Dabei steht der Spielplan für die deutsche Nationalmannschaft bereits fest: Deutschland startet am 14. Juni um 19 Uhr gegen Curaçao ins Turnier. Danach folgen Spiele gegen die Elfenbeinküste am 20. Juni um 22 Uhr und gegen Ecuador am 25. Juni, ebenfalls um 22 Uhr.
Public-Viewing-Angebote in Rheinland-Pfalz
Warum viele Gastronomen zurückhaltend sind
Die späte Uhrzeit der Spiele dürfte ein zentraler Grund dafür sein, warum auch viele Gastro-Betriebe in Rheinland-Pfalz keine großen WM-Pläne haben. Für Restaurants und Bars bedeutet das nämlich zusätzlichen Personalaufwand und lange Öffnungszeiten - ohne Garantie, dass sich das wirtschaftlich lohnt. Auch fehlende Technik wird als Grund genannt, warum manche Biergärten keine WM-Spiele zeigen wollen.
Im Gespräch mit dem SWR sagt ein bekannter Trierer Gastronom: Seine Betriebe werden die WM-Spiele nicht übertragen. Bei vergangenen Weltmeisterschaften seien viele Lokale nahezu gezwungen gewesen, die Spiele zu zeigen, da sonst zahlreiche Gäste ausgeblieben wären. Dieses Mal hoffen einige Wirte jedoch darauf, dass die Menschen zunächst ganz regulär essen gehen und die Partien anschließend zuhause oder in Sportbars verfolgen.
Die Fußball-WM 2014 in Brasilien war im Gegensatz zu diesen Äußerungen ein Highlight der Public-Viewing-Kultur: In Rheinland-Pfalz verwandelte etwa der FSV Mainz 05 sein Stadion in die größte Public-Viewing-Fläche der Stadt. Bis zu 5.000 Fußball-Fans verfolgten hier teilweise die Spiele schon ab der Gruppenphase.
Kommt die WM-Freude verspätet auf?
Auch vor zwölf Jahren waren die Anstoßzeiten aufgrund der Zeitverschiebung teilweise sehr spät - was war damals also anders? Eine Erklärung könnte sein, dass die deutsche Nationalmannschaft bei Weltmeisterschaften seit dem Sieg 2014 "ihren Rhythmus sucht", wie die Sportschau berichtet: 2018 und 2022 scheiterte sie schon in der Vorrunde.
Der Blick in die Vergangenheit zeigt auch: In Deutschland starten große Fußballturniere oft mit geringer Vorfreude, wobei erst ein überzeugender Sieg im ersten Spiel die Stimmung zu kippen vermag - was dazu führt, dass Fans Hürden wie späte Anstoßzeiten akzeptieren. 2006 etwa löste erst Philipp Lahms Tor im Eröffnungsspiel gegen Costa Rica die anfängliche Skepsis auf und leitete eine Phase der Begeisterung ein.
Kaum öffentliche Public-Viewing-Angebote
Doch rund einen Monat vor dem Start der WM sind öffentliche Public-Viewing-Angebote in Rheinland-Pfalz bislang eher die Ausnahme. Viele Städte und Veranstalter halten sich noch bedeckt oder planen gar keine Formate.
In Mainz zum Beispiel hat sich die Stadt bewusst gegen ein öffentliches Public-Viewing ausgesprochen. Vor allem durch die späten Anstoßzeiten würde sich der Mehraufwand unter anderem für Security und sanitäre Anlagen nicht lohnen, so ein Stadtsprecher. Und auch Fußball-Bundesligist Mainz 05 hat sich aus diesem Grund in diesem Jahr dagegen entschieden, das Stadion für Fußball-Fans zum gemeinsamen Gucken zu öffnen.
Halle in Mainz bietet 2.000 Fans Platz
Wer gerne in großer Runde guckt, der ist in Mainz jedoch in der "Halle 45" gut aufgehoben. Rund 2.000 Fans können hier gemeinsam Fußball schauen, auf einer 60 Quadratmeter großen LED-Leinwand. Ab sofort können Tickets gebucht werden. Die Veranstaltungen sind kostenlos, es gibt aber einen Mindestverzehr.
Außerdem werden die Spiele in vielen Kneipen gezeigt, unter anderem in der "Zeitungsente", dem "Sixties", in der "Andau" im "Domsgickel" und im "Klingelbeutel". Aber auch das Favorite-Parkhotel lädt im hauseigenen Biergarten ebenso wie das Schloss zum Rudel-Gucken ein. Der Kulturclub "schon schön" zeigt Spiele sowohl drinnen als auch im Außenbereich.
Fußball-WM auch Thema bei der Mainzer Johannisnacht
Rund um das zweite Spiel der deutschen Nationalmannschaft am 20. Juni gegen die Elfenbeinküste findet in Mainz die Johannisnacht statt. Auch bei dem Volksfest wird es kein öffentliches Public Viewing geben. Nach Angaben der Stadt wird es wegen der Fußball-WM aber zumindest bei der abschließenden Drohnenshow des Festes am Montagabend sportlich zugehen. Mainz wolle in diesem Jahr als Motivbilder Highlights aus der Sportstadt Mainz zeigen, heißt es.
