Wie die Polizei dem SWR am Mittwochabend mitteilte, ist der seit einer Woche alkoholisiert auf der Raststätte festsitzende Fahrer in die Uniklinik nach Homburg ins Saarland gebracht worden. Nach Angaben der Polizei wollte der Mann auf eigenen Wunsch in ein Krankenhaus. Die Beamten vermuten jedoch, dass er nicht lange bleiben wird. Warum er sich untersuchen lassen wollte, wissen sie nicht. Es sei aus privaten Gründen. Für die Polizei ist der Fall damit erledigt. Sie sei nun nicht mehr zuständig.
Die Spedition aus Polen, für die der Mann arbeitet, hatte angegeben, keinen zweiten Fahrer zu haben, so die Polizei am Dienstag. Der fehlt, um den betrunkenen Mann in Waldmohr abzuholen und auch den Lkw dort wegzufahren. Wie die Polizei mitteilte, habe der Fahrer angegeben, alkoholkrank zu sein.
Die Polizei hatte ihm seine Papiere abgenommen und ihn täglich kontrolliert. Dabei blies er immer - teils deutlich - mehr als zwei Promille. Laut Polizei wollte sein Chef ihn am vergangenen Wochenende abholen - der Betrunkene war aber auch zu Wochenbeginn immer noch an der Raststätte, wie Polizeisprecher Kai Fauss mitgeteilt hatte:
Der letzte dem SWR bekannte Alkoholtest bei dem Lkw-Fahrer hatte am Donnerstag vergangener Woche 3,7 Promille ergeben - im Schnitt baut der menschliche Körper pro Stunde etwa 0,1 Promille Alkohol ab.
Holt sein Chef den betrunkenen Lkw-Fahrer noch ab?
Der Chef des Truckers hatte zunächst angekündigt, zusammen mit einem Ersatzfahrer nach Waldmohr zu fahren, um den Angestellten mit nach Hause zu nehmen. Der 40-Jährige war insgesamt über eine Woche auf der Raststätte gestrandet. Bis Mittwoch hatte es sein Chef nicht geschafft, ihn abzuholen.
Betrunkener Lkw-Fahrer tagelang auf Raststätte
Ein Zeuge hatte die Beamten zu Beginn der vergangenen Woche zu der Raststätte an der A6 bei Waldmohr gerufen. Dort traf die Polizei auf den Lkw-Fahrer, der auf dem Parkplatz gerade vorschriftsmäßig Pause machte. Gar nicht vorschriftsmäßig war aber der Zustand des Brummi-Fahrers.
Polizei hindert Lkw-Fahrer an Weiterfahrt auf A6
Ein Atemalkoholtest hatte mehr als drei Promille ergeben. Die Polizei nahm dem Mann daraufhin seine Papiere ab - um ihn an der Weiterfahrt zu hindern. Als die Beamten ihm am vergangenen Dienstag seinen Führerschein zurückgeben wollten, hatte der Fahrer erneut einen Pegel von mehr als drei Promille. Deshalb fuhren die Polizisten unverrichteter Dinge wieder zurück und verlängerten damit die Zwangspause für den betrunkenen Lkw-Fahrer. Die Polizei kontrollierte ihn fortan wiederholt, um festzustellen, ob er mittlerweile nüchtern sei und weiterfahren dürfe.
Laut Polizei kommt es immer mal wieder vor, dass betrunkene Lkw-Fahrer aus dem Verkehr gezogen werden. Von einem großen Problem spricht die Polizei aber nicht. Fahrer, die betrunken sind oder unter dem Einfluss anderer Drogen stehen, müssen ihren Führerschein und Fahrzeugschein abgeben und pausieren, bis sie wieder nüchtern sind.
Laut Hilfsverein haben tausende Trucker Alkoholprobleme
Konkrete Zahlen hat der Hilfsverein "Hellwach mit 80 km/h". Dort engagiert sich Dieter Schäfer, ein ehemaliger Polizeibeamter, für die Belange von Lkw-Fahrern. Er sagt, eine Minderheit der osteuropäischen Lkw-Fahrer bekämpfe die Trostlosigkeit auf den Rastplätzen mit Alkohol. Letztlich seien es etwa zwei Prozent, die alkoholgefährdet oder alkoholkrank seien - bei rund 300.000 Truckern aus osteuropäischen Ländern und Teilen der ehemaligen Sowjetunion, die täglich auf deutschen Straßen unterwegs sind, betreffe das Problem somit mehr als 6.000 Lkw-Fahrer. Polizei und Politik wüssten seit Jahren über die Zahlen und das Problem Bescheid. Ihnen seien oft aber die Hände gebunden.
Strafen über Ländergrenzen hinweg sind oft kaum durchzusetzen
Dieter Schäfer stellt klar, dass auch viele deutsche Fahrer betroffen sind und es auf keinen Fall darum gehe, die ausländischen Fahrer an den Pranger zu stellen. In der Praxis sei ein deutscher Fahrer, der betrunken unterwegs sei, aber einfacher zu bestrafen, als ein Fahrer aus dem Ausland. "Der deutsche Rechtsarm reicht nicht in osteuropäische Länder", sagt Schäfer. Und die Politik greife das Thema oft nur mit sehr spitzen Fingern an, weil sich niemand vorwerfen lassen wolle, jemanden zu diskriminieren.
So sei es in seiner Polizeilaufbahn immer wieder vorgekommen, dass Strafen nicht vollzogen werden konnten. Über europäisches Recht würden beispielsweise Führerscheine nicht dauerhaft entzogen und auch keine Medizinisch-Psychologischen Untersuchungen (MPU) angeordnet.
Hilfsverein fordert europaweit null Promille für Kraftfahrer
Trauriger Höhepunkt in seiner Zeit als Polizist sei ein Lkw-Fahrer gewesen, der mit 4,7 Promille auf einer Raststätte neben seinem Lastwagen stand und felsenfest davon überzeugt gewesen sei, dass er am nächsten Tag weiterfahre. Schäfer habe sich selbst auch oft die Frage gestellt, wie verkehrssicher so ein alkoholkranker Mensch überhaupt ist, wenn er plötzlich auf null Promille ausnüchtert oder ob er nicht dann erst recht zu einer Gefahr wird, weil der Körper massive Entzugserscheinungen hat. Der Verein "Hellwach mit 80 km/h" fordert deshalb eine strikte Null-Promille-Grenze für alle Kraftfahrer, die auch europaweit umgesetzt und geahndet wird.