Es riecht nach Motoröl und Kaffee. In der Ecke der kleinen Tankstellenstube am Betzenberg sitzen drei Männer. Vor ihnen stehen geöffnete Bierflaschen. "Wenn die Tankstelle zumacht, bleibt uns nur noch das Altersheim", sagt einer und lacht trocken. Die anderen grinsen – aber niemand widerspricht.
Was hier nach einem lockeren Spruch klingt, ist in Wahrheit symbolisch für einen ganzen Stadtteil. Die Tankstelle ist im Kaiserslauterer Stadtteil Betzenberg nicht nur ein Ort zum Tanken. Sie ist der letzte Treffpunkt, an dem sich die Wege im Viertel kreuzen. Ende des Jahres läuft der Pachtvertrag aus – und dann?
"Dann wird es ruhig hier oben", murmelt einer der Männer.
Stadtteil Betzenberg: Früher war hier mehr los
Aber es war nicht immer so. Auf dem Betzenberg, bekannt durch das Fritz-Walter-Stadion, gab es einen Supermarkt, eine Bank und die Gaststätte "Servus". Wer hier wohnte, bekam alles - sozusagen um die Ecke. Heute: Der Supermarkt steht leer, die Bank ist dicht, das "Servus" hat auch geschlossen. Der alte Bäcker existiert nur noch in Erinnerungen.
Vor den grauen Betonfassaden spielen Kinder auf einem asphaltierten Vorplatz – direkt vor einem kleinen Gebäude, das früher einmal die Bankfiliale war. Jetzt teilen sich hier die wenigen verfügbaren Räume vormittags die "Betzestubb", ein ehrenamtliches Stadtteilbüro, und nachmittags der Jugendtreff.
Leben zwischen Eigenheim und Hochhaus am Betzenberg
Der Stadtteil zählt rund 4.700 Einwohner – die Unterschiede sind groß wie in vielen Städten. In gepflegten Einfamilienhäusern leben häufig ältere Paare, deren Kinder längst ausgezogen sind. Ein paar Querstraßen weiter ragen Hochhäuser mit 17 Stockwerken in den Himmel.
Dort leben Familien auf deutlich weniger Quadratmetern pro Wohnung zusammen. "In einem Flur kennt man die Nachbarn, aber darüber hinaus wahrscheinlich nicht mehr", sagt Holger Schmidt von der Universität Kaiserslautern. Sein Fachbereich: Stadtumbau und Ortserneuerung.
Unzufriedenheit und Frust am Betzenberg?
Bei der Bundestagswahl im Februar holte die AfD am Betzenberg die meisten Stimmen – sowohl bei den Erst- als auch bei den Zweitstimmen. Für Holger Schmidt ist das unter anderem auch ein Ausdruck von Unzufriedenheit: "Die Menschen sind an bestimmten Stellen auch zu Recht unzufrieden."
Warum kleine Läden am Betzenberg verschwinden
Die Ursachen, dass es am Betzenberg stiller geworden ist, liegen nicht unbedingt nur in der Politik, sondern vor allem auch in der Marktwirtschaft, erklärt Schmidt. Die kleinen Supermärkte wie hier am Betzenberg würden sterben, weil beispielsweise die Anlieferung mit großen Lkw hier auch kaum möglich sei. Dazu komme das Kaufverhalten der Menschen. Vieles wird nun im Discounter in der Stadt gekauft, so Schmidt.
Neues Wohngebiet am Fritz-Walter-Stadion: Chance für Supermarkt?
Die Stadt Kaiserslautern plant, den Betzenberg durch ein neues Wohngebiet nahe des Fritz-Walter-Stadions zu erweitern. Dadurch könnte der Stadtteil für einen Supermarkt wieder attraktiver werden, da künftig mehr potenzielle Käufer vor Ort sind, sagt die Stadtverwaltung. Sicher ist das jedoch nicht.
Zukunft Betzenberg: Mehr Platz und mehr Miteinander
Gemeinsam mit seinen Studierenden hat Holger Schmidt ein Projekt gestartet, das Leben und Begegnung auf den Betzenberg zurückbringen soll.
Mehr als Fußball: Lebenswerter Stadtteil im Grünen
Am Abend zirpen die Grillen am Betzenberg, die Luft ist frisch. Viel grün ist hier. Unten in der Stadt ist es wärmer, hektischer. "Wir sind hier auf dem Berg, das ist toll mit den vielen Bäumen im Hinblick auf den Klimawandel", sagt Holger Schmidt. Er und seine Studierenden haben viele Ideen für diesen Teil Kaiserslauterns, der mehr ist als ein Pilgerort für Fußballfans. Was es dazu braucht? Schmidt meint, man müsse einfach dafür sorgen, dass sich hier am Betzenberg jeder wohlfühlt.