne zermürbend sein und "ist mit vielen Ängsten verbunden", sagt Heike Sütterlin von der Krebsberatungsstelle in Tübingen.

Kliniken in BW: Verfahren zur Krebsdiagnose brauchen Zeit

Warum dauert es so lange? Die Gründe sind laut den Kliniken vielschichtig. Das Klinikum in Freiburg führt längere Wartezeiten auf Personalmangel und begrenzte Therapieplätze zurück. Hinzu kommt: Das Diagnoseverfahren brauche Zeit. Das unterstreicht auch das Klinikum in Stuttgart. Oft seien mehrere Untersuchungen und die Einschätzung von verschiedenen Fachrichtungen erforderlich. Erst wenn ein vollständiges Bild vorliege, könne die Behandlung starten.

Gleichzeitig wird an schnelleren Verfahren geforscht. In Mannheim arbeiten Wissenschaftler seit Jahren an der Vision, Diagnose und Behandlung innerhalb von nur acht Stunden zu ermöglichen. Das Projekt M2OLIE startet gerade in seine dritte Förderphase, bis 2029 soll eine eigene Klinik entstehen. Ein Hoffnungsschimmer für Betroffene? "Wenn man einige Schritte beschleunigen könnte, wäre das für Betroffene sehr gut", sagt Domberg.

Hans-Jürgen Hennes, ärztlicher Direktor am Uniklinikum Mannheim, erklärt, welche Vorteile das Forschungsprojekt M2OLIE für die Krebstherapie bringen kann:

Andere Kliniken halten diese Zeitspanne jedoch für unrealistisch. Das Stuttgarter Klinikum betont, dass viele Faktoren gut bedacht werden müssten: Soll ein riskanter Eingriff erfolgen oder eine schonendere Therapie? Auch das familiäre Umfeld sei oft in die Entscheidung einbezogen - und das brauche Zeit.

Krebsverdacht: Im Ernstfall "halbes Jahr mehr Zeit für Krebs"

Auch Patientinnen und Patienten bewerten das unterschiedlich. Das Projekt in Mannheim verspricht eine kürzere Wartezeit erst ab dem Moment der Diagnose. Unter einem SWR-Post zum Mannheimer Forschungsprojekt berichten Facebook- und Instagram-Nutzerinnen und -Nutzer, dass vor allem aber die "erste Phase" - also die Zeit vom Verdacht bis zur Diagnose - am belastendsten sei. Manche schreiben von monatelangen Wartezeiten allein auf einen Facharzttermin. Im Ernstfall sei das "ein halbes Jahr mehr Zeit für den Krebs", schreibt eine Nutzerin.

Social-Media-Beitrag auf Instagram von swraktuell

Klaus Hönig von der Beratungsstelle in Ulm versteht diese Sorgen: "Das Aushalten der fehlenden Gewissheit ist oft quälend." Gleichzeitig verweist er in den Beratungsgesprächen darauf, dass die diagnostischen Verfahren heute präziser seien als noch vor zehn Jahren. Das koste Zeit, ermögliche aber eine besser zugeschnittene Therapie.

Ehemalige Krebspatientin hätte sich mehr Begleitung gewünscht

Auch Petra Domberg, die selbst in einer Klinik arbeitet, hat Verständnis für die Belastung des Personals. "Die sind am Limit", sagt sie. "Innerhalb einer Woche einen Krebspatienten durchzuschleusen, ist mit den bestehenden Strukturen einfach nicht machbar."

Doch eines ließe sich schnell verbessern: die Begleitung in dieser Wartezeit. Domberg fühlte sich allein gelassen. "Wenn genau in dieser Phase ein Art Lotse oder eine Psychoonkologie verfügbar gewesen wäre, hätte das vieles abgemildert", sagt sie. Ohne diese Unterstützung sei die Wartezeit "schon recht schlimm" gewesen - fast so schlimm wie die Diagnose selbst.

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