Experten treffen sich zu Kongress in Hamburg

Extremwettergefahr im Südwesten steigt

Die Extremwettergefahr steigt weltweit, auch bei uns im Südwesten werden Starkregen oder Hitzewellen wahrscheinlicher. Experten diskutieren aktuelle Entwicklungen und Anpassungsstrategien.

Teilen

Stand

Von Autor/in Katha Jansen

Die Klimakrise wird für viele Menschen zunehmend spürbar. Auch mitten in Europa. Extreme Hitzetage am Oberrhein, Dürre im Westerwald, oder Flutkatastrophen, wie in Braunsbach oder im Ahrtal. Solche klimawandelbedingten Extremwetter erlebt auch der Südwesten immer öfter. In Zukunft wird sich die Situation weiter verschärfen.  

Extremwetterkongress bringt Experten zusammen

In dieser Woche treffen sich in Hamburg Expertinnen und Experten verschiedener Fachrichtungen zum 15. Extremwetterkongress. Dort werden neue Erkenntnisse vorgestellt und diskutiert. Unter anderem wird es um Extremwetterentwicklungen in Deutschland, Extremwetter und (mentale) Gesundheit und Risikoanpassung gehen.

3-Grad-Grenze könnte schon 2050 überschritten werden

"Die Beschleunigung der globalen Erwärmung ist derart schnell, dass wir aus der Klimakurve fliegen. Wir müssten dringend auf die Bremse treten, doch emittieren wir weiterhin viel zu viel CO2", warnt Frank Böttcher, Veranstalter des Extremwetterkongresses und Vorsitzender der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft.

Das ist ein anderer Planet.

Laut dem Pariser Klimaabkommen sollte sich die Erde um maximal 1,5 Grad im Vergleich zum Vorindustriellen Zeitalter erwärmen. Forschende warnen aber davor, dass diese Zielmarke bereits langfristig überschritten sein könnte. "Wir müssen jetzt mit einer Welt denken und planen, in der wir 2050 bereits die 3-Grad-Grenze überschreiten. Das ist ein anderer Planet", so Böttcher. Ein Planet mit deutlich mehr und deutlich stärkeren Extremwettern, prognostizieren Wissenschaftler.

Mannheim

Klimawandel Studie der Uni Mannheim: Europa erleidet Milliardenschäden durch extreme Wetterereignisse

Ein Viertel der EU-Regionen war diesen Sommer von extremen Wetterereignissen betroffen. Sie haben enorme wirtschaftliche Schäden verursacht, das zeigt eine Studie der Uni Mannheim.

Klimazone Norditalien in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz

Auch im Südwesten werde man mit Voranschreiten der globalen Erwärmung mehr Wetterextreme erleben. Schon heute seien deutliche Veränderungen bei der Temperatur zu sehen, erklärt Frank Böttcher:

"Schauen wir uns die Hitzetage über 30 Grad in Stuttgart an: In den 30 Jahren 1961 bis 1990 gab es davon 137. In den 30 Jahren bis 2020 waren es 296, also mehr als doppelt so viele. Und von 2021 bis 2050 erwarte ich rund 600 Tage. Damit erreicht der Südwesten eine Klimazone Norditalien."

Hitze, Dürren und Starkregen

Neben länger andauernden Hitzephasen, werden auch Dürren und Starkregenereignisse wahrscheinlicher. Je nach Region und Landschaft variieren die konkreten Risiken, sagt Böttcher: "Alle Regionen werden betroffen sein. Im Schwarzwald werden die Fichtenbestände bis 2050 zum großen Teil verschwinden. In den Tälern der Mittelgebirge drohen Hochwasser-Ereignisse wie im Ahrtal und entlang des Oberrheins werden besonders heiße Sommertage, die vor 50 Jahren 35 Grad brachten, um 2050 bis zu 45 Grad bringen."

Sturm, Gewitter, Feuer Nach heftigen Unwettern: Welche Versicherung zahlt was?

Unwetter verursachen öfter Schäden in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Eigentümer und Mieter sind teils nicht versichert oder unzureichend informiert über Versicherungen.

Marktcheck SWR

Die Menschen müssten sich auf teils erhebliche Veränderungen und auch Gefahren einstellen. Deshalb sei es unverzichtbar, neben dem Klimaschutz auch Klimaanpassung zu betreiben, meint der Extremwetterexperte.

Prävention muss einfacher werden

Vielerorts wird inzwischen an der Anpassung an Klimawandelfolgen gearbeitet. Städte, Kommunen und Gemeinden bereiten sich vor. Manche mehr, andere weniger. Diese Anpassung läuft aber insgesamt noch zu langsam, kritisieren Experten. Auch Frank Böttcher betont, es dauere oft unnötig lange. Verwaltungsvorgaben, Vorschriften und Zielkonflikte behinderten die Umsetzung sinnvoller Maßnahmen.

"Klimaschutz und Denkmalschutz sind nicht immer leicht zu vereinbaren. Umweltschutzvorgaben stehen oft dem Bau von Hochwasserschutzanlagen für Menschen im Weg. Noch schlimmer ist es nach einer Katastrophe, wenn diese Vorgaben den Wiederaufbau völlig ausbremsen, wie wir es im Ahrtal erleben", so Böttcher.

Klima-Krise · Was die Wissenschaft wirklich weiß

Der Klimawandel betrifft uns schon jetzt, unmittelbar und heftig. Wissenschaftler:innen beantworten die Frage, wie groß ist das Klimaproblem tatsächlich ist.

Klimawandel - Was die Wissenschaft wirklich weiß SWR Fernsehen

Studie: Eine halbe Million Extremwettertote

Extremwetter sind eine reale Bedrohung für das Leben vieler Menschen. Eine Studie der World Weather Attribution zeigt, dass die zehn weltweit tödlichsten Wetterereignissen seit 2004 mehr als eine halben Million Menschen das Leben gekostet haben. Die Auswertung ist aus dem Herbst 2024, inzwischen dürfte sich die Zahl nochmal vergrößert haben.

Wirtschaftsfaktor Extremwetter

Extremwetter bedrohen aber nicht nur ganz direkt das Leben, sondern auch den Wohlstand. Denn sie kosten uns jede Menge Geld. Wie viel, das hat kürzlich eine Studie der Universität Mannheim und der Europäischen Zentralbank untersucht. Allein in diesem Sommer haben Extremwetter in der Europäischen Union Kosten von geschätzt 43 Milliarden Euro verursacht. Diese Summe ist aber nicht final.

Denn, so die Forschenden, die Kosten, die nach Hitzewellen, Dürren oder Überflutungen entstehen, treten oft über mehrere Jahre hinweg auf. So dürften die Schäden der Extremwetter aus diesem Sommer bis 2029 insgesamt 129 Milliarden Euro kosten.

Rudersberg

Neuanfang für Werner und Dorothe Nach dem Hochwasser: "Unsere Metzgerei darf nicht sterben!"

In Rudersberg zerstörte eine Sturzflut die Metzgerei von Werner und Dorothe. Doch die beiden bauen mit Mut und Unternehmergeist den 7 Generationen alten Familienbetrieb wieder auf.

SWR1 Baden-Württemberg SWR1 Baden-Württemberg

Wiesloch

Unwetter, Hagel, Überschwemmung - was hilft? Wiesloch als Vorreiter beim Hochwasserschutz

Überschwemmungen durch Starkregen - darauf sind viele Kommunen kaum vorbereitet. Ausnahme: Wiesloch und seine Nachbarn. Wie sie sich gegen Hochwasser gewappnet haben.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Katha Jansen
SWR-Wirtschaftsredakteurin Katha Jansen

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!