Man mag sich die Situation kaum vorstellen: Mit 100 Stundenkilometern auf der Autobahn kommt einem ein Falschfahrer entgegen - oder wie im August auf einer Bundesstraße in der Pfalz. Es bleibt kaum Zeit zu reagieren, denn wie aus dem Nichts taucht das entgegenkommenden Fahrzeug auf. Die Polizei fürchtet solche Notrufe.
Drei Tote bei Falschfahrer-Unfall auf der B9
Bei dem Unfall auf der B9 im Rhein-Pfalz-Kreis war eine 64-jährige Falschfahrerin frontal mit dem Auto von drei jungen Leuten zusammengestoßen. Sie selbst und zwei Personen im anderen Auto starben. Wo die Frau in die falsche Richtung auf die Bundesstraße aufgefahren ist, weiß die Polizei noch nicht. Es gibt Vermutungen, die Frau könnte schon vor der Rheinbrücke aus Richtung Bruchsal kommend auf die falsche Spur geraten sein.
Stefan Zöller, Wehrleiter der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen, schaut sich die mögliche Stelle auf der B35 Richtung Germersheim an. Problematisch ist seiner Meinung nach die Stelle, wo die zweispurige Straße sich wie in einem Y teilt. "Das ist die schraffierte Linie und ein Pfeil nach rechts, aber es ist kein Hindernis, hier die Fahrbahn zu wechseln", stellt er fest. "Ich glaube, wenn du hier das erste Mal fährst und eben nicht weißt, wie hier die Fahrbahn sich aufteilt, ist es schon möglich, die falsche Auffahrt zu nehmen."
Tipps von Constantin Weis, Verkehrsdirektion Mainz Falschfahrer – wie verhalte ich mich richtig?
Wie verhält man sich richtig, wenn man merkt, dass man selbst in der falschen Richtung aufgefahren ist oder einem Falschfahrer begegnet? Tipps gibt es von der Polizei.
Warnhinweise und Markierungen in Auffahrten zu Autobahnen und Bundesstraßen
Genau solche Gefahrenstellen wollen Polizei und Verkehrsbehörden identifizieren und besser markieren. Auch der Automobilclub ADAC fordert Warnhinweise an den Zufahrten von Autobahnen und Bundesstraßen.
"Reflektierende Schilder, Richtungszeichen auf der Fahrbahn, durchgezogene Linien, müsste es geben", sagt Christian Schmidt vom ADAC Mittelrhein, "sodass ich gar nicht erst auf die Idee komme, dass das eine Abbiegespur sein könnte. Und so, dass ich gar nicht in den Gegenverkehr reinkommen kann."
Neben den Warnhinweisen an der Straße könnte auch Technik im Auto für mehr Sicherheit sorgen. Aus Sicht des ADAC ließen sich Unfälle auch durch Falschfahrer leicht mit der Car-to-Car-Technik, beziehungsweise Car2X-Technik verhindern. Dank vieler Sensoren im Auto erkennt das System Gefahren im Umkreis von 300 Metern, wie Hindernisse auf der Straße, Staus oder Falschfahrer. In vielen Neuwagen sei das schon verbaut, so der ADAC.
Intelligente Autos können Fahrer vor Gefahren warnen
Doch damit die Technik im Straßenverkehr wirkt, müssten viel mehr Autos als bisher diese Technik nutzen. Und außerdem, so Christian Schmidt: "Die Kommunikationstechnik, die muss harmonisiert werden, sodass ein Volvo nicht nur mit einem VW sprechen kann, sondern dass auch ein Volvo mit allen anderen sprechen kann." Dass das bisher nicht möglich ist, liegt daran, dass die Autohersteller sich nicht auf eine Übertragungstechnik einigen können. Einige schwören auf WLANp, andere auf Mobilfunk. Der Gesetzgeber müsse Druck machen, findet Schmitt, und klare zeitliche Fristen festlegen.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sagte dazu: "Wenn es technische Möglichkeiten gibt, dann werden wir uns darum kümmern müssen, genau prüfen, was da erforderlich ist und wie man entsprechende Systeme installieren kann."
Auf der Gegenfahrbahn unterwegs Falschfahrer verursacht schweren Unfall bei Offstein
Ein 84-Jähriger ist auf der Landstraße zwischen Dirmstein und Offstein auf der Gegenfahrbahn gefahren. Dort krachte er in ein anderes Auto.
Aber warum kommt es überhaupt zu so vielen Falschfahrer-Unfällen. Klar ist, Autofahrer und -fahrerinnen können durch schlechte Sicht, Übermüdung oder unklare Verkehrsführung auf die falsche Fahrbahn geraten. Und 40 Prozent der Falschfahrer sind älter als 75 Jahre - auch die Konzentration spielt eine Rolle.
Jeder zweite Falschfahrer fährt bewusst in falsche Richtung
Aber verblüffend ist dann doch, dass fast die Hälfte der Falschfahrten ganz bewusst passieren. Das heißt: Die Autofahrer wenden im fließenden Verkehr, um ganz bewusst in die falsche Richtung zu fahren. "Fast vier von zehn Falschfahrten, die bewusst passieren, entstehen in dieser Wendesituation", erläutert Kirstin Zeidler. Sie leitet die Unfallforschung beim Gesamtverband der Versicherer. "Weil vorne plötzlich ein Stau passiert und man sich überlegt, noch schnell abzufahren oder weil man vielleicht von der Polizei verfolgt wird oder auch einfach nur die Ausfahrt verpasst hat."
Falschfahrer machen sich strafbar
Viele Falschfahrer, die Verkehrsteilnehmer der Polizei melden, werden nie gefasst. Wenn alles gut ausgeht, sind sie bei nächster Gelegenheit von der falschen Fahrbahn abgefahren. Werden sie gefasst, droht ihnen eine Geldstrafe oder sogar eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren. Falschfahrer machen sich nämlich laut Straßenverkehrsordnung strafbar.