Zukunft der Windenergie nach der Landtagswahl

Neue Klima-Studie: Windkraft in BW puffert Flauten im Norden ab

Wie geht es nach der Landtagswahl BW weiter mit dem Windkraft-Ausbau im Land? Klimaschützer fürchten bei einem CDU-Sieg ein Abbremsen, Experten drängen dagegen auf mehr Tempo.

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Von Autor/in Henning Otte

Die Windkraft in BW leistet nach einer neuen Studie des Klima-Sachverständigenrats einen zentralen Beitrag zur Versorgungssicherheit in ganz Deutschland. "Im Südwesten - insbesondere im Schwarzwald, auf der Schwäbischen Alb und in der Region Bodensee-Oberschwaben - treten häufig günstige Windbedingungen auf, wenn der Norden ein geringeres Windaufkommen hat", sagte Maike Schmidt, Vorsitzende des Expertengremiums, dem SWR.

"Die Windenergie in Baden-Württemberg federt somit windarme Phasen in anderen Regionen ab und erhöht die Robustheit der Energieversorgung in ganz Deutschland. Gerade in der Phase von Flauten stellt Südwestdeutschland einen wichtigen Puffer dar", hieß es von den Sachverständigen, die die grün-schwarze Landesregierung beraten.

30.000 Windkraftanlagen in Deutschland wurden untersucht

Für die Analyse wurden die bundesweit knapp 30.000 Windkraftanlagen bewertet, davon sind gut 1.660 sogenannte Offshore-Standorte, also auf hoher See. Zudem seien Standorte einbezogen worden, die "in Planung" sind, um den künftigen Ausbau der Windenergie zu berücksichtigen. Im Vergleich der Bundesländer habe sich gezeigt, dass Flauten regional sehr unterschiedlich aufträten. "Während der Norden und Westen häufig längere windschwache Perioden erleben, weisen südwestdeutsche Standorte oft überdurchschnittliche Windverhältnisse genau in diesen Zeiten auf", erläuterte Schmidt.

Der Sachverständigenrat mahnt in seinem Papier auch mehr Tempo beim Ausbau der Windkraft an. BW habe sich dazu verpflichtet, bis 2040 netto-treibhausgasneutral zu werden. "Dafür muss die Stromerzeugung nahezu vollständig auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Neben der Photovoltaik spielt dabei die Windenergie die zentrale Rolle." Um Versorgungssicherheit zu bekommen, müsse beides stark ausgebaut werden.

Windkraft sei auch Beitrag zur Sicherung des Industriestandorts BW

Die Experten verweisen auf die Vorteile: Eine stärkere Nutzung der Windenergie in BW reduziere Netzengpässe und verhindere, dass man Kraftwerke drosseln müsse, um eine Überlastung der Netze zu vermeiden. Hinzu komme, dass man nicht so viele milliardenteure Nord-Süd-Übertragungsleitungen brauche.

Die Experten mahnen, die in BW geplanten knapp 1.800 Windanlagen müssten nun auch rasch aufgestellt werden. Ihr Appell: "Bürgerinnen und Bürger, Politik und Verwaltung müssen den eingeschlagenen Weg gemeinsam mit Nachdruck weiterverfolgen. Dazu gehört auch, auf Bundesebene politischen Einfluss zu nehmen, um zu verhindern, dass Änderungen am Förderregime den Windenergieausbau in Baden-Württemberg ausbremsen oder gar ganz verhindern."

CDU BW will "miserable" Bilanz bei Windkraft aufpolieren 

CDU-Umweltexperte Raimund Haser versicherte, seine Partei werde nach einem Wahlsieg bei der Landtagswahl die Windkraft verstärkt ausbauen. "Wir werden den Ausbau der Windkraft nicht stoppen, sondern forcieren. Wir werden aus geplanten Windrädern gebaute Windräder machen", sagte Haser dem SWR. Bisher sei der Ausbau so "miserabel" wie in keinem anderen Bundesland.

BW hinkt bisher weit hinter eigenen Ausbauzielen zurück

Tatsächlich bleibt die Landesregierung weit hinter ihren selbstgesteckten Zielen bei der Windkraft zurück. Unterm Strich kamen in dieser Wahlperiode nur wenige Windräder hinzu. 2024 waren es 22 zusätzlich. Auch in diesem Jahr sieht es kaum besser aus: Bisher sind es 27.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Henning Otte
SWR-Reporter und -Redakteur Henning Otte, SWR Landespolitik

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