Als Kind wuchs Wunderlich in einfachen Verhältnissen in Kusel auf. Sein Vater Paul war Cellist und Kapellmeister, seine Mutter Anna spielte Geige. Nach dem Suizid des Vaters verarmte die Familie, die Mutter gab Musikunterricht. Wunderlich lernte früh mehrere Instrumente und finanzierte später mit Tanzmusik sein Studium.
Bereits 1954 stand er in Freiburg als Tamino in Mozarts "Zauberflöte" auf der Opernbühne. 1955 engagierte ihn die Württembergische Staatsoper Stuttgart. Als er dort kurzfristig für einen erkrankten Kollegen einsprang, wurde er über Nacht zum Star.
Vom Pfälzer Provinzstadt-Jungen zum Weltstar
1950 begann Wunderlich sein Studium an der Musikhochschule Freiburg – zunächst Horn, später Gesang bei Margarethe von Winterfeldt. Engagements führten ihn an große Häuser: die Staatsoper Stuttgart, die Bayerische Staatsoper München, die Wiener Staatsoper und die Salzburger Festspiele. Zu seinen wichtigsten Rollen zählen Tamino und Belmonte bei Mozart, Almaviva im "Barbier von Sevilla", Henry Morosus in "Die schweigsame Frau" sowie Lenski in "Eugen Onegin". Kritiker sehen in ihm den bedeutendsten Mozartsänger seiner Zeit.
Lob und Anerkennung von den ganz Großen
Luciano Pavarotti nannte Wunderlich 1990 in einem Interview den herausragendsten Tenor der Geschichte. Sängerinnen und Sänger wie Nicolai Gedda, Plácido Domingo oder Christa Ludwig zollten ihm später ähnlich große Anerkennung.
Kusellied als klingende Liebeserklärung an die Heimat
Seine Verbundenheit mit Kusel zeigte Wunderlich im "Kusellied", das er mit etwa 20 Jahren textete und komponierte. Das Lied gilt heute als "Nationalhymne" der Stadt.
Theresa von Blohn, Beigeordnete für Soziales und Kultur in Kusel, sagt: "Wenn man an Kusel denkt, fällt einem sofort Fritz Wunderlich ein. Er war ein Ausnahmesänger." Das Kusellied sei für viele Kuseler "etwas ganz Besonderes". Bei den Fritz-Wunderlich-Tagen werde es traditionell am Ende gemeinsam gesungen.
Museum und Musiktage: Wunderlich als Touristenmagnet
In Kusel erinnert unter anderem ein Heimatmuseum mit eigenem Fritz-Wunderlich-Zimmer an den Tenor. Nach Angaben der Stadt zieht es Besucherinnen und Besucher weit über die Region hinaus an – wegen Wunderlichs Karriere und seiner Nähe zur Pfalz. Zusätzlich gibt es die Fritz-Wunderlich-Musiktage. Die Konzertreihe mit Preisträgerkonzert im September knüpft an sein Erbe an. Auch eine Halle, in der Veranstaltungen stattfinden, ist nach dem Sänger benannt - ebenso wie eine Straße und ein Radweg.
Von Blohn erinnert sich auch an ihren Besuch im Heimatmuseum in der Grundschule. Im Fritz-Wunderlich-Zimmer habe sie erst verstanden, "was das für ein Star war" – und wie sehr seine Geschichte bis heute Menschen nach Kusel zieht.
Früher Tod auf dem Höhepunkt der Karriere
Am 8. Oktober 1966 sollte Wunderlich an der Metropolitan Opera in New York debütieren. Kurz zuvor stürzte er in einer Jagdhütte im Kraichgau eine Treppe hinunter, weil seine Schnürsenkel offen waren. Er erlitt einen Schädelbruch. Wunderlich starb am nächsten Tag in Heidelberg im Krankenhaus, wenige Tage vor seinem 36. Geburtstag. Trotz des frühen Todes bleibt seine Stimme präsent: Auf zahlreichen Rundfunkaufnahmen und Schallplatten, die immer wieder neu veröffentlicht werden. Für Kusel ist er mehr als ein Star – er ist Teil der städtischen Identität.