Ausbildungsstart 2026

Handwerk statt Hörsaal: Warum Abiturient Samuel aus Trier Friseur werden möchte

Ausbildung trotz Abitur? Immer öfter entscheiden sich junge Menschen laut Handwerkskammer Trier nach dem Abitur für eine Ausbildung. Einer von ihnen ist Samuel aus Trier-Ehrang.

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Vorsichtig zieht Samuel Berlingen die silberne Friseurschere aus dem braunen Lederbeutel. "Das ist ein richtig kostbares und auch sensibles Werkzeug", sagt der 18-Jährige stolz während er die Schere behutsam in den Händen wendet.

Samuel an seinem zukünftigen Arbeitsplatz.
Der 18-jährige Samuel an seinem künftigen Arbeitsplatz.

Für Samuel hat die Schere aber vor allem einen emotionalen Wert. "Meine damalige Friseurin hat sie mir geschenkt, als sie gemerkt hat, wie sehr ich mich fürs Haare schneiden begeistere." Heute steht der 18-Jährige aus Trier-Ehrang kurz vor seinem Ausbildungsstart in einem Trierer Friseursalon.

Schere statt Schreibtisch

Vor ein paar Wochen hat der 18-Jährige sein Abitur am Friedrich-Spee-Gymnasium in Trier-Ehrang gemacht. Wie es nach der Schule für ihn weitergehen soll, hat ihn beschäftigt. Ein Architekturstudium wäre für ihn eine Option gewesen.

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Im Praktikum in einem Architekturbüro an Schreibtisch und Computer merkte er aber schnell, dass der Beruf nicht zu ihm passt. "Das Praktikum habe ich mir anders, kreativer vorgestellt. Das Zeichnen mit dem Stift hat mir gefehlt." Mit der Friseurschere ist das anders.

Vom Hobby zum Beruf

Den Spaß am Haare schneiden hat Samuel vor etwa zwei Jahren entdeckt. "Ich war damals unzufrieden, wie mir im Barber-Shop die Haare geschnitten wurden. Also habe ich sie mir zu Hause nachgeschnitten - anfangs noch mit einer Küchenschere", erinnert er sich.

Ich kann etwas Kreatives mit den Händen kreieren und sehe am Ende, was ich geschafft habe."

Aus ersten Versuchen wurde mit der Zeit ein Hobby: So wünschte er sich eine richtige Friseurschere zum Geburtstag und probierte sich aus. Irgendwann schnitt er sich die Haare komplett selbst. Später boten sich dann auch Freunde und Familie als Modelle an.

Samuel freut sich schon auf den Start seiner Ausbildung
Konzentriert in seinem Element: Bei einem Vorbereitsungskurs der Handwerkskammer Trier für Friseure durfte Samuel auch andere Techniken als nur das Schneiden ausprobieren. Handwerkskammer Trier

Seine Begeisterung und Neugierde für das Handwerk fielen seinen Mitmenschen auf. Samuel bekam immer mehr Zuspruch und Unterstützung. Und so entschied er sich für die handwerkliche Ausbildung. "Ich kann etwas Kreatives mit den Händen kreieren und sehe am Ende, was ich geschafft habe."

Frischer Wind für das Handwerk

Und damit ist er nicht alleine: Bis Ende Juli sind bei der Handwerkskammer Trier rund 1.000 unterschriebene Lehrverträge eingegangen. Das sind ähnlich viele wie in den vergangenen drei Jahren - mit einem leichten Plus. Das Handwerk gewinne an Beliebtheit, sagt Berufsberaterin Petra Kollmann von der Handwerkskammer Trier.

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Auch bei jungen Menschen wie Samuel, die ihr Abitur gemacht haben. Gründe wie ein festes Einkommen, der meist sichere Arbeitsplatz und neuerdings auch eine gewisse Sicherheit vor der künstlichen Intelligenz würden eine Rolle spielen, sagt die Berufsberaterin. Hinzu komme auch, dass sich das Bild einer Ausbildung bei vielen Eltern geändert habe, die mittlerweile positiver gegenüber einer Ausbildung in einem Handwerksberuf eingestellt seien.

Was in diesem Jahr besonders ist: Das Interesse an einer Ausbildung als Friseurin bzw. Friseur ist so groß, dass es zu wenig Ausbildungsstellen in der Region Trier gibt, so Sven Kronewirth, Fachbereichsleiter für Berufliche Bildung bei der HWK Trier. Das sei für diesen Ausbildungsberuf eher ungewöhnlich. Das liege unter anderem auch daran, dass viele Betriebe nach Corona nicht wieder ausbilden.

Von Skeptikern zu Unterstützern

Anders als beim Rest der Familie waren Samuels Großeltern zunächst skeptisch. Der geringe Verdienst, die Unsicherheit des Berufs wie zu Corona-Zeiten und sein gutes Abitur sind Argumente, die sie aufzählten. Punkte, die Samuel verstehen kann.

Die beiden sind jetzt auch Unterstützer.

Mittlerweile haben sie ihre Meinung aber geändert, sagt Samuel. Spätestens seit er seiner Oma vergangene Woche die Haare das erste mal schneiden durfte. "Die beiden sind jetzt auch Unterstützer."

Samuel freut sich schon auf den Start seiner Ausbildung
Seine zukünftigen Kollegen freuen sich auf Samuel. Wie Nawel, die im letzten Jahr mit der Ausbildung angfangen hat.

Ausbildung und dann?

Wie es nach der Ausbildung weitergeht, lässt Samuel offen. Den Meister, ein ergänzendes Studium oder auch die Selbstständigkeit schließt er nicht aus. Dazu sei es aber noch zu früh. Jetzt möchte er erst einmal in seinem Betrieb ankommen.

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