„Zwei Minuten“: Die Kolumne zum Wochenende

Meinung: Mit Ommmm aus der Krise

Die Welt ist in Unordnung, die eigene Stimmung leidet darunter. Da sollen Achtsamkeitsübungen helfen. Constance Schirra ist sich da nicht so sicher.

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Von Autor/in Constance Schirra

Heiliger Strohsack, was ist bloß los auf dieser Welt? Menschen gehen auf andere Menschen los, mit Messern und Autos und Macheten; im Weißen Haus sitzt – man kann es nicht anders sagen: ein orangener Irrer, der mal eben die Welt- und Wertordnung wegfegt und den Amerika einfach gewähren lässt; Europa rüstet sich mit Kriegsgerät was das Zeug hält; wir saufen ab oder vertrocknen, weil das Klima unserem Konsum nicht standhält, aber Flugreisen und Kreuzfahrten boomen wie nie; immer mehr Menschen glauben an Dinge, die nachweislich nicht stimmen; immer mehr Menschen glauben, ihr Heil bei Rechtsextremen zu finden; künstliche Intelligenz ersetzt die eigene; FakeNews gelten als Meinung, Jugendliche wetten, wer am meisten Medikamente schlucken kann; aus gut wird böse und umgekehrt… Echt! Es ist doch kein Wunder, dass wir alle griesgrämig aus der Wäsche gucken.

Die Kolumne zum Wochenende können Sie sich auch hier anhören:

Ich lese in dieser Zeit viele Artikel über Achtsamkeit. Achtsamkeit schützt vor Stress und stärkt die Resilienz. Super, brauch ich. „US-Präsident Donald Trump kündigt an, die USA stellten die Hilfe für die Ukraine ein?“  Atmen… vier Mal ein, acht Mal aus… unterstützt den Parasympathikus, den guten, … vorausgesetzt, man macht so Zischlaute beim Ausatmen: ein… aus… zählen nicht vergessen... 8... 9 ne, falsch, von vorne. Ich zische jetzt oft während der Nachrichten, mein Mann guckt komisch dazu.

Constance Schirra
Die Kolumne zum Wochenende von Constance Schirra

Auch habe ich mir ein XXL Akkupressurmatte Premium Set zugelegt, 10 000 Spitzen aktivieren Glückshormone für tiefe Erholung. „800 Milliarden Euro für europäische Waffen?“ Auf die Matte, los, schnell, atmen, zischen, zählen, es piekst, überall, meine Glückshormone aktivieren sich nicht.

Nächste Ratschläge für meine Resilienz: „Schließen Sie die Augen und lassen Sie sich ein Stück Schokolade auf der Zunge zergehen.“ Warum nur eins?  „Kaufen Sie sich mal was Schönes.“ Auja, gerne! Vielleicht einen Tee-Pinguin für meinen Yogi Tee „innere Harmonie“! Eine Klangschale! Kopfstandhocker! Ach Mensch, mit diesen Ratschlägen werde ich nur dick und arm. Komm noch EINE Übung: „Sagen Sie ein positives Mantra!“. Ok… hmmm…: „Alles ist gut! Alles ist gut! Alles ist gut!“ sagt mein Kopf. „Stimmt gar nicht! Stimmt gar nicht! Stimmt gar nicht!“ Sagt mein Kopf. Irgendwie… das ist alles… nix für mich.

Ich mach das lieber wie immer, wenn die Welt so hässlich daherkommt: Katze kraulen, ein bisschen vor mich hingucken, Baum anschauen, Hummel beobachten, Meisen zuhören und da, na sowas… die erste Osterglocke! Es wird Frühling. Wie schön!

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