Eigentlich stellte Georg Michael Pfaff in den 1850er Jahren Blechblasinstrumente her. Diese waren damals in der Pfalz sehr beliebt, denn es gab unzählige Wandermusikanten, die aus der Region in die ganze Welt zogen - und auf ihren Pfaff-Musikinstrumenten spielten.
Doch dann baute Georg Michael Pfaff 1862 seine erste Nähmaschine - sie steht übrigens heute im Deutschen Museum in München. Es war der Beginn einer langanhaltenden Erfolgsgeschichte. Schnell ließ der Unternehmensgründer die Instrumente Instrumente sein - und setzte voll auf seine Nähmaschinen.
Pfaff in Kaiserslautern war Vorreiter bei der sozialen Absicherung
Und das zahlte sich aus: Schon 1910 wurde die millionste Nähmaschine gebaut, über 400 Mitarbeiter arbeiteten für Pfaff in Kaiserslautern. Sie wurden auch relativ schnell sozial abgesichert: Schon seit 1874 gab es eine Krankenkasse, wenig später eine Rentenkasse. Für die Mitarbeiter werden später Wohnungen gebaut, es gibt sogar eine Kinderkrippe. Unternehmensgründer Georg Michael Pfaff starb 1893, die Firma blieb aber bis in die 1950er-Jahre weiter in Familienhand.
Und sie wuchs und wuchs - im Jahr 1917 exportierte Pfaff seine Nähmaschinen in 64 Länder rund um den Erdball. Mittlerweile wurden in Kaiserslautern auch Maschinen gebaut, die ausschließlich für die Industrie gedacht waren. 1927 wurde die zweimillionste Nähmaschine produziert, 1936 die dreimillionste.
Während des Krieges produzierte Pfaff auch Schlösser für Maschinengewehre. 1944 wurde ein Großteil des Werkes bei einem Bombenangriff zerstört. Nach dem Krieg wurde es aber relativ schnell wieder aufgebaut.
Pfaff in Kaiserslautern wächst und wächst
Und der Aufschwung von Pfaff ging weiter, weil das Unternehmen auch immer neue Innovationen auf den Markt brachte: Die erste Haushalts-Nähmaschine im Koffer, den ersten Automaten, der Taschen auf Jeans nähen konnte. Und das sind nur einige wenige Beispiele. Pfaff war gleichbedeutend mit Innovation. 1960 ging die Firma an die Frankfurter Börse.
In den 80er-Jahren beginnt der Niedergang von Pfaff
Doch dann folgten die 1980er-Jahre - und der Niedergang von Pfaff begann. Grund: Die Bekleidungsindustrie in Deutschland verschwand, Kleidung wurde immer mehr in Billiglohnländern hergestellt. Nähmaschinen von Pfaff waren auf einmal in Deutschland nicht mehr gefragt. Hinzu kamen Managementfehler, mit dem Hersteller ging es bergab.
Abzulesen ist das auch an den Beschäftigtenzahlen: 1970 arbeiteten für Pfaff in ganz Deutschland rund 9.000 Menschen, davon in Kaiserslautern über 6.000. "Ich schaffe beim Paffe" ("Ich arbeite bei Pfaff") war damals in Kaiserslautern ein geflügeltes Wort - und wurde mit Stolz gesagt. Beim "Paffe" schaffen, das schien eine Arbeitsstelle fürs Leben.
Zwei Insolvenzen können Pfaff in Kaiserslautern nur bedingt helfen
Spätestens in den 1990er-Jahren allerdings ging es dramatisch bergab mit Pfaff: 1999 musste das Unternehmen Insolvenz anmelden. Pfaff wurde in die Sparten Industrie- und Haushaltnähmaschninen geteilt und verkauft. 2001 arbeiteten nur noch 2.000 Menschen bei Pfaff in Kaiserslautern.
Doch die Insolvenz verzögert nur den Niedergang: Ab 2004 wurden bei Pfaff in Kaiserslautern keine Nähmaschinen mehr hergestellt, lediglich für Entwicklung, Vertrieb, Verwaltung und für besondere Einzelstücke verblieben rund 200 Mitarbeiter in der Stadt. 2008 musste die Firma zum zweiten Mal Insolvenz anmelden. Ein Jahr später zog Pfaff in ein kleineres und kostengünstigeres Gebäude im Industriegebiet Nord in Kaiserslautern. Das ehemalige Pfaff-Gelände baut die Stadt zurzeit zu einem neuen Stadtteil um.
Im Jahr 2013 übernimmt eine chinesische Firma Pfaff, nachdem vorher mehrfach die Besitzer gewechselt waren. Zuletzt arbeiteten rund 150 Menschen im Werk in Kaiserslautern. Im September 2025 kündigte Pfaff dann an, dass nochmal die Hälfte der Mitarbeitenden entlassen wird.
Betrieb soll weitergehen Pfaff entlässt mehr als die Hälfte der Mitarbeiter in Kaiserslautern
Schock für die Mitarbeiter von Pfaff in Kaiserslautern: Auf einer Betriebsversammlung hat die Geschäftsleitung angekündigt, mehr als die Hälfte der Stellen zu streichen.