Auf den ersten Blick wirkt Ruppertsweiler im Kreis Südwestpfalz wie eine ruhige, etwas verschlafene Ortsgemeinde. Entlang der Lemberger Straße liegt ein altes, charmantes Rathaus. Weiter folgen viele Einfamilienhäuser. Doch im Dorf brodelt es schon seit Wochen. Es geht dabei um den Posten des Ortsbürgermeisters.
Bisheriger Ortsbürgermeister zurückgetreten
Das Amt hatte zuletzt Herbert Heid inne. Der CDU-Politiker war davor lange Zeit Teil des Gemeinderats und wurde 2024 Ortsbürgermeister von Ruppertsweiler. Doch die Gesundheit des 75-Jährigen machte nicht mehr mit. "Das Drumherum war zu viel für meine Nerven", gibt Heid zu. Im April war dann Schluss - und Herbert Heid hat die Reißleine gezogen.
Weil es beim 75-Jährigen gar nicht mehr ging, musste der erste Beigeordnete die Geschäfte des Ortsbürgermeisters kommissarisch weiterführen. Das ist in Ruppertsweiler Michael Becker ("Wir für Ruppertsweiler") - und der will das Amt auch nur kommissarisch machen. Aus persönlichen Gründen hat er seine Kandidatur für das Amt des Ortsbürgermeisters ausgeschlossen. Für die Wahl am 12. Juli musste eine andere Person her.
Nur eine Kandidatin bei der Ortsbürgermeisterwahl
"Wir haben einige gefragt, auch Frauen. Aber leider blieb die Resonanz hinter den Erwartungen zurück", lässt Becker durchblicken. Doch eine Frau hatte der Gemeinderat dann doch nicht auf dem Zettel: Natascha Gampfer (parteilos). Die 45-Jährige ist Heilpraktikerin in Ruppertsweiler und auf der lokalpolitischen Bühne noch völlig unbekannt.
"Ja, ich habe keine kommunalpolitische Erfahrung. Aber ich traue mir das zu. Ich möchte frischen Wind reinbringen und für die Leute da sein", sagt Gampfer. So möchte sie unter anderem die Jugendarbeit stärken oder auch eine Gemeindeschwester für den Ort gewinnen. Doch gegen den politischen Neuling gibt es lautstarke Bedenken - bis heute.
Starke Kritik aus dem Gemeinderat
Vor allem aus dem Gemeinderat, der ausschließlich aus Mitgliedern der Fraktion "Wir für Ruppertsweiler" besteht, hagelte es Kritik. Sie hatten der Kandidatin unter anderem fehlende Erfahrung für das Amt vorgeworfen. Doch zwischen den handelnden Personen im Gemeinderat und Natascha Gampfer haben sich tiefe zwischenmenschliche Gräben entwickelt.
Ein Mitglied des Gemeinderates erklärte dem SWR: "Sie hat es sich schon im Vorfeld mit allen Ratsmitgliedern verdorben - aber die sind notwendig, um Kommunalpolitik im Ort zu machen. Ohne den Gemeinderat ist der Bürgermeister nichts. Der Bürgermeister ist das Sprachrohr des Rates. Das hat sie überhaupt nicht verstanden."
Gampfer selbst sieht das als Stimmungsmache gegen ihre Person. Sie beschreibt den Gemeinderat als eine geschlossene Gruppe, die lieber unter sich ist. Dass die 45-Jährige kurz vor Pfingsten - und damit auch kurz vor Fristende - ihre Kandidatur einreichte, veranlasste die Mitglieder im Gemeinderat zum Nachziehen.
Zweiter Kandidat formell gescheitert
Mit Daniel Germann, dem Fraktionsvorsitzenden von "Wir für Ruppertsweiler", sollte auf den letzten Drücker noch ein Gegenkandidat aufgestellt werden. Das hat aber nicht funktioniert. Beim Einreichen der Unterlagen an die Verbandsgemeindeverwaltung Pirmasens-Land hat sich ein formeller Fehler eingeschlichen, erklärt VG-Bürgermeister Klaus Weber (CDU):
"Herr Germann hat am letzten Tag der gesetzlichen Frist (Pfingstmontag, den 25. Mai 2026 um 17.30 Uhr) seinen Wahlvorschlag eingereicht. Allerdings hat die Bestätigung vom Einwohnermeldeamt hinsichtlich der Unterstützungsunterschriften gefehlt. Da keine Heilung in der Frist möglich war, hat dies letztendlich zum Ausschluss des Bewerbers Germann durch den Wahlausschuss geführt."
Hitziger Wahlkampf in Ruppertsweiler
In der Folge entwickelte sich in Ruppertsweiler ein Wahlkampf, der von Gehässigkeiten geprägt war. Ein Flyer der Fraktion "Wir für Ruppertsweiler" über die einzige Kandidatin sorgte für Verstimmungen im Ort. Teil der Fraktion ist auch Michael Becker, der gleichzeitig als Wahlleiter fungierte - und dessen Name auf dem Flyer stand.
Das ist auch der Verbandsgemeinde Pirmasens-Land aufgefallen. Sie hat den Flyer der zuständigen Kommunalaufsicht bei der Kreisverwaltung Südwestpfalz weitergeleitet. "Die Prüfung hat ergeben, dass die besondere Neutralitätspflicht des Wahlleiters, lediglich durch die Nennung des Namens von Herrn Becker als Mitglied der Fraktion, nicht verletzt wurde", erklärt Klaus Weber, Bürgermeister der VG Pirmasens-Land.
Knappes Wahlergebnis bei der Ortsbürgermeisterwahl
Am Sonntag war dann der Tag der Entscheidung - und die fiel knapp aus. Eine Mehrheit von 52,71 Prozent (379 Stimmen) stimmte mit "Nein" und somit gegen die Kandidatin Natascha Gampfer. 47,29 Prozent (340 Stimmen) sprachen der 45-Jährigen das Vertrauen aus.
Entsprechend gespalten fielen die Reaktionen der Bürger in Ruppertsweiler am Tag nach der Wahl aus. Es gab Stimmen, die Natascha Gampfer gerne als nächste Ortsbürgermeisterin gesehen hätten. Doch die Kritiker zerreißen die 45-Jährige weiterhin. Getreu dem Grundtenor: "Viele kennen die nicht. Die hat sich nicht im Ort engagiert."
Natascha Gampfer zeigte sich mit ihrem Ergebnis sehr zufrieden. Sie hat angekündigt, auch bei der nächsten Wahl zum Ortsbürgermeister wieder anzutreten. Das möchte auch Daniel Germann. Dem SWR hat der Fraktionsvorsitzende von "Wir für Ruppertsweiler" bestätigt, dass er ebenfalls bei der kommenden Wahl als Kandidat antreten möchte. Die wird voraussichtlich Ende Oktober stattfinden.
Rücktritt des Gemeinderats gefordert
Ex-Ortsbürgermeister Herbert Heid graut es schon jetzt vor dem Wahlkampf: "Ich glaube nicht, dass es ein fairer Wahlkampf wird - und das hat weniger mit Frau Gampfer zu tun." Heid nimmt dafür den Gemeinderat in die Pflicht: "Meiner Meinung nach sollte der komplett zurücktreten. Es braucht die Möglichkeit für neue Fraktionen und einen Neustart."