Der Limburger Bischof Georg Bätzing hatte im Januar erklärt, nach seiner sechsjährigen Amtszeit nicht erneut zur Verfügung zu stehen. Was ihm in seinem Bistum seit 2016 gut gelingt, ist ihm zuletzt als Vorsitzender der Bischofskonferenz nicht mehr geglückt: die unterschiedlichen Positionen in der Bischofskonferenz zu vereinen. Eine Bilanz seines Wirkens:
Erklärung gegen völkischen Nationalismus
Georg Bätzing hatte in seinen sechs Jahren an der Spitze der katholischen Deutschen Bischofskonferenz nicht allzu viele Momente, in denen er sicher sein konnte, wirklich alle Bischöfe hinter sich zu haben. Ein solcher Moment war, als die Bischöfe im Februar 2024 eine weithin beachtete Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz mit dem Titel "Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar" veröffentlichten. Darin hatten die katholischen Bischöfe ausdrücklich die AfD genannt und damit erstmals eine im Bundestag vertretene Partei als nicht wählbar für Christen charakterisiert.
Politisch wie auch kirchlich hat sich Georg Bätzing nicht gescheut, Positionen zu markieren und Probleme anzusprechen. Er tut es mit gewinnender Ausstrahlung und in seiner freimütigen, freundlichen Art. Den Vertrauensverlust durch Missbrauchsfälle hat er nie kleingeredet. "Menschen sind wütend, empört, enttäuscht darüber, wie Priester und Bischöfe damit umgegangen sind - und zu Recht", so Bätzing.
Synodaler Weg - ein Kraftakt für Bätzing
Im Synodalen Weg, dem mehrjährigen Reformdialog von Bischöfen und Laien in Deutschland, bezog Bätzing eindeutig Position auf der Seite der Reformwilligen: "Ich glaube, es schadet der Kirche nicht, wenn Priester frei sind zu wählen, ob sie die Ehe leben wollen oder ehelos leben wollen."
Der Synodale Weg kostete ihn Energie, ging an die Substanz. Vier von 27 Bischöfen verweigerten sich einer Fortsetzung des Reformweges. Rom blockierte und immer neu wurde der absurde Vorwurf im Vatikan platziert, Bätzing wolle die deutsche Kirche von Rom abspalten. "Ich glaube, Rom fremdelt schon mit der Kirche in Deutschland. Das ist ja auch nicht neu", so Bätzing.
Katholische Kirche braucht neuen Vorsitzenden Bischofskonferenz: Limburger Bischof Bätzing kandidiert nicht für Wiederwahl
Die Deutsche Bischofskonferenz braucht einen neuen Vorsitzenden. Der Limburger
Bischof Bätzing strebt keine zweite Amtszeit an. Die Suche eines Nachfolgers beginnt.
Bätzing eher Vermittler als Vatikan-Taktiker
Bätzings Manko: Er spricht kein Italienisch und war in Rom nicht gut vernetzt. Stattdessen schaffte Bätzing andernorts Fakten. Erstmals wurde durch ihn eine Frau als einflussreiche Generalsekretärin der Bischofskonferenz installiert. Bätzing kannte Beate Gilles schon seit Jahren, sie war in seinem Bistum für das Thema Familie zuständig.
Aber trotz einiger Reformen im Synodalen Weg - in Bätzings Amtszeit schrumpft die Kirche in Deutschland um knapp drei Millionen. Bätzing selbst schätzt das realistisch ein: "Es wird sicher nicht dazu kommen, eine Trendwende in dem Sinne für die Kirche zu bewirken, dass wir es wieder schaffen, so zu werden, so stark zu werden, so mitgliederstark wie früher."
Wegbegleiter schätzen den scheidenden Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz für seine feine, vermittelnde Art. Am Ende fehlte ihm wohl eine klarere Unterstützung für seinen Kurs. Und so verzichtet er auf eine neue Kandidatur.