Bei den Ausgaben für die Kinderbetreuung gibt es ein großes Ost-West-Gefälle. Das geht aus einer an diesem Donnerstag veröffentlichten Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor.
Im Bundesschnitt liegen die öffentlichen Ausgaben für die Betreuung von Kindern unter sechs Jahren bei 9.563 Euro pro Kind und Jahr. Das sind etwa die Kosten für Kitas oder Tageseltern.
Rheinland-Pfalz gibt deutlich mehr Geld für Kinderbetreuung aus als Baden-Württemberg
Der Südwesten liegt dabei hinter dem Osten zurück: Baden-Württemberg gibt im Bundesvergleich mit 8.590 Euro am wenigsten für die Kinderbetreuung für Kinder unter sechs Jahren aus, also noch weniger als Bayern und das Saarland.
Rheinland-Pfalz liegt mit 9.740 Euro knapp über dem Bundesschnitt und damit auf Platz 9. Spitzenreiter Brandenburg dagegen gibt mehr als 12.000 Euro aus. Die Angaben beziehen sich auf das Jahr 2023.
Im Südwesten werden weniger Kinder unter drei Jahren betreut - geringere Kosten
Der Studienautor erklärt den Unterschied damit, dass in Ostdeutschland deutlich mehr Kinder unter drei Jahren betreut würden. Das ist besonders teuer, weil dafür mehr qualifiziertes Fachpersonal benötigt wird.
In den westlichen Bundesländern waren im März 2023 weniger als 20 Prozent der Kinder in den Kitas unter drei Jahre alt, im Osten waren das knapp 30 Prozent. Vereinfacht kann man also sagen: Baden-Württemberg gibt so wenig für frühkindliche Bildung aus, weil verhältnismäßig wenig kleine Kinder in eine Kita oder zu einer Tagesmutter gehen.
Die Studie gibt aber keinen Aufschluss darüber, ob das daran liegt, dass es zu wenig Plätze gibt oder daran, dass der Bedarf nicht da ist. Der Studienautor vermutet, dass es an den vergleichsweise hohen Gebühren liegt, die Eltern womöglich davon abhalten, ihre Kinder in die Kita zu schicken. In BW seien Kita-Plätze nämlich sehr teuer und vielerorts auch nicht nach dem Einkommen der Eltern gestaffelt.
Baden-Württemberg und Bayern sollten laut IW mehr Geld in frühkindliche Bildung investieren
Die Wissenschaftler empfehlen explizit den Ländern Baden-Württemberg und Bayern, mehr Geld in frühkindliche Bildung zu investieren und so die Eltern bei den Betreuungskosten für Kinder unter drei Jahren zu entlasten.
Das IW ist ein arbeitgebernahes Insitut und wird von der Privatwirtschaft finanziert. Unternehmen haben ein Interesse daran, dass Eltern, besonders Mütter, nach der Geburt eines oder mehrere Kinder schnell wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren. Das geht allerdings nur, wenn es eine Betreuung für die Kinder gibt.
Gleichzeitig betont das IW aber auch, dass frühkindliche Bildung auch deshalb wichtig sei, weil immer mehr Kinder aus bildungsfernen Familien kämen, in denen häufig kein Deutsch gesprochen werde. Gerade für diese Kinder sei es wichtig, schon früh gefördert zu werden, damit sie später in der Schule dieselben Startchancen haben wie andere Kinder.