Der Weinbau in Baden-Württemberg befindet sich nach den Worten von Landwirtschaftsministerin Marion Gentges (CDU) in einer existenziellen Krise. Winzer nutzen immer weniger Fläche, um Wein anzubauen: Laut dem Landesamt für Statistik ist die Fläche mit 25.800 Hektar so klein wie nie seit 1990. Der Rückgang des Weinbaus gefährde aber weit mehr als nur ein Produkt, meint Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne): "Unsere Kulturlandschaft ist ohne Weinbau schlicht nicht vorstellbar." Viele Menschen wüssten gar nicht, was im Land alles wegbreche, wenn der Weinbau weiter zurückgehe. "Mit jedem Wein, mit jeder Winzergenossenschaft, die wir verlieren, geht ein Teil Weinkultur und ein Teil Kulturlandschaft möglicherweise unwiederbringlich verloren", warnte der Regierungschef.
Die baden-württembergische Landesregierung setzt daher auf eine Stärkung des Weinbaus. Bereits in der vergangenen Legislaturperiode habe man ein Sofortprogramm auf den Weg gebracht, um den Winzern im Land zu helfen, so die Landwirtschaftsministerin. Dieses Programm habe man zu einer Weinbaustrategie weiterentwickelt, die am Dienstag startet. Gentges verwies auf stark gestiegene Kosten für Betriebsmittel, Energie und Löhne sowie auf einen rückläufigen Weinkonsum. Viele Betriebe gerieten dadurch zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten, sagte sie vor Journalisten.
Özdemir: "Ich werbe dafür, dass wir mehr einheimischen Wein trinken"
Auch Ministerpräsident Özdemir erklärte, das Land wolle einen Strukturbruch im ländlichen Raum verhindern und die Bewirtschaftung von Rebflächen stabilisieren. Ziel sei es, funktionsfähige Einheiten und prägende Kulturlandschaften zu erhalten. Zudem plädierte Özdemir für mehr heimischen Wein im Glas. Niemand müsse mehr trinken als bisher, sagte er in Stuttgart. "Aber ich werbe dafür, dass wir mehr einheimischen Wein trinken." Es gebe exzellenten Wein aus Baden und Württemberg. Wachse dessen Anteil im Glas, sei den Winzerinnen und Winzern und dem Erhalt der Kulturlandschaft schon viel geholfen.
Der Tourismus im ländlichen Raum leide ebenfalls durch den Rückzug des Weinbaus: "Wer will schon Urlaub machen in einer brachliegenden Landschaft?", sagte Özdemir. Den Kauf heimischen Weins bezeichnete er als einen "Akt des Patriotismus".
Mit jedem Wein, mit jeder Winzergenossenschaft, die wir verlieren, geht ein Teil Weinkultur und ein Teil Kulturlandschaft möglicherweise unwiederbringlich verloren.
Marketing und Weintourismus sollen gestärkt werden
Mit dem jetzt auf den Weg gebrachten Förderprogramm sollen Marketing und Tourismus gestärkt werden. Zu den Maßnahmen gehört unter anderem die Einführung einer sogenannten Rotationsbrache: Damit können mit einer Förderung bis zu 2.500 Euro pro Hektar einzelne Rebflächen vorübergehend aus der Produktion genommen werden, ohne dass sie dauerhaft wegfallen.
Zudem sollen Marketingmaßnahmen und der Weintourismus gestärkt werden. Gentges kündigte darüber hinaus ein Spitzengespräch mit Weinbau- und Genossenschaftsverbänden an. Langfristig soll auch die Europäische Union den Weinbau in Baden-Württemberg unterstützen.
Weinanbaufläche in Baden-Württemberg laut Statistikamt um drei Prozent zurückgegangen
Die Weinanbaufläche in Baden-Württemberg sank laut Statistik im Jahr 2025 um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr - auf 25.822 Hektar. Oftmals würden Flächen nicht mehr bewirtschaftet, weil sich der Anbau finanziell nicht mehr lohne, teilte das Statistische Landesamt mit. Insgesamt ist die Lage in der Weinbranche angespannt, der Weinkonsum geht in ganz Europa zurück. Als Ursachen gelten die Inflation, die alternde Gesellschaft, veränderte Konsumgewohnheiten sowie ein stärkerer Preisfokus der Verbraucher.
Riesling wichtigste weiße Rebsorte in Württemberg
Die in Baden am häufigsten angebaute rote Rebsorte ist der Blaue Spätburgunder, bei den weißen Sorten liegen Ruländer und Müller-Thurgau vorn. In Württemberg dominieren weiterhin rote Rebsorten, darunter Trollinger und Lemberger. Die wichtigste weiße Rebsorte in Württemberg ist der Riesling.