Ein Mann aus Pirmasens wurde im vergangenen Jahr aufsehenerregend entführt und massiv unter Druck gesetzt. Das Ziel der Entführer: Geld von ihm zu erpressen. Drei Täter sind bereits verurteilt. Nun steht ein vierter mutmaßlicher Beteiligter vor dem Landgericht Zweibrücken.
Entführung in Pirmasens: Angeklagter soll Fahrer gewesen sein
Der jetzt angeklagte Mann soll eine zentrale Rolle bei der Entführung gespielt haben. Er soll mit seinem Auto das Fahrzeug des Opfers von der Straße abgedrängt haben. Offenbar, um die Entführung gemeinsam mit den drei weiteren Komplizen durchzuführen.
Urteil gesprochen Prozess in Zweibrücken: Bis zu sechs Jahre Haft für spektakuläre Entführung
Drei Männer sind vor dem Landgericht Zweibrücken schuldig gesprochen worden - wegen Menschenraubs und gefährlicher Körperverletzung. Sie müssen für mehrere Jahre ins Gefängnis.
Einer der Mittäter war der beste Freund des Opfers. Ihn soll der jetzt Angeklagte vor Ort sogar geschlagen haben - mit dem Ziel, den Mann emotional zu erpressen und zu Geldforderungen zu bewegen. Das Kalkül dahinter: Das Opfer würde den Freund retten wollen - und deshalb auf Forderungen der Entführer eingehen. Die Bande hatte es laut Staatsanwaltschaft auf das Vermögen des Pirmasensers abgesehen.
Festnahme in Bulgarien
Die Tat flog erst in Luxemburg auf, als dort der entführte Mann gezwungen wurde, Geld abzuheben. Die drei Mittäter wurden bereits im Juli zu Haftstrafen von bis zu sechseinhalb Jahren verurteilt. Der jetzt Beschuldigte setzte sich nach der Tat ins Ausland ab. Er wurde per europäischem Haftbefehl in Bulgarien festgenommen. Dann wurde er nach Deutschland ausgeliefert.
Angeklagter war bulgarischer Fußballprofi
Der 37-jährige Angeklagte hat umfangreiche Angaben zu seiner Vergangenheit gemacht. Nach eigenen Angaben unterschrieb er bereits mit 17 Jahren einen Profivertrag bei den Glasgow Rangers. Es folgten weitere Stationen in Europa – darunter ein kurzer Aufenthalt in Italien, den er nach zwei Wochen wegen Heimweh abgebrochen habe. Den Großteil seiner Profikarriere verbachte er in Bulgarien.
37-Jähriger hat auch in der Südwestpfalz Fußball gespielt
Bis vor wenigen Monaten soll er aber auch für einen Amateurverein in der Südwestpfalz gespielt haben. Ein Freund habe den Kontakt hergestellt. Der Verein habe ihn regelmäßig aus Bulgarien eingeflogen, um beim Kampf gegen den Abstieg zu helfen.
Laut eigener Aussage pflegte er in den vergangenen Jahren seine schwerkranke Mutter. In dieser Zeit sei er alkoholabhängig geworden. Außerdem leide er an einer genetisch bedingten Nervenkrankheit, die mit Panikattacken verbunden sei. Seine Fußballkarriere habe er vor einigen Jahren beendet, anschließend habe er bei einem Freund in Bulgarien in einem Autohaus gearbeitet.
Angeklagter bestreitet Geldprobleme
Die Staatsanwaltschaft verweist auf Chatverläufe, aus denen finanzielle Schwierigkeiten hervorgehen sollen – der Angeklagte bestreitet das. Er räumt jedoch ein, regelmäßig gespielt und dabei mitunter bis zu 11.000 Euro im Monat verloren zu haben.