Die USA zählen eigentlich zu den beliebtesten Zielen für deutsche Studierende im Ausland. Doch viele denken inzwischen zweimal darüber nach, ob sie das Risiko eines Aufenthalts in den Staaten eingehen. Wie groß ist das Interesse an einem USA-Studium an der RPTU noch? Das haben wir Dr. Parya Memar gefragt, Leiterin des Referats Internationale Angelegenheiten an der RPTU Kaiserslautern.
SWR Aktuell: Ist ein Auslandsaufenthalt in den USA bei Studierenden noch immer heiß umkämpft?
Dr. Parya Memar: Die Verunsicherung bei den Studierenden merken wir schon. Wir beobachten, dass es drei verschiedene Kategorien gibt, weshalb sich manche Studierenden die Frage stellen, ob sie noch in die USA wollen.
Erstens sind letztes Jahr tatsächlich einige Studierende – obwohl sie ein Visum hatten - an der Grenze zurückgeschickt worden. Das waren zwar Einzelfälle, trotzdem hat das natürlich auch die Zielgruppe verunsichert, sodass sie gesagt haben: Selbst wenn ich ein Visum erhalte, habe ich keine Sicherheit, dass ich den Studienort besuchen darf. Das wird medial sehr groß gemacht und beunruhigt uns und unsere Partner-Unis auch.
Die zweite Beobachtung ist, dass sich Studierende die Frage stellen: Möchte ich angesichts der politischen Lage dort überhaupt nach Amerika? Möchte ich in den USA überhaupt eine Partner-Uni besuchen?
Drittens leiden im Bereich Forschung bestimmte Disziplinen unter finanziellen Kürzungen oder sind sogar komplett eingestellt worden. Die Fördermittel für bestimmte Projekte, an denen Studierende gerne gearbeitet hätten, existieren teilweise einfach nicht mehr. Zum Beispiel in den Bereichen Umwelt, Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Diese Themen sind nicht mehr attraktiv, weil sie politisch nicht unterstützt werden und die Finanzierung nicht existiert. Genauso wie bei Diversität- oder Genderforschung.
Themen sind nicht mehr attraktiv, weil sie politisch nicht unterstützt werden.
SWR Aktuell: Raten sie besorgten Studierenden von einem Aufenthalt in den Staaten demnach auch mal ab?
Dr. Parya Memar: Wir weisen darauf hin, dass es auch sehr viele Positivbeispiele bei Auslandsaufenthalten gibt. Dass man nicht davon ausgehen soll, es sei der reguläre Fall, wenn man trotz Visum nicht einreisen darf. Ein Partner aus New York hat uns auch erzählt, dass man auf keinen Fall aufhören sollte, mit den Forschungsinstituten und mit den Partner-Unis zusammenzuarbeiten. Auch den Studierenden sollte nicht abgeraten werden, das Land zu bereisen. Wenn jemand Interesse an einem Auslandssemester in den USA hat, schauen wir uns die Situation ganz individuell an. Wir schauen dann, ob wir einen Mehrwert sehen, einen Aufenthalt anzustreben. Wenn nicht, würden wir Alternativländer vorschlagen wie Kanada oder Australien oder andere Länder, in denen auch Englisch gesprochen wird.
SWR Aktuell: Wie nehmen Sie die Stimmung bei ihren Kolleginnen und Kollegen an den Universitäten in den USA wahr?
Dr. Parya Memar: Viele Kolleginnen und Kollegen unserer Partneruniversitäten, die ich im letzten Jahr bei einer Netzwerkveranstaltung getroffen hatte, sind auch besorgt. Manche haben gesagt, sie wissen nicht, ob sie ihre Stelle weiter haben werden. Die haben Existenzprobleme. Da ist für sie ein Austausch mit Studierenden aus dem Ausland erstmal nicht so wichtig, obwohl das auch eine Einnahmequelle ist.
SWR Aktuell: Kann man also sagen, dass Ihre Partner-Unis in den USA auch weniger Interesse an Studierenden aus Deutschland haben?
Dr. Parya Memar: So konkret kann man das nicht sagen. Das Problem ist die Finanzierung. Wir hatten zum Beispiel ein Programm, bei dem wir sechs/sieben Studierende an die Cal State University in Los Angeles schicken konnten. Die Tuition Fees – also die Studiengebühren – der Studierenden konnten über Fördermittel finanziert werden. Da gab es dann auch überhaupt keine Schwierigkeiten. Jetzt aber sind die Mittel nicht mehr vorhanden. Das macht ein ganzes Auslandssemester für die Interessierten kaum bezahlbar. Zu tun hat das mit einer Strategieänderung der Geldgeber. Statt zum Beispiel nur einer Person ein Semester in den USA zu finanzieren, können gleich mehrere Studierende bei einem Auslandssemester in Europa unterstützt werden. Das ist für die Geldgeber einfach attraktiver.
SWR Aktuell: Fokussieren Sie sich bei ihrer Arbeit jetzt also mehr auf andere Länder?
Dr. Parya Memar: Für uns ist Europa weiterhin eine Region, die wir noch nicht ausgeschöpft haben. Forschungen haben gezeigt, dass es bei Studierenden einen Zusammenhang zwischen Migrationshintergrund und Auslandsaufenthalt gibt. Weil in Deutschland die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund gestiegen ist, merken wir, dass auch die Zahl der Auslandsaufenthalte rückläufig ist. Wir haben selbst in Europa, wo es weniger politische Konflikte gibt, damit zu kämpfen, Studierende ins Ausland zu schicken. Auch weil wir für Europa mehr finanzielle Mittel haben, hat unser europäisches Studienangebot für unser Referat an der RPTU größere Priorität.