Apotheken in Rheinland-Pfalz in der Krise

Wenn Apotheken schließen: Längere Wege und weniger Beratung

In Rheinland-Pfalz schließen immer mehr Apotheken - wenn man die Entwicklung langfristig beobachtet, zeigt sich ein besorgniserregender Trend. Und der hat Folgen für die Kunden.

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Stand

Die Zahl der Apotheken in Rheinland-Pfalz geht seit Jahren kontinuierlich zurück, berichtet das Statistische Landesamt. Ein Blick auf die letzten zwölf Jahre zeigt eine alarmierende Entwicklung: Seit 2014 ist mehr als jede fünfte Apotheke verschwunden, ein Minus von 22 Prozent. 2024 gab es landesweit nur noch rund 850 Apotheken, darunter 26 Krankenhausapotheken. Innerhalb eines Jahres sank die Zahl um 30 Standorte.

Folgen für Kunden: Längere Wege und schlechtere Versorgung

Besonders gravierend ist die Entwicklung in Pirmasens: Hier hat sich die Zahl der Apotheken innerhalb von zehn Jahren fast halbiert (minus 47 Prozent). Auch in den Landkreisen Südwestpfalz, Donnersbergkreis und Rhein-Lahn-Kreis ging jeweils mehr als ein Drittel der Apotheken verloren. In einigen Regionen, wie den Kreisen Birkenfeld und Bad Dürkheim, ist die Lage hingegen stabil geblieben.

Die Schließungen haben direkte Auswirkungen auf die Bürgerinnen und Bürger. 2024 versorgte eine Apotheke rechnerisch rund 4.900 Menschen - vor zehn Jahren lag dieser Wert noch bei 3.700. "Mit jeder geschlossenen Apotheke wird der Weg für die Menschen länger und die Versorgung mit Arzneimitteln schwieriger", erklärt Petra Engel-Djabarian, Sprecherin des Apothekerverbands.

Stagnierende Honorare: Nur eine Erhöhung in 22 Jahren

Die Apotheken selbst schlagen schon Alarm: Zuletzt beteiligten sich am 23. März zahlreiche von ihnen auch in Rheinland-Pfalz an einem bundesweiten Protesttag. Sie machten auf ihre wirtschaftlich prekäre Lage aufmerksam und forderten eine Honorarerhöhung. In vielen Apotheken wurde der reguläre Betrieb an diesem Tag eingestellt, sodass Kundinnen und Kunden nur durch Notdienste versorgt werden konnten.

Der Vorsitzende des Apothekerverbands Rheinland-Pfalz, Jan-Niklas Francke, sieht eine wesentliche Ursache für die Krise in den stagnierenden Honoraren. Seit der Einführung des festen Packungshonorars vor 22 Jahren gab es nur eine einzige Erhöhung: 2013 stieg die Vergütung um 3,1 Prozent. "Das darf so nicht weitergehen. Apotheken sind darauf angewiesen, dass der Staat ihr Honorar regelmäßig anpasst", fordert Francke.

Vergütungen für besondere Aufgaben lösen Problem nicht

Der Leiter des Landesverbands der Ersatzkassen (VDEK) in Rheinland-Pfalz, Martin Schneider, merkt an, dass auch Vergütungen hinzugekommen seien, etwa für besondere Aufgaben wie Nacht- und Not- oder auch Botendienste: "Seit 2013 wird jeder Nacht- und Notdienst vergütet, derzeit mit rund 550 Euro pro Vollnotdienst." Außerdem wurden beispielsweise Zuschläge bei Lieferengpässen eingeführt - und auch neue Dienstleistungen wie Impfungen in Apotheken tragen zu höheren Einnahmen bei.

Dennoch scheinen diese Maßnahmen die steigenden Kosten nicht auszugleichen. Francke vom Apothekerverband erklärt: Viele Apotheken kämpften mit steigenden Personal-, Energie- und Mietkosten. Diese Faktoren setzten die Apotheker zusätzlich unter Druck - bis sie im schlimmsten Fall vor dem Aus stünden.

Politik soll Betriebe besser unterstützen

Dieser Negativtrend zeige sich auch in den übrigen Bundesländern, aber er liege in Rheinland-Pfalz über dem Durchschnitt, sagt der Geschäftsführer des Apothekerverbands Rheinland-Pfalz, Peter Schreiber. "In Rheinland-Pfalz kommt hinzu, dass ein größerer Konkurrenzdruck mit der pharmazeutischen Industrie um pharmazeutisches Fachpersonal besteht." Er fordert eine bessere Strukturpolitik, die auch kleine und mittelständische Apotheken stärker unterstützt.

Der amtierende rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) sieht die Entwicklung mit Sorge. "Die flächendeckende und wohnortnahe Versorgung der Bürgerinnen und Bürger mit Arzneimitteln hat für uns einen hohen Stellenwert", betonte er. Allerdings verweist Hoch darauf, dass die Rahmenbedingungen für die Apothekenvergütung auf Bundesebene festgelegt werden. Rheinland-Pfalz setze sich dennoch auf Bundesebene für nachhaltige wirtschaftliche Grundlagen ein.

Neue Landesregierung - neue Maßnahmen?

Direkt nach den Landtagswahlen Ende März hatte sich Francke vom Apothekerverband in einem Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung optimistisch gezeigt: Er begrüßte das klare Bekenntnis der voraussichtlichen Regierungsparteien CDU und SPD zur Bedeutung der Apotheken für die regionale Gesundheitsversorgung.

Der Verband wolle frühzeitig den Kontakt zur neuen Landesregierung suchen, um konkrete Maßnahmen anzustoßen; unter anderem die Stärkung der Notdienststrukturen, Fortschritte in der Digitalisierung und bessere Bedingungen für das Pharmaziestudium in Mainz. Das Institut ist dringend sanierungsbedürftig, ein Neubau wurde zwar zugesagt, aber noch nicht begonnen. Francke fordert, dass dies jetzt Priorität bekommt und drängt auf deutlich mehr Studienplätzen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken - ein weiterer Aspekt der Apothekenkrise.

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SWR

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