Mehr politische Verantwortung für die heimische Industrie - das ist die Forderung von Baden-Württembergs IG Metall-Chefin Barbara Resch angesichts verschärften globalen Wettbewerbs und Wirtschaftsabschwung. "Mehr Made in Germany" und Local Content sollen Arbeitsplätze sichern, ohne dass die hohen Lohnkosten gesenkt werden müssen.
Gewerkschafts-Chefin warnt vor unzureichender Politik
Barbara Resch beschreibt die aktuelle Lage der Industrie als "heftige Krisensituation". Transformation von Verbrennern zu Elektromobilität, neue Technologien, die Folgen des Ukraine-Kriegs, steigende Energiepreise und US-Zölle sowie der Druck durch den chinesischen Wettbewerb stellten Unternehmen vor enorme Herausforderungen.
"Wenn die Arbeitgeber sagen, ja, ganz oft, der Markt wird schon alles regeln - das höre ich auch immer wieder von der Politik. Ich befürchte, der regelt eben nicht alles", sagt Resch im SWR-Videopodcast "Zur Sache! intensiv". Sie fordert, dass die Politik aktiv eingreift, um industrielle Wertschöpfung in Deutschland zu sichern.
"Local Content" als Instrument gegen Produktionsverlagerung
Resch spricht sich deshalb für mehr "Local Content" aus - also dafür, dass möglichst viele Produktionsschritte und Materialien in Deutschland erzeugt werden. Damit passiere die Wertschöpfung hier im Land. Der Verband der Automobilindustrie steht der Forderung nach "Local Content" kritisch gegenüber. Laut dem Verband birgt Abschottung immer auch die Gefahr von Gegenreaktionen anderer Länder.
Lohnkosten: Kein Hindernis für den Standort
Immer wieder betonen Unternehmen, dass die hohen Lohnkosten in Deutschland ein Wettbewerbsnachteil seien. Resch widerspricht: "Arbeitskosten runter zu schrauben, löst das Problem nicht. Es geht um technologische Möglichkeiten, Standortbedingungen und Produktivität." Baden-Württemberg sei trotz hoher Löhne stark. Entscheidend sei, dass Unternehmen, Gewerkschaften und Politik gemeinsam die Rahmenbedingungen für Investitionen und Innovationen verbessern.
Manche Unternehmen haben den Standort Deutschland laut der IG Metall-Chefin schon aufgegeben. Zukunftsprodukte würden in andere Länder verlagert oder es würde entschieden, dass nicht mehr investiert wird in Deutschland. Das liege zumindest in Teilen auch daran, dass die Standortbedingungen in Deutschland nicht ideal sind, beispielsweise wegen maroder Brücken. Die machten den Export komplizierter, da Güter zum Verschiffen erst nach Bremen transportiert werden müssen.
Politik, Industrie und Gewerkschaften müssen zusammenarbeiten
Um den Standort Deutschland zu sichern, seien Investitionen in Infrastruktur, Elektrotankstellen für Lkw, Unterstützung kleinerer Zulieferer und die Beteiligung der Beschäftigten entscheidend. Nur mit einem starken Zusammenspiel von Politik, Unternehmen und Gewerkschaften lasse sich die Transformation bewältigen und Arbeitsplätze sichern.
"Wenn in den Werkshallen das Licht ausgeht, geht es auch in Schwimmbädern, Kindergärten, Krankenhäusern aus. Die Industrie trägt zur Wertschöpfung und zum Wohlstand bei", so Resch.