Wohnungsnot in Baden-Württemberg

Wohnungstausch oder mehr Neubauten: Welche Lösungen gibt es für mangelnden Wohnraum in BW?

Die Wohnungsnot in Baden-Württemberg ist groß. Es fehlen rund 200.000 Wohnungen. Seit Jahren werden viel zu wenig Neue gebaut, bemängeln Branchenvertreter.

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Seit sieben Jahren sucht Familie Pohle aus Ulm eine größere Wohnung. Bislang vergeblich. Keine akzeptablen und bezahlbaren Angebote, kaum Besichtigungen. Kürzlich kam zu ihrer erfolglosen Suche auch noch ein Wasserschaden dazu, der ihr Zuhause unbewohnbar gemacht hat. Sie mussten in eine noch kleinere Wohnung ausweichen. Eine Zumutung mit vier Kindern: Wie lange muss Sohn Fynn noch im Wohnzimmer schlafen und wie lange müssen die Brüder noch im viel zu kleinen Kinderzimmer spielen? Die Nerven in der sechsköpfigen Familie liegen blank. "Du hast halt keine Ruhe mehr, du schläfst schlecht, du weißt nicht mehr, wie du es noch auffangen sollst", klagt der 40 Jahre alte Vater Jens.

Wohnungsnot: Familie fühlt sich im Stich gelassen

Mutter Sabrina ist Ergotherapeutin, Vater Jens Mediengestalter, beide sind berufstätig. Sie können bis zu 1.500 Euro warm bezahlen. Auf Hunderte von Inseraten haben sie sich beworben, Annoncen aufgegeben, Makler eingeschaltet, viele Bürgermeister auch auf dem Land angeschrieben - Fehlanzeige.

Familie Pohle fühlt sich von der Politik und den Vermietern im Stich gelassen: "Komplett. Sogar vergessen, ehrlich gesagt. Also auch mit vielen Absagen: ‘Ihr habt zu viele Kinder‘. Das hört man auch manchmal ganz direkt. Da ist es dann einfacher, wenn man einen Hund hätte oder Single wäre. Das ist ganz schwer, sehr belastend", sagt Sabrina Pohle.

Es wird zu wenig gebaut

Die Wohnungsnot in Baden-Württemberg ist groß: Laut einer Studie des Pestel-Instituts von Januar 2026 fehlen im Land 196.000 Wohnungen. Es wird zu wenig neu gebaut, sagt der Geschäftsführer des Landesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Baden-Württemberg, Gerald Lipka.

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In Baden-Württemberg fehlen Wohnungen und die Mietbelastung ist seit Jahren konstant hoch, besonders in den Städten. Eine Datenanalyse zeigt, wie angespannt die Situation ist.

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Einen Grund sieht er darin, dass die Zinsen und auch die Baukosten in den vergangenen Jahren gestiegen sind. Dazu komme, dass sich im Moment viele Menschen wegen der wirtschaftlichen Lage Sorge machten und Angst um ihren Arbeitsplatz hätten. Die geopolitische Lage tue ein Übriges. Diese Verunsicherung bekomme die Baubranche zu spüren.

Ist Wohnungstausch eine Lösung?

Oft ist Wohnraum auch falsch verteilt. Zum Beispiel, wenn ältere Menschen zu viel Platz haben, etwa wenn die Kinder ausgezogen sind. Die Stadt Freiburg hat eine Idee entwickelt, wie man solchen ungenutzten Wohnraum besser nutzen kann: Die Tauschbörse für Wohnungen. Tina Hoenle kam so zu einer kleineren Wohnung. Vorher lebte sie in einer Vier-Zimmer-Wohnung. Diese war ihr zu groß geworden, nachdem ihre Tochter ausgezogen war. Sie inserierte auf dem Wohnungstausch-Portal der Stadt. Und fand Tauschpartner, ein junges Paar mit Kinderwunsch, das eine größere Wohnung suchte.

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Wohnst du schon oder suchst du noch? Wohnraum in Freiburg ist teuer, gefragt und vor allem rar. Hauptsache, etwas haben - selbst wenn die Vermieter fragwürdig oder der Zustand der Wohnung katastrophal ist.

"Die Wohnungsnot hat eine große Rolle gespielt, weil ich weiß, wie die Situation ist. Und ja, ich wollte einfach einer Familie die Möglichkeit geben, entsprechenden Wohnraum zu habe", sagt Tina Hoenle. Heute lebt sie in einer Zwei-Zimmer-Wohnung auf 66 statt 104 Quadratmetern. Von der Stadt bekam sie für den Umzug eine Prämie von 2.000 Euro, weil sie in eine kleinere Wohnung zog.

