Hohe Spritpreise

Pendler suchen nach Alternativen zum Tanken

Die Fahrt zur Tankstelle tut vor allem Pendlerinnen und Pendlern seit Monaten so richtig weh. Wie gehen sie mit der Situation um? Welche Alternativen gibt es?

Teilen

Stand

Von Autor/in Sina Groß, Holger Schäfer

Angelika Jun arbeitet in der Pflege, pendelt jeden Tag von Rheinböllen im Hunsrück zur Arbeitsstelle in Mainz. So wie viele andere Pendler ächzt sie seit Monaten unter den Spritpreisen. "Es ist schon Wahnsinn", sagt sie. "Jetzt muss ich mir überlegen, wann ich tanken gehe, weil ja mittags die Preise auch noch mal hochgehen."

Für sie sei die Fahrt zur Arbeit - jeden Tag 60 Kilometer hin und 60 Kilometer zurück - inzwischen richtig teuer geworden. Eine Tankfüllung koste sie 120 Euro, im Monat seien es mittlerweile 400 - 450 Euro. "Das ist ja wirklich schon Luxus zu tanken", findet Angelika Jun.

Auch Deutschlandticket hat Nachteile

Ihr Nachbar Björn Scarbata pendelt ebenfalls nach Mainz. Er nutzte jahrelang das Deutschlandticket. Inzwischen sei er umgestiegen: "Dadurch, dass die Bahn jetzt wegen der vielen Baustellen nicht mehr so gut ist und auch noch der Preis des Deutschland-Ticket gestiegen ist, ist das Auto für mich zurzeit das kleinere Übel."

ÖPNV bietet keine Verbindungen in Randzeiten

In Ballungsräumen seien Bus und Bahn eine gute Alternative, findet auch Angelika Jun. Für sie allerdings nicht. Sie arbeitet als Kinderkrankenschwester an der Mainzer Uniklinik im Schichtdienst und kann den ÖPNV deswegen kaum nutzen. "Die Verbindungen bestehen, aber halt nicht für meine Arbeitszeiten, für den Schichtbetrieb. Das Problem ist, dass der erste Bus hier um 6 Uhr losfährt, aber mein Frühdienst halt um 6 Uhr beginnt", erzählt die Hunsrückerin.

RLP

Niedrigwasser im Rhein Spritpreise steigen: Was tun, wenn Tanken in RLP teurer als anderswo ist?

Tanken ist derzeit in Rheinland-Pfalz besonders teuer. Zusammen mit Nordrhein-Westfalen und Hessen gibt es hier die höchsten Spritpreise.

Sind Fahrgemeinschaften eine Lösung?

Um den hohen Spritpreisen ein Schnippchen zu schlagen, hat sie es auch mal mit Fahrgemeinschaften versucht. Doch das sei nicht so einfach, weil die Kollegen und sie oft unterschiedliche Schichten hätten. Es komme maximal einmal im Monat vor, dass sie zusammen fahren könnten.

Um Pendlerinnen wie Angelika Jun finanziell zu entlasten, hatte die Bundesregierung für Mai und Juni einen Tankrabatt von rund 17 Cent pro Liter eingeführt. Davon kam bei der Hunsrückerin nach eigenen Angaben wenig an.

Wo fließt das Geld hin?

Wer also verdient an den hohen Spritpreisen? Zum einen der Staat, sagt Mobilitätsforscherin Beatrix Keim: "Es ist zu einem schon relativ großen Teil die Besteuerung, aber eben auch Gewinne seitens der Erdölgesellschaften." Der Tankrabatt sei über die Mineralölgesellschaften nicht zu 100 Prozent an die Verbraucher weitergegeben worden, kritisiert die Expertin.

Diesel- und Benzinpreise So tanken Sie heute günstig

Spritpreise am 26. August 2026: Superbenzin kostet im Mittel 2,18€, E10 2,12€ und Diesel 2,21€ in Deutschland. So teuer ist es in Ihrer Nähe.

