Vor fünf Jahren erschütterte die Flutkatastrophe im Ahrtal mit 135 Toten ganz Deutschland. Damit die Menschen nicht allein mit den Folgen bleiben mussten, kam Hilfe - auch aus Sachsen.
Unter den Helfenden war auch der Feuerwehrmann Sören Müller aus Grimma. Er erzählt, wie seine Arbeit eine Woche nach der Flutnacht im Ahrtal aussah.
"Wir haben Keller ausgepumpt. Teilweise mussten wir die dann immer erst mal fluten, damit der Schlamm wieder locker wird, weil sonst hätte man den nicht rausbekommen. Natürlich gab es auch viele persönliche Gegenstände, die da teilweise im Schlamm noch lagen und so. Also wenn man dann einen alten Bilderrahmen findet, ist das Glas gesplittert wie im Film. Plüschtiere, wo man dann weiß, hier hat wahrscheinlich auch ein Kind gewohnt. Viele private Andenken, die mitten in dem Dreck da drin rumlagen. Das ist halt schwierig, sag ich mal. Wenn man das so sieht, macht man sich immer Gedanken dazu. Da hängen immer Geschichten dran", sagt Sören.
Flutkatastrophen in den neuen Bundesländern
Auch Sören hat Flutkatastrophen hautnah erlebt. Grimma im August 2002: Die Stadt an der Mulde versinkt in den Fluten. In der Innenstadt: Wasserstände von mehr als 3,50 Meter. Und dann 2013, die nächsten Wassermassen. Die historische Altstadt trifft es innerhalb weniger Jahre gleich zwei Mal mit voller Wucht.
Wir haben hier so eine wunderschöne Hochwassermarke und dort sieht man jetzt 2013, vielleicht zwo Meter dreißig oder, so was, war 2002, weil dann muss man schon sehr hochgucken.
Eine weitere coole Story aus dem Ahrtal seht ihr hier. Franziska aus Dernau verlässt das Ahrtal, nachdem die Flut das Lebenswerk ihrer Familie zerstört hat. In Österreich verliebt sie sich in Michael. Sie zieht mit ihm zurück ins Ahrtal und baut sich eine neue Existenz auf.
Hochwasser prägen Sören
Sören ist 1,90 Meter groß und wirkt neben den Hochwassermarken fast winzig. Die Erfahrungen mit Hochwasser prägen ihn bis heute. Sören wird aktiv in der freiwilligen Feuerwehr. Keine Frage, dass es für ihn 2021 ins Ahrtal geht. "Wir haben das selbst in Grimma erlebt, dass wenn dann zehn Leute von sonst woher vor der Tür stehen und das motiviert ja auch die Anwohner, dort auch weiterzumachen", weiß Sören.
Bilder aus dem Ahrtal bekommt man lange nicht aus dem Kopf
Der erste Helfertrupp aus Colditz und Grimma trifft zwei Tage nach der Flut im Ahrtal ein. Sören ist in der zweiten Gruppe und damit rund eine Woche später dabei. Was die Menschen im Ahrtal berichten, ist nichts für schwache Nerven. "Wir haben gestern noch eine tote Frau geborgen hinten aus der Hecke. Die hing in den Bäumen drin. Hier ist alles kaputt. Hier ist alles zerstört", erzählen sie.
Solche Bilder ließen viele Helfer nicht los. Auch Sören brauchte Zeit und Unterstützung, um das Erlebte zu verarbeiten. Dafür gab es vor Ort auch Kriseninterventionsteams. Sie betreuten nicht nur die Flutbetroffenen, sondern auch die Helfer.
Dankbarkeit der Menschen war am wichtigsten
Noch wichtiger war aus Sicht von Feuerwehrmann Sören die Dankbarkeit der Menschen im Ahrtal. So wurde gelobt, dass die Jungs aus Sachsen "einen tollen Job" gemacht hätten. Alles sei sehr freundschaftlich gewesen.
"Man hat es denen angemerkt, dass es eine große Hilfe war", bilanziert Sören die Katastrophenhilfe aus Sachsen im Ahrtal.
Die Dokumentation "Verlust, Trauma, Neuanfang – Leben nach der Flut" können Sie in voller Länge in der ARD Mediathek sehen.
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