Die Hitzewelle im Juni mit über 40 Grad hat nicht nur uns Menschen schwer zugesetzt - auch Getreide, Obst und Weinbau leiden in unterschiedlicher Intensität. Die Folgen bekommen auch Landwirte in Baden-Württemberg zu spüren.
Obst leidet unter Sonnenbrand
Im Obstbau wirkt sich die Hitze besonders auf die Qualität der Ernte aus, wie Tasmin Taskale, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit für den Badischen Landwirtschaftlicher Hauptverband (BLHV) auf SWR-Anfrage berichtet. Vor allem Beerenobst, wie Johannisbeeren und Kirschen, leide unter Sonnenbrand, beschleunigter Reife und verkürzter Haltbarkeit. Dadurch müssten die Früchte teilweise früher geerntet werden, was das Erntefenster verkürze. Auch Dominik Modrzejewski, Pflanzenbaureferent des Landesbauernverbands in Baden-Württemberg (LBV BW), bestätigt: "Die Sonneneinstrahlung zerstört die Zellen, macht die Kirschen weich und somit weniger vermarktbar." Auch bei Äpfeln hätten die Landwirte große Sorge vor Sonnenbrand. Ohne Sonnenschutz sei das Obst komplett der Sonne ausgeliefert und könne schlechter gelagert werden.
Weinbau: Trockenheit schlimmer als Hitze
Für Weintrauben ist das Hauptproblem weniger die dauerhafte Sonneneinstrahlung. Sie leiden vor allem an der fehlenden Wasserversorgung. "Die Rebe verfügt über ein tief reichendes Wurzelsystem und kann deshalb auch längere Trockenphasen häufig besser überstehen", erklärt Hermann Morast, Geschäftsführer vom Weinbauverband Württemberg. "Die vergangenen Wochen mit Temperaturen von über 40 Grad und trockenem Wind haben jedoch auch die Reben belastet." Besonders jüngere Anlagen zeigten bereits Anzeichen von Wassermangel, so Morast. Ähnliches beobachtet auch Tasmin Taskale vom BLHV: "Selbst in tiefgründigeren Lagen werfen einzelne Jungreben bereits ihre Triebspitzen ab, um Wasser zu sparen. Im schlimmsten Fall können solche Anlagen vollständig ausfallen."
Sorgen vor Minusertrag
In Heilbronn befürchten Winzer laut LBV-Pflanzenreferent Modrzejewski bereits einen Minusertrag von 20 Prozent aufgrund der stockenden Traubenentwicklung durch die Trockenheit.
Ein Verlust im Ertrag macht sich laut Taskale auch bereits in der Ackerkultur bemerkbar: "Vor allem bei Winterweizen, Dinkel und Winterroggen, aber auch bei Sommerroggen, Braugerste und Hafer zeichnet sich ab, dass Trockenheit und Hitze zu spürbaren Ertragseinbußen führen werden."
Klimaanlagen und Kühlkleidung für Erntehelfer
Auch Erntehelfer bleiben von dem heißen Wetter nicht verschont. Um bei den extremen Temperaturen bessere Arbeitsbedingungen zu gewährleisten, fördert die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forst und Gartenbau laut Modrzejewski den Kauf von Kühlkleidung, Sonnenschutzkappen mit Nackenschutz oder UV-Schutzzelten. Gleichzeitig würden die Helfer frühmorgens anfangen und nicht in der Mittagshitze arbeiten.
Ein Betrieb hat in den Helferunterkünften dieses Jahr Klimaanlagen installiert, dass sie sich wenigstens, wenn sie von der Arbeit kommen, quasi runterkühlen können oder auch über die Nacht.
Blick auf die Zukunft: Betriebsabläufe müssen angepasst werden
"Viele Betriebe haben bereits in den vergangenen Jahren reagiert, und versuchen, wassersparend zu wirtschaften. In diesem Jahr merkt man jedoch, dass selbst diese Maßnahmen an ihre Grenzen kommen", berichtet Taskale. Durch beschleunigtes Pflanzenwachstum und frühere Reifung müssten ganze Betriebsabläufe angepasst werden. Die Weizenernte musste in diesem Jahr bereits zwei Wochen vorgezogen werden.
Laut Pflanzenreferent Modrzejewski könnte eine Lösung für die Zukunft sein, mehr vom sogenannten Humus aufzubauen - eine Art Schwamm, durch den der Boden das Wasser besser halten kann. Auch die Wahl der Weizen- oder Getreidesorte könnte helfen. "Da gibt es Unterschiede - frühe Abreife, späte Abreife. Da merkt man auch dieses Jahr deutliche Unterschiede, je nachdem, wer welche Sorte hatte, in welcher Region das wann in die Erntezeit gegangen ist", so Modrzejewski.