Hauke Quathamer von der Stadt Freiburg erklärt dazu: "In deutschen Großstädten leben 16 Prozent der Haushalte in zu kleinen Wohnungen. Auf der anderen Seite leben sechs Prozent in zu großen Wohnungen. Und dieses Miss-Match, das wollen wir lösen." Seit Gründung des Portals vor fünf Jahren hat Freiburg an 23 Personen eine solche Prämie fürs Wohnungstauschen ausbezahlt. Nicht viel für eine Großstadt, in der rund 10.000 Wohnungen fehlen. Aber jede einzelne Wohnung zähle im Kampf gegen die Wohnungsnot, sagt die Stadt.

Geringverdiener haben es bei der Wohnungssuche besonders schwer

Menschen mit wenig Geld haben es meist besonders schwer, etwas Passendes und Bezahlbares zu finden. Rentnerin Marion Schäfer sucht schon länger in Stuttgart ein neues - bescheidenes - Zuhause: "Ich bin da eigentlich sehr flexibel, weil ich eben schon zwei Jahre suche. Ich suche nur eine Einzimmerwohnung, ich suche kein Penthouse oder irgendwas, sondern einfach eine schöne Einzimmerwohnung mit einem kleinen Balkon. Das wäre genial".

Zur Zeit wohnt Marion Schäfer in Filderstadt (Kreis Esslingen), in einer kleinen Kellerwohnung. Um in Küche und Bad zu gelangen, muss sie über den Hausflur. Sie will aus der Wohnung raus, hat aber bisher nur Absagen kassiert.
Zur Zeit wohnt Marion Schäfer in Filderstadt (Kreis Esslingen), in einer kleinen Kellerwohnung. Um in Küche und Bad zu gelangen, muss sie über den Hausflur. Sie will aus der Wohnung raus, hat aber bisher nur Absagen kassiert.

Bislang sucht Marion Schäfer vergeblich. Sie hat ein Leben lang in der Kinderbetreuung gearbeitet, hat wenig verdient, daher nur eine schmale Rente. Für eine Wohnung könnte sie maximal 600 Euro zahlen.

Zur Zeit wohnt Marion Schäfer in Filderstadt (Kreis Esslingen), in einer kleinen Kellerwohnung. Um in Küche und Bad zu gelangen, muss sie über den Hausflur. Sie will aus der Wohnung raus, hat aber bisher nur Absagen kassiert. Oder ihr wurden Wohnungen angeboten, die für sie nicht akzeptabel waren. Nach einem anstrengenden Arbeitsleben wünscht sich die 63-Jährige einfach nur ein bisschen mehr Lebensqualität - und ist enttäuscht. Es sei beschämend, wie es in Deutschland auf dem Wohnungsmarkt laufe, ganz ganz schrecklich, sagt sie.

Was macht die Politik gegen die Wohnungsnot?

Was will die Politik gegen die Wohnungsnot unternehmen? Im Vorfeld der Landtagswahl haben Vertreter mehrerer Parteien in der SWR Sendung "Zur Sache! Baden-Württemberg" erläutert, wie sie das Problem lösen wollen. Für private Investoren müsse sich Bauen wieder rechnen, sagte Landeswohnbauministerin Nicole Razavi (CDU).

Der wohnungspolitische Sprecher der SPD, Jonas Hoffmann, kritisierte, man habe versäumt, tausende Sozialwohnungen zu bauen. Cindy Holmberg, wohnungspolitische Sprecherin der Grünen, plädierte dafür, leerstehende Büros in Wohnraum umzuwandeln. Und AfD-Landtagsfraktionschef Anton Baron sprach sich gegen die Mietpreisbremse aus – und für den privaten Markt, aus dem sich der Staat raushalten müsse.

Bei "Zur Sache! Baden-Württemberg" Was tun gegen 200.000 fehlende Wohnungen in BW?

In BW fehlen etwa 200.000 Wohnungen. Vor der Landtagswahl haben Vertreter mehrerer Parteien in der SWR Sendung "Zur Sache! Baden-Württemberg" erläutert, wie sie das Problem lösen wollen.

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In Baden-Württemberg fehlen Wohnungen und die Mietbelastung ist seit Jahren konstant hoch, besonders in den Städten. Eine Datenanalyse zeigt, wie angespannt die Situation ist.

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Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Thomas Eberding
Thomas Eberding ist Teil des Teams von "Zur Sache! Baden-Württemberg".
Jürgen Rose
Jürgen Rose ist Teil der Redaktion von "Zur Sache! Baden-Württemberg".
Onlinefassung
Nicolas Friese
SWR-Redakteur Nicolas Friese.

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