Ohne Absicht habe ich seit Freitag fast jedes EM-Spiel geguckt. Und das, obwohl ich null Ahnung von Fußball habe, nicht einmal vom deutschen. Fragen Sie mich bloß nicht nach dem deutschen Kader. Und welcher Kicker in welcher Mannschaft bzw. Liga spielt!
Nicht Spieler faszinieren mich, sondern die Kulisse. Ich reibe mir fröhlich die Augen, wenn zehntausende Fans aus den Niederlanden die Tribüne orange färben. Oder die Kroaten ihre Fankurve rot-weiß. In meiner Stammkneipe drückten einander am Wochenende Kroaten, Slowenen und Serben die Daumen. Nicht politisch, aber sportlich scheint der Balkan wieder vereint.
Fans aus den Niederlanden färben Stadion orange
Ich glaube, von dieser Fußball-Europameisterschaft geht ein besonderer Zauber aus. Ukrainer und Georgier, Deutsche und Franzosen feiern gemeinsam eine Auszeit von der „Zeitenwende“. Die machte auch am ersten EM-Wochenende Schlagzeilen mit einer Ukraine-Konferenz in der Schweiz und mit einem Spitzentreffen der Ampelkoalition über Haushaltslöcher. Zufällig, aber gerade zur richtigen Zeit.
Wie Sie werde ich vier Wochen lang ein Fußballbad nehmen. Spiele gucken, Menschen kennenlernen. Ich freue mich auf acht Schotten, die in einer Ferienwohnung neben meiner Stammkneipe Quartier bezogen haben. Das ist schlecht für meine Leber, frischt aber die Englischkenntnisse kolossal auf!