Wo man die Spiele in Trier schauen kann
In Trier veranstaltet der "Flieten Franz" am Moselufer zu jedem Deutschland-Spiel ein Public Viewing mit großer Leinwand und zusätzlichen Fernsehern auf dem Gelände nebenan auf der Wiese.
Fußball-WM im Biergarten am Deutschen Eck in Koblenz
Nach Angaben der Stadt Koblenz gibt es bis jetzt nur einen Antrag zur Genehmigung von Public Viewing in der Stadt. Der Biergarten am Deutschen Eck in Koblenz hat diese beantragt und möchte nach eigenen Angaben alle Spiele der Deutschen Nationalmannschaft auf drei LED-Großbildleinwänden zeigen. Weitere Spiele werden auch gezeigt - außer sie beginnen nach 22 Uhr. Hier können nach Angaben der Veranstalter bis zu 4.500 Menschen gemeinsam schauen.
Bekannte Fußball-Kneipe aus Kaiserslautern zeigt alle WM-Spiele
In der Westpfalz haben die Städte Kaiserslautern, Pirmasens und Zweibrücken bisher keine eigenen Public Viewings zur Fußball-WM geplant. In Pirmasens liegt aber die Anfrage eines Veranstalters vor, der im Neuffer-Park WM-Spiele zeigen möchte. Bei den Gastronomen in der Westpfalz ist die Stimmung gemischt.
Kneipen, die auch sonst viel Fußball zeigen und länger geöffnet haben, zeigen die WM-Spiele. So zum Beispiel das Hannenfass in Kaiserslautern: Dort werden laut Besitzer alle Spiele gezeigt. Auch die Spiele nach 22 Uhr können dort im Lokal gesehen werden. Für viele Biergärten ist das aber keine Option. "Wir wollen lieber ein Ruhepol für Nicht-WM-Gucker sein", heißt es aus Valentins Biergarten in Zweibrücken.
Public Viewing im Wirtshaus am Dom in Speyer
In Speyer werden die WM-Spiele beim Wirtshaus am Dom in Speyer übertragen. Dort wolle man zumindest jedes Deutschland-Spiel zeigen, auch die Spiele um 22 Uhr. Nur Spiele um 3 Uhr morgens werde man nicht übertragen. Plätze gibt es beim Wirtshaus drinnen und draußen.
Keine öffentlichen Public-Viewing-Angebote in Ludwigshafen, Neustadt und Landau
Öffentliche Public-Viewing-Angebote wird es nach Angaben der Stadtverwaltungen Ludwigshafen, Neustadt und Landau nicht geben. In Landau soll es am Untertor- und Obertorplatz Angebote von Gastronomen geben.
Bundesregierung lockert Regeln für die WM
Grundsätzlich sind in diesem Jahr späte WM-Übertragungen möglich. Die Bundesregierung hat für das Turnier Ausnahmen beim Lärmschutz ermöglicht. Die endgültige Entscheidung liegt aber bei den Kommunen.
Übertragungen im Freien müssen die Veranstalter bei Stadt- oder Gemeindeverwaltung beantragen. Das für Lärmschutz verantwortliche Umweltministerium hat empfohlen, die Übertragung aller Spiele, die bis 22 Uhr angepfiffen werden, zu erlauben. Die enden dann in der Regel etwa um Mitternacht. Spiele in der K.O.-Phase, bei denen es Verlängerung und Elfmeterschießen geben kann, sollen aber auch noch gezeigt werden dürfen. Das Schreiben der Landesregierung an die Kommunen datiert von Ende März. Nach SWR-Informationen war es aber offenbar in vielen Verwaltungen nicht angekommen und wurde nun erneut verschickt.
In Rheinland-Pfalz ziehen viele Städte mit. In Trier gelten für Gastronomiebetriebe in den Sommermonaten bereits verlängerte Außenzeiten: Terrassen dürfen sonntags bis donnerstags bis Mitternacht geöffnet bleiben, freitags und samstags sogar bis 1 Uhr nachts. Gleichzeitig beginnt die Nachtruhe in diesen Zeiträumen später.
Reichen diese Regelungen nicht aus, können Veranstalter zusätzliche Ausnahmegenehmigungen beantragen. Nach Angaben der Stadt Trier sollen diese allerdings grundsätzlich auf Spiele mit deutscher Beteiligung beschränkt werden. Kontrolliert werden mögliche Auflagen laut Stadtverwaltung durch das Ordnungsamt - allerdings nur im Rahmen der verfügbaren personellen Ressourcen. Auch die Stadt Koblenz plant nach eigenen Angaben, entsprechende Regelungen zu erlassen.