Mit Michael Ehresmann, Einsatzleiter bei der Feuerwehr der Stadt Mainz, haben wir geklärt, wie ich mich in Sicherheit bringe, wenn es in der Nähe meines Hauses brennt. Sollte ich mich im Wald befinden, in dem ein Feuer ausbricht, gibt es weitere Regeln zu beachten.
- Wie schütze ich mich vor Rauch?
- Was sind die Anzeichen einer Rauchvergiftung?
- Wie gefährlich sind die durch Rauch entstehenden Gase?
- Das Feuer rückt näher - wann sollte ich das Weite suchen?
- Über welche Kanäle wird zuverlässig informiert?
- Ich habe kein Auto oder sitze im Rollstuhl - was tun?
- Ich bin in einem Wald, es brennt. Was mache ich als erstes?
- Was ist im Wald bei der Flucht vor Feuer zu beachten?
- Bergauf oder bergab: Was ist der sichere Fluchtweg?
- Wenn ich von Feuer umzingelt bin, was tue ich?
- Ich bin im Auto vom Feuer umzingelt, was tue ich?
Ein Waldbrand verursacht viel Rauch. Wie schütze ich mich?
Ehresmann sagt: "Solange es keine angeordnete Evakuierung gibt, ist ein geschlossenes Gebäude der beste Schutz." Entsprechend nicht nur Türen und Fenster schließen, sondern auch Klimaanlagen ausschalten oder auf Umluftbetrieb umstellen.
Eine gut sitzende FFP2-Maske könne die Belastung durch Rauchpartikel und Feinstaub verringern. Allerdings: Diese Masken helfen nicht gegen Kohlenmonoxid, heiße Brandgase oder Sauerstoffmangel. Nasse Tücher sind nicht als Schutz gegen Rauchpartikel geeignet. "Wenn möglich, ist das Entfernen vom Rauch immer die beste Lösung."
Was sind Anzeichen einer Rauchvergiftung?
Bei einer leichten Reizung seien brennende Augen, Kratzen im Hals, Husten und Kopfschmerzen Anzeichen. Ernst zu nehmen seien insbesondere:
- stärkere Kopfschmerzen
- Kreislaufprobleme, zum Beispiel Schwindel oder Herzrasen
- Benommenheit
- Müdigkeit oder Verwirrtheit
Wie gefährlich sind die durch Rauch entstehenden Gase?
Kurz gesagt: Sehr gefährlich. Waldbrandrauch ist ein richtiger Cocktail, aber nicht von der guten Sorte: Er ist laut Feuerwehr-Einsatzleiter Ehresmann ein Gemisch aus Partikeln und Gasen. Dazu gehören Feinstaub, Kohlenmonoxid, Stickoxide, flüchtige organische Verbindungen und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Brennen auch Gebäude oder Fahrzeuge, kommen weitere problematische Schadstoffe hinzu.
In unmittelbarer Nähe des Feuers können zusätzlich hochgiftige Gase eingeatmet werden und es können Verbrennungen der Atemwege durch heiße Luft entstehen.
Im Zweifel: Lieber zu früh in Sicherheit bringen als zu spät.
Wie nah "darf" das Feuer heranrücken, bevor man sich in Sicherheit bringt? 20 km, 10 km?
Dazu gibt es keine feste Grenze. Insbesondere Vollbrände von Wäldern können sich je nach Wind und Topographie extrem schnell bewegen. Hierzu sind die behördlichen Anordnungen und Warnungen zu beachten. Ehresmann betont: "Im Zweifel: Lieber zu früh in Sicherheit bringen als zu spät."
Über welche Kanäle werde ich informiert?
So wie bei Hochwasser oder anderen gefährlichen Situationen sind die wichtigsten Informationsquellen:
- Warn-Apps wie NINA oder Katwarn
- Cell-Broadcast
- möglicherweise Sirenensignale (eine Minute auf- und abschwellender Warnton)
- Lautsprecherdurchsagen
- öffentlich-rechtliches Radio, Fernsehen, Internet
- offizielle Seiten von Feuerwehren in den sozialen Medien
Ehresmann warnt vor Falschmeldungen und Gerüchten, die häufig schnell kursieren. Er rät: Warnungen immer über einen zweiten Kanal checken. Ein Batterie- und Kurbelradio sowie eine geladene Powerbank sollten vorsorglich immer vorhanden sein.
Ich habe kein Auto oder bin nicht mobil - wie kann ich mich in Sicherheit bringen?