Der Tag in RLP SWR1 Rheinland-Pfalz

Politik hob Kilometerpauschale an

Und was tut die Politik für die Pendler? Die Kilometerpauschale ist auf 38 Cent pro Kilometer gestiegen, das dürfte viele Pendler zumindest teilweise entschädigen.  

Weitere Entlastungen oder eine Fortsetzung des Tankrabatts seien nicht geplant, erfahren wir beim Bundesverkehrsministerium, das auf SWR-Nachfrage mitteilt:

"Die Bundesregierung beabsichtigt derzeit keine weiteren kraftstoffspezifischen Entlastungsmaßnahmen. Gleichwohl stärkt die Bundesregierung den ÖPNV: Neben Förderprogrammen (...) die finanzielle Sicherung des Deutschlandtickets. Dies ist eine wichtigte Grundlage auch für Mobilitätsangebote auf dem Land." (Quelle: Bundesverkehrsministerium)

E-Auto-Bestellungen steigen rapide an

Für den Hunsrücker Pendler Björn Scarbata ist der ÖPNV keine Option mehr. Er will zum Pendeln nun auf ein Elektroauto umsteigen. Das hat er schon mit einem Leasingfahrzeug ausprobiert. Sein Fazit: "Die Reichweite hat selbst im Winter dicke gereicht und preislich ist es auf 100 Kilometer deutlich günstiger."

Sein Autohändler Christopher Dambach erzählt, dass viele auf dem Land die hohen Spritpreise zum Anlass genommen hätten, auf ein E-Auto umzusteigen. Die Autohändler im Hunsrück seien teilweise überfordert gewesen mit dem Run. "Jetzt werden schon Produktionen aus Europa, aus umliegenden Ländern nach Deutschland gezogen, um den Bedarf zu decken", so Dambach.

E-Auto-Förderung bietet Anreiz

Neben den hohen Spritpreise sorgt auch die E-Auto-Förderung für einen Anreiz. Dafür stehen insgesamt 3 Milliarden Euro bereit – was geschätzt für rund 800.000 Fahrzeuge reicht. Pro Leasing oder Kauf gibt es bis zu 6.000 Euro Förderung. In den Genuss der Förderungen kommt aber bei weitem nicht jeder: Es gibt sie nur bis höchstens 80.000 Euro Einkommen pro Haushalt. Deshalb hätten viele keinen Anspruch darauf, erklärt Händler Christopher Dambach: "Hier im Hunsrück gehen meistens in einer Ehe beide arbeiten und dann sind sie mit 81.000 Euro aus der Förderung ausgeschlossen."

Sein Kunde Björn Scarbata hat sich trotzdem für ein Elektroauto entschieden, um den hohen Spritpreisen zu entkommen. Scarbata hofft, dass das E-Auto, das er bestellt hat, noch vor dem Winter ankommt.

Angelika Jun sieht derweil noch eine letzte Möglichkeit, um auf die hohen Preise zu reagieren: "Vielleicht muss ich halt mal darüber nachdenken, mir irgendwann ein kleineres Auto zuzulegen, um wenigstens ein bisschen Sprit zu sparen."

Fazit: Für viele Menschen gibt es, je nach Wohnort Alternativen zum Auto: das Fahrrad, den ÖPNV, Fahrgemeinschaften, oder Elektroautos. Manchen aber bleibt nur zu hoffen, dass die Preise für Benzin und Diesel endlich wieder sinken.

Iran blockiert Ölexporte aus dem Nahen Osten Krieg im Nahen Osten: Ölpreise in Rheinland Pfalz steigen

Auch in Rheinland Pfalz nimmt der Angriff auf den Iran durch steigende Ölpreise Einfluss. Wann die Preise wieder sinken, hängt laut Experten von der Dauer des Konflikts ab.

Klug tanken, clever fahren Benzin wird immer teurer: Experte gibt 7 Tipps zum Geldsparen

Die Politik diskutiert weiter, was gegen die exorbitant hohen Benzinpreise zu tun ist. Als Autofahrer können wir aber alle sofort unsere Spritkosten senken. 7 Tipps und eine kleine Beispielrechnung.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Sina Groß
Holger Schäfer

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!