Der invasive Nager Nutria - auch Sumpfbiber oder Biberratte genannt - lebt nahe am Wasser und liebt es, lange Tunnel in Ufernähe zu graben. Genau das gefährdet aber den Hochwasserschutz in den betroffenen Gebieten.
Als Konsequenz fordert der Deutsche Jagdverband unter anderem, dass die Jagd auf die aus Südamerika stammenden Nager per Bundesjagdgesetz vereinfacht wird. Auch der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband will die Jagd attraktiver machen. Aber wie verbreitet sind die invasiven Tiere in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz überhaupt?
Wie viele Nutrias leben in Baden-Württemberg?
Anders als in anderen Regionen Deutschlands, ist die Zahl der Nutrias in Baden-Württemberg noch relativ gering. Doch genau wie auf Bundesebene breiten sich die Tiere auch hier immer weiter aus. Das zeigen die Zahlen des Deutschen Jagdverbands von Anfang August. 2023 wurden demnach in rund 19 Prozent der untersuchten Jagdreviere in Baden-Württemberg Nutrias gesichtet. 2015 waren gab es nur knapp in unter zehn Prozent der Jagdreviere Sichtungen.
Laut erst kürzlich veröffentlichten Zahlen des Landwirtschaftsministeriums wurden im Jagdjahr 2023/2024 insgesamt 4.809 Nutrias in Baden-Württemberg erlegt. Fünf Jahre zuvor waren es demnach mit 2.062 noch deutlich weniger als die Hälfte gewesen. Die Zahlen für das vergangene Jahr liegen noch nicht vor. Zuletzt wurden laut Ministerium in fast jeder zweiten Gemeinde des Landes Nutrias gemeldet.
Besonders verbreitet sind die Nager an Rhein und Neckar. Dort gibt es einige Bereiche, in denen recht viele Tiere auf engem Raum leben. Das führt teilweise bereits zu Problemen - etwa, wenn die Tiere Schutzdämme oder Straßen und Wege untergraben.
FDP/DVP-Fraktion mahnt Landesregierung zu Maßnahmen
Die FDP/DVP-Fraktion im baden-württembergischen Landtag sieht in der Verbreitung der Nutrias eine Bedrohung der Landwirtschaft. Daher fordert sie die Landesregierung auf, "alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die massive Ausbreitung der Nutrias einzudämmen". Bei einer Schädigung der Ernte sei der wirtschaftliche Schaden für die Landwirtschaft viel höher als die Kosten für eine gezielte Bekämpfung, heißt es von der Fraktion. Ihr jagdpolitischer Sprecher schlägt vor, Konzepte zu überlegen, um das Fleisch der Nutrias weiter zu verwerten.
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Wie viele Nutrias gibt es in Rheinland-Pfalz?
Auch in Rheinland-Pfalz ist die Zahl der Nutrias im deutschlandweiten Vergleich noch recht gering. Allerdings ist auch hier ein deutlicher Anstieg zu spüren - hierfür liegen zurzeit allerdings nur die Zahlen des Jagdverbands von Anfang August vor.
Demnach wurden 2023 die Tiere in rund 30 Prozent der untersuchten Jagdreviere in Rheinland-Pfalz gesichtet. 2015 waren es noch gut 20 Prozent.
Besonders wohl fühlen sich die Nagetiere an Rhein und Mosel. Auch hier leben oft viele Tiere auf engem Raum und untergraben in der Region Schutzdämme, Straßen und Wege.
Nutrias fressen anderen Tieren die Brutflächen weg
Für den Artenschutz sind die Nutrias ebenfalls problematisch, weil sie Schilf lieben und dabei ganze Flussläufe kahlfressen können. Diese Schilfgebiete in Ufernähe sind aber wichtig für die Fortpflanzung von heimischen Insekten, Amphibien, Fischen und Vögeln.
Warum können sich die Nutrias so gut ausbreiten?
Als invasive Art haben Nutrias bei uns keine natürlichen Feinde. Zudem können sie sich das ganze Jahr über fortpflanzen und bekommen zwei bis drei Mal pro Jahr jeweils fünf bis sieben Jungtiere.
Weil sie so niedlich aussehen, werden sie gerade in städtischen Gebieten oft unerlaubt gefüttert. Auch das hilft ihnen dabei, sich weiter auszubreiten. Die Deutsche Wildtierstiftung und auch das Bundesamt für Naturschutz rufen deshalb dazu auf, die Nagetiere nicht zu füttern.