Wichtig sei, nicht bis zur letzten Minute zu warten, um eine Mitfahrgelegenheit zu organisieren. Wird eine Evakuierung angeordnet, so gebe es häufig organisierte Transporte. Menschen mit eingeschränkter Mobilität sollten ihren Unterstützungsbedarf möglichst früh signalisieren, zum Beispiel über eine Bürgerhotline oder die Gemeinde.
Ehresmann betont: "Nicht eigenständig einen langen Fußweg durch Rauch oder in Richtung des Brandgebietes beginnen. Im Zweifel zunächst in einem geschlossenen Gebäude bleiben und konkrete behördliche Anweisungen abwarten, sofern das Gebäude selbst nicht gefährdet ist."
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Ich bin in einem Wald unterwegs, es brennt. Was mache ich als erstes?
Sofort den Notruf 112 wählen und dann vom Brand wegbewegen. Feuerwehr-Einsatzleiter Ehresmann mahnt: Nicht warten, nicht beobachten, nicht fotografieren, denn: Durch die Art der Begrünung, Wind und Ausbreitung kann der Brand mich schnell einholen oder den Fluchtweg abschneiden.
Nur dann an einem Ort bleiben, wenn man sich auf einer vegetationsarmen und erkennbar sicheren Fläche befindet und jeder Fluchtweg näher ans Feuer heranführen würde.
Was ist im Wald bei der Flucht vor Feuer zu beachten?
Einsatzleiter Ehresmann zählt auf:
- zusammenbleiben und Kinder eng führen
- nicht blind durch Rauch laufen
- keine dichte Vegetation oder hohes trockenes Gras durchqueren
- Schluchten, enge Täler und steile Aufstiege meiden
- breite Wege, Straßen, Felder, große Lichtungen, felsige Flächen oder andere vegetationsarme Bereiche ansteuern
- Warnungen an andere Personen weitergeben
- Zufahrtswege für Einsatzfahrzeuge freihalten
- nicht über eine sichtbare Feuerlinie laufen
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Ist im Wald der sichere Fluchtweg bergauf oder bergab?
Feuer breitet sich häufig mit dem Wind und hangaufwärts besonders schnell aus, so Feuerwehrmann Ehresmann. Daraus folge aber keine absolut sichere Regel.
Ist die Situation überschaubar und gibt es keine behördliche Anordnung, sollte man möglichst:
- weg vom Feuer
- seitlich aus der Rauchfahne herausgehen
- eher quer zum Hang oder bergab gehen oder fahren als steil bergauf
- die nächstgelegene große Fläche mit wenig brennbarer Vegetation ansteuern
"Gegen den Wind" bedeutet nicht automatisch "gegen das Feuer" zu laufen, sagt Ehresmann. Das hängt mit der Geographie zusammen: Lokale Winde können an Hängen, in Tälern und durch die Thermik des Brandes abweichen oder plötzlich drehen. Bergab ist häufig günstiger als bergauf, aber auch dort können brennende Äste, Glut und neue Brandstellen auftreten. Entscheidend sei deshalb der kürzeste, sichere Weg aus Rauch und brennbarer Vegetation raus, nicht eine starre Himmelsrichtung.
Wenn ich von einem Waldbrand umzingelt bin, was tue ich?
- 112 wählen und GPS-Position übermitteln
- große Fläche ohne Vegetation suchen, zum Beispiel breite Straße, felsiges Gelände oder wenn möglich ein sicher erreichbares Gewässer
- Abstand zu brennbarem Material halten
- sichtbare Haut bedecken
Zu Fuß gilt laut Feuerwehr-Einsatzleiter Ehresmann als äußerste Notmaßnahme: Eine freie oder felsige Fläche beziehungsweise eine flache vegetationsarme Vertiefung aufsuchen, sich mit dem Gesicht nach unten möglichst flach hinlegen, den Körper und besonders Kopf und Atemwege schützen. Möglichst bodennahe, kühlere Luft atmen. Ein Gewässer kann Schutz bieten. Es dürfe aber nur genutzt werden, wenn es ohne Durchquerung des Feuers sicher erreichbar ist und keine zusätzliche Gefahr durch Strömung oder Ertrinken besteht - der Rhein ist also kein sicherer Fluchtweg bei einem angrenzenden Waldbrand.
Ich bin im Auto vom Feuer umzingelt, wie verhalte ich mich?
Kann man nicht ohne Gefahr weiterfahren, gilt auch hier: eine vegetationsfreie Fläche suchen. Fenster und Lüftungsöffnungen schließen. Mit einer Woll- oder Baumwolldecke zudecken, oder mit einer Jacke bedecken. Wichtig sei auch, sich möglichst tief unterhalb der Fensterlinie aufzuhalten. Das Fahrzeug nicht verlassen, um in eine Feuerfront oder dichten Rauch zu laufen.