Trockene Böden setzen den Wald im Südwesten unter Dauerstress, heißt es von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. In Rheinland-Pfalz gilt das unter anderem für früher fichtenreiche Gegenden wie den Westerwald, für den Haardtrand oder den Bienwald. In Baden-Württemberg leiden besonders Wälder mit einer hohen Anzahl an flach wurzelnden Fichten und anderen Nadelbäumen, wie der Schwarzwald, der Odenwald und der Schwäbisch-Fränkische Wald.
Ausbleibender Regen bedroht vor allem junge Bäume
Besonders kritisch, so die Fachleute, ist die Situation bei jungen Bäumen. Die aktuelle Dürre betreffe damit nicht nur den bestehenden Wald, sondern auch den Wald der Zukunft. Wo in den letzten Jahren junge Bäume gepflanzt wurden, reichten ihre Wurzeln oft noch nicht tief genug, um aus tieferen Schichten Wasser zu ziehen. Die Folge: viele gepflanzte Bäumchen sterben ab. Auch die von selbst aus Samen gewachsen sind, leiden derzeit unter Trockenstress. In den Wäldern sieht man an kleinen Buchen aktuell viel vertrocknetes Laub. Auf einigen Aufforstungsflächen in Baden-Württemberg werden junge Bäume extra beregnet, etwa in Bruchsal. Im Stadtwald Neubulach im Kreis Calw wurden Bäume mit Hilfe der Feuerwehr mit Wasser aus der Nagold versorgt.
Viele Auswirkungen der Trockenheit zeigen sich zeitverzögert
Buchen zum Beispiel können im Jahr nach einem extremen Dürresommer massenhaft Bucheckern bilden, erläutert Forstwissenschaftler und Waldökologe Nikolai Kalinke von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald - als eine Art Notfallprogramm. Der Baum reagiere auf den Wassermangel, indem er seine verbliebene Energie in die Fortpflanzung, also in Samen steckt. Das aber schwäche die Buche zusätzlich, unter Umständen so stark, dass sie im Folgejahr stirbt. Die Trockenheit schadet dem Wald also nicht nur, solange sie anhält, sondern kann Folgen haben, die sich erst langfristig zeigen. Einige Gewitterschauer oder auch Starkregenfälle dürften für den Wald kaum Entspannung bringen. Oft kann der trockene Boden den Regen gar nicht so schnell aufnehmen, wie er fällt. Stattdessen bräuchte es einen längeren Landregen.
Folgen der Trockenheit für die Rheinaue
Niedrigwasser am Rhein kann auch die Rheinauen gefährden, den "badischen Dschungel". Sie sind ein sensibles Ökoystem, in dem unzählige Tier- und Pflanzenarten leben. Wenn der Flusspegel lange niedrig bleibt, können Altarme und flache Auengewässer verlanden oder austrocknen. Ein trockener Sommer sei am Oberrhein nicht ungewöhnlich, so Auenökologe Christian Damm vom Karlsruher Institut für Technologie gegenüber dem SWR. Aber wenn Hitze und Wassermangel häufiger auftreten, verändert sich der ganze Auwald mit seinen Arten.
Wenn das Wasser im Rhein zurückgeht und die Auen sozusagen ausgetrocknet werden, dann bedeutet das, dass denen das wesentliche Lebenselixier fehlt.
Besonders gefährdet sind zum Beispiel Amphibien. Wo Laichgewässer zu früh austrocknen, können sich Kaulquappen nicht vollständig entwickeln und sterben. Auwald-Bäume wie Silberweiden oder Schwarzpappeln brauchen feuchte Böden. Wenn es mehrere Dürrejahr in Folge gibt, dann sterben sie ab. Die Lücken werden von anderen, trockenresistenteren Arten besetzt. Wie der Auwald der Zukunft aussieht, weiß niemand, meint der Fachmann.
Grundwasser unter Druck
Im Südwesten werden schon seit Anfang der 2000er Jahre mit regionalen Unterschieden zum Teil massiv sinkende Grundwasserstände verzeichnet - eine Entwicklung, die sich, Prognosen zufolge, in den nächsten rund 30 Jahren weiter fortsetzen wird. Das Ganze hat viele Gründe, etliche sind hausgemacht.
Die Landschaft wird nach wie vor entwässert, auch der Klimawandel spielt eine Rolle, erklärt der Grundwasserökologe Hans Jürgen Hahn von der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau. Nach einer langen Trockenheit muss erstmal das Wasser im Boden "aufgefüllt" werden, bis es ans Grundwasser weitergereicht wird.
Es bleibt also weniger Zeit für die Grundwasserneubildung. Dabei ist die inzwischen sowieso schon knapp, weil durch den Klimawandel Pflanzen länger wachsen und es deshalb weniger Wochen im Winterhalbjahr gibt, in denen überhaupt Wasser in tiefere Schichten gelangen kann, ohne dass es zuvor von Pflanzen aufgebraucht wurde. Da Bäche zu einem großen Teil aus Grundwasser gespeist werden, dürften weiter sinkende Grundwasserstände dazu führen, dass Bäche in unseren Mittelgebirgen und in der Rheinebene noch öfter versiegen, erwartet der Experte.
Die Aufgabe: Wasser länger in der Landschaft halten
Dauerhafte Trockenheit hat also auch viele langfristige Folgen. Für den Auenökologen Christian Damm liegt ein Teil der Lösung darin, Wasser länger in der Landschaft zu halten.
Die gute Nachricht ist, wir haben im Winter sehr viel Wasser und zunehmend Wasser. Das heißt, wir müssen einfach lernen, diesen Wasserhaushalt über das Jahr besser zu verteilen.
Dafür können Böden entsiegelt, Gräben aufgestaut, Wiesen vernässt und Moore renaturiert werden. In den Wäldern können unter anderem Mulden und Gräben helfen, dass Regenwasser nicht sofort abfließt, sondern versickert. So lassen sich die Folgen von Trockenheit zumindest abmildern.
Auch wenn die aktuelle Trockenzeit im Herbst vorbei sollte - die Natur hat ein langes Gedächtnis, und viele Schäden werden sich erst in Zukunft zeigen.