Wie sehen Nachrichten in Zukunft aus?

Experte aus Kaiserslautern: Nachrichten werden sich durch KI stark verändern

Künstliche Intelligenz - sie ist in vielen Lebensbereichen mittlerweile kaum noch wegzudenken. Auch Journalisten machen sie sich zu nutze. Wie wird die Nachricht der Zukunft aussehen? Das haben wir Andreas Dengel, den Leiter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kaiserslautern gefragt.

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Von Autor/in Johannes Zinßmeister

SWR Aktuell: Herr Dengel, künstliche Intelligenz begleitet uns schon seit vielen Jahren. Ich habe das Gefühl, dass sie unser Leben in den letzten Jahren zunehmend schneller beeinflusst. Wie sehen Sie das?

Andreas Dengel: Ja, absolut. Wir arbeiten am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) seit 30 Jahren an diesem Thema und merken, dass die Entwicklung exponentiell beschleunigt. Für uns als Wissenschaftler bedeutet das, dass wir ständig Schritt halten müssen, weil immer wieder neue Möglichkeiten entstehen, innovative Lösungen zu entwickeln. Es ist eine spannende Zeit.

SWR Aktuell: In welchen Bereichen ist diese rasante Entwicklung besonders spürbar?

Andreas Dengel: Besonders auffällig ist die Entwicklung in der Kommunikation mit und zwischen KI-Systemen. Viele von uns haben inzwischen Erfahrungen mit ChatGPT gemacht. Heutzutage können wir mit KI-Systemen in unserer natürlichen Sprache kommunizieren. Diese Systeme können auch untereinander gleiches tun und in Rollen schlüpfen, um gemeinsam komplexe Planungsaufgaben zu lösen. Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten, wie wir Technologie in unseren Alltag integrieren können.

Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kaiserslautern.
Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kaiserslautern forscht an KI. Unter anderem wie sie sich und die Gesellschaft verändern wird.

SWR Aktuell: Auch im Journalismus kommt KI zunehmend zum Einsatz. Welche Entwicklungen sehen Sie hier?

Andreas Dengel: Ich habe kürzlich über die "Lokalzeitung der Zukunft" gesprochen. Mithilfe von sogenannten agentischen KI-Systemen können wir personalisierte Nachrichten erstellen, die auf den individuellen Interessen der Leser basieren. Diese Agenten sammeln Informationen aus unterschiedlichen Kanälen, analysieren lokale Kontexte und stellen relevante Inhalte bereit – nicht mehr als ein einheitliches Produkt, sondern als maßgeschneiderte, personalisierte Nachrichten. Das könnte die Menschen dann ein Stück weit näher am lokalen Geschehen halten.

Lokale Nachrichten werden weiterhin wichtig sein, aber sie werden anders produziert und konsumiert.

SWR Aktuell: Das klingt, als würde die Regionalität bei der Berichterstattung auch in Zukunft eine zentrale Rolle spielen.

Andreas Dengel: Ganz sicher. Lokale Nachrichten werden weiterhin wichtig sein, aber sie werden anders produziert und konsumiert. Wir sprechen hier von einer stärkeren Einbindung der Nutzer. Inhalte werden in verschiedenen Medienformaten aufbereitet – sei es als Text, Video oder interaktive Elemente. Gleichzeitig fördern diese Plattformen die Teilhabe, indem sie den Nutzern die Möglichkeit geben, ihre Perspektiven einzubringen. Das stärkt nicht nur die lokale Berichterstattung, sondern auch demokratische Prozesse.

KI wird eine Schockwelle auslösen und unsere Gesellschaft grundlegend verändern. Viele Menschen müssen sich neu orientieren und ihre Rolle überdenken.

Andreas Dengel ist der Leiter des Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Kaiserslautern
Andreas Dengel ist der Leiter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz in Kaiserslautern.

SWR Aktuell: Das SWR Studio Kaiserslautern wird 80 Jahre alt - da hat sich viel getan. Wir präsentieren Nachrichten mittlerweile multimedial - sei es im Radio, im Fernsehen oder eben online auf vielen unterschiedlichen Kanälen. Was denken Sie - wie wird eine Nachricht in 80 Jahren aussehen?

Andreas Dengel: In 80 Jahren? Das ist eine lange Perspektive, wenn ich mir die Geschwindigkeit anschaue. Aber ich sag mal, in zehn Jahren wird eine Nachricht auch konsumentengerecht aufbereitet sein, vielleicht schon in fünf Jahren. Dass man Nachrichten für Menschen entweder intellektueller oder einfacher macht - je nachdem welchen Background sie haben. Und das kann eine KI durchaus machen, weil sie mehr von den Menschen weiß und auch damit ein morgendliches Briefing macht zu den wichtigsten Themen aus einer Stadtratssitzung beispielsweise. Die KI fasst dann also zusammen, was das Individuum interessiert. Möglich wäre es auch, dass mir Geschäfte in der Stadt spezifische Angebote machen, die mich interessieren.

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SWR Aktuell: Viele Menschen haben jedoch auch Angst vor der rasanten Entwicklung der KI. Was sagen Sie zu diesen Befürchtungen?

Andreas Dengel: Die Sorgen sind berechtigt. KI wird eine Schockwelle auslösen und unsere Gesellschaft grundlegend verändern. Viele Menschen müssen sich neu orientieren und ihre Rolle überdenken. Spezifisches Fachwissen wird weniger wichtig, während Fähigkeiten wie Problemlösung und kreatives Denken an Bedeutung gewinnen. Auch der Arbeitsmarkt wird sich drastisch verändern – einige Industrien werden auf der Strecke bleiben. Wir in Deutschland und Europa müssen uns strategisch positionieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

SWR Aktuell: Könnte KI irgendwann so autonom werden, dass sie uns gar nicht mehr braucht?

Andreas Dengel: Die Gefahr besteht, insbesondere mit den sogenannten agentischen KI-Systemen. Diese können in spezialisierten Bereichen wie beispielweise in der Medizin oder im Tourismus eigenständig Aufgaben übernehmen – allerdings ohne eigenes Bewusstsein. In der Medikamentenforschung etwa ist KI bereits in der Lage, Prozesse wie die Entwicklung neuer Therapien und die Planung klinischer Tests nahezu vollständig zu automatisieren. Dennoch bleibt der Mensch ein wichtiger Kontrollfaktor.

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SWR Aktuell: Was raten Sie den Menschen im Umgang mit KI?

Andreas Dengel: Es ist wichtig, sich mit der Funktionsweise von KI auseinanderzusetzen und die Grundprinzipien zu verstehen. Angst oder Distanz bringen uns nicht weiter. Stattdessen sollten wir lernen, KI kritisch zu hinterfragen – insbesondere im Hinblick auf potenzielle Verzerrungen, Fake News oder Deepfakes. Junge Menschen, die mit einer Flut an Informationen konfrontiert werden, müssen besonders darauf achten, die Quellen und Inhalte zu prüfen.

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Autor/in
Johannes Zinßmeister
Bild von Johannes Zinßmeister, Redakteur im SWR Studio Kaiserslautern

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