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Alltag mit Behinderung: Hindernisse und fehlende Hilfsbereitschaft in der Westpfalz

Hürden in der Stadt und fehlende Unterstützung in der Gesellschaft machen das Leben für Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte schwer. Betroffene aus der Westpfalz berichten, wie es ihnen im Alltag geht.

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Stand

Von Autor/in Jessica Cichy

Hans-Peter Poltz steht am Bahnhof in Landstuhl im Landkreis Kaiserslautern vor einer Behindertentoilette. Er holt seinen Spezialschlüssel raus, den er als Mensch mit Behinderung für Behindertentoiletten in ganz Deutschland hat. Doch die Tür geht nicht auf. "Es geht einfach nicht." Er versucht es immer wieder, doch der Schlüssel passt nicht. Bis er schließlich frustriert mit der Hand abwinkt und aufgibt.

Problem: Keine Behindertentoiletten in Landstuhl

Die Türe in Landstuhl bleibt verschlossen. Er kann sich nicht erklären, warum sie heute nicht auf geht. Bisher war es nicht so. Er ärgert sich, dass darüber auch nicht informiert wurde.

Mit Behinderung leben in der Westpfalz

Mit 17 Jahren hatte Hans-Peter Poltz eine schwere Hirnverletzung durch einen Motorrad-Unfall. Er war gelähmt und hatte mehrere komplizierte Operationen am Gehirn. "Ich erinnere mich einfach an gar nichts mehr. Meine Familie erzählte mir nur, dass ich länger im Koma lag", erinnert er sich.

Später, mit 33 Jahren, bekam er durch eine Grippe eine Hirnhautentzündung. "Ich musste zweimal alles nochmal neu lernen und zweimal musste ich mich zurück ins Leben kämpfen", erzählt er. Lange Zeit verbrachte er im Krankenhaus, bei Ärzten oder in der Reha. Heute sitzt er zwar nicht im Rollstuhl, das gehen fällt ihm allerdings sehr schwer. Seit seinen Schicksalsschlägen gibt es für ihn im Alltag viele Herausforderungen. Wie in Landstuhl bei der Behindertentoilette.

Keine Behindertenparkplätze in Landstuhl im Kreis Kaiserslautern?

Doch das ist in Landstuhl nicht das einzige Problem. Nur einige Meter entfernt von der Behindertentoilette gibt es eigentlich auch Behindertenparkplätze. Hans-Peter Poltz fährt Auto und wollte neulich dort parken.

Auf dem Parkplatz am Bahnhof in Landstuhl sieht man E-Ladesäulen mit den passenden Parkplätzen. Früher waren hier Behindertenparkplätze.
In Landstuhl im Kreis Kaiserslautern sind keine Behindertenparkplätze mehr da.

Er bemerkte allerdings, dass es dort jetzt zwei Parkplätze für Behinderte weniger gibt. Jetzt sind da E-Ladesäulen. Auch hier wundert es ihn sehr, denn dort habe er schon sehr oft geparkt. Vor dem Parkplatz wirkt er sichtlich frustriert.

Problem: Zu wenig Rücksicht in der Gesellschaft

Laut Poltz gibt es das Problem mit dem Parken auch in anderen Städten und Gemeinden - besonders in der Gesellschaft. "Manchmal stellen sich Menschen auf Behinderten-Parkplätze", sagt er. "Das letzte Mal musste ich dringend zu einem Arzttermin und hatte keine Möglichkeit zu parken." Darüber ist er sehr enttäuscht, stellt er klar. Wegen solcher Vorfälle ist nicht nur sein Alltag schwer, sondern auch seine Enttäuschung über seine Mitmenschen groß.

Problem: Zu wenig Rücksicht bei Mobilität in der Stadt

So wie Hans-Peter Poltz geht es auch anderen Menschen in der Westpfalz. Zum Beispiel Christopher Licht. Er ist 37 Jahre alt und sitzt im Rollstuhl. Ihm machen besonders hohe Bürgersteige zu schaffen. "Da müssen wir aufpassen, dass wir nicht kippen", sagt er. Manchmal sei es so eng, dass Licht mit seinem Rollstuhl auf die Straße ausweichen muss. Außerdem würden Autofahrer dabei nicht immer Verständnis zeigen. Für ihn wäre eine Lösung, dass die Bürgersteige breiter werden oder sogar abgeschafft werden.

Ein Rollstuhlfahrer aus Kusel im Kreis Kaiserslautern steht vor einem hohen Bürgersteig.
Für Rollstuhlfahrer sind zu hohe Bürgersteige in Kusel und Region eine große Herausforderung. Timo Schneider, Lebenshilfe Kusel

Auch seine Kollegen von der Lebenshilfe Kusel und Westrich, die ebenfalls im Rollstuhl sitzen, sehen hier Handlungsbedarf: "Es fängt ja schon bei den Pflastersteinen und Schlaglöchern an oder bei alten Gebäuden mit steilen Treppen. Auch zu hoch angebrachte Türklinken sind ein Problem."

Problem: Fehlende Hilfsbereitschaft

Klaus Brand lebt mit einer Beeinträchtigung und hat einen Rollator. Zusammen mit Christopher Licht wohnt er in einer Wohngemeinschaft der Lebenshilfe. Brand stößt besonders beim Einkaufen auf viele Hindernisse: "Die Leute helfen kaum. Sie schauen einfach weg." Pascal Fremdgen sitzt im Rollstuhl und stimmt Brand zu: "In den Geschäften werden wir schon fast umgerannt, weil wir langsamer sind. Ich habe noch nie erlebt, dass Menschen mich ansprechen, um zu helfen." Er wünscht sich einfach mehr Unterstützung der Gesellschaft.

"Die Leute helfen kaum. Sie schauen einfach weg."

Einer, der beide Perspektiven kennt, ist Timo Schneider. Als Hauptamtlicher Vorstand der Lebenshilfe Kusel kennt er die Probleme von Menschen mit Behinderung. Aus seinem eigenen Alltag weiß er aber auch, vor welchen Herausforderungen unsere Gesellschaft mit Inklusion steht. "Ich denke, viele Menschen trauen sich nicht zu helfen oder Menschen anzusprechen, die eine Behinderung haben", sagt er. "Behinderte Menschen sind aber eben auch Menschen wie du und ich. Man kann ganz normal mit Ihnen sprechen." Schneider ist der Meinung, dass es schön wäre, wenn jeder auf jeden aufpassen würde, denn Barrierefreiheit bedeute auch am Leben teilhaben zu können, wie man es gerne hätte.

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