"Vergessen Sie New York, vergessen Sie Mailand und Paris. Wir sind in Pirmasens", ruft Mathias von der Groeben. Er ist Modeberater aus Trier und tourt mit seinem Modemobil, einer fahrenden Boutique, bis in die Westpfalz. Nächster Halt: das Seniorenheim "newcare home" in Pirmasens.
Von der Groeben hat eine Seniorin an der Hand, die auf dem Catwalk die neue Kollektion präsentiert. Die anderen Bewohner applaudieren. Zuvor konnten sich Freiwillige melden, um über den roten Teppich zu laufen. "Es geht dabei nicht nur ums Shoppen. Wir schaffen ein schönes Erlebnis und wir wollen, dass die Senioren dadurch mehr Selbstbewusstsein bekommen", erklärt von der Groeben.
So funktioniert das Modemobil-Konzept in Pirmasens und Region
Seit mehr als 20 Jahren gibt es das Konzept "Modemobil". Mathias von der Groeben und seine Frau sind seit über drei Jahren von Trier bis nach Pirmasens unterwegs und besuchen verschiedene Einrichtungen. Mit dabei haben sie rollende Kleiderständer mit Mode für Frauen und Männer. Ihre Kolleginnen und Kollegen touren in anderen Regionen – zum Beispiel in Mannheim, Frankfurt, Berlin oder auch deutschlandweit.
Die Kleidungsstücke werden vom Ehepaar von der Groeben bewusst ausgewählt. "Es muss schick, aber trotzdem praktisch und gemütlich sein", sagt Mathias von der Groeben. Auch die Bezahlung sei im Vorfeld geklärt. "Die Angehörigen machen das mit uns vorher aus. Wir wollen ja nicht, dass die Senioren sich etwas aussuchen und am Ende bezahlt es keiner. Es soll einfach ein schönes Erlebnis für alle werden", erklärt Michaela von der Groeben.
Modemobil schafft Alternativen zum Autofahren für Senioren
Das Modemobil kommt bei den Senioren gut an. Sie schauen sich die Modenschau an, bummeln durch die Kleiderständer und kommen miteinander ins Gespräch. Bewohner Michael Vasilinec beschreibt das Modemobil vor allem als "praktisch". Er ist gehbehindert und deshalb nicht mehr so mobil. "Wenn wir das Haus verlassen wollen, brauchen wir ein teures Taxi. Das müssen wir von unserem lausigen Taschengeld bezahlen", sagt er. "Ja, da hat er Recht. Da muss ich mein Geld dann auch nicht fürs Taxi sparen", bestätigt Angela Ernst, eine weitere Bewohnerin.
Mode für Senioren in Pirmasens schafft Selbstbewusstsein
"Es geht auch darum, dass die Bewohner selbstständig ihre Kleidung auswählen können", erklärt von der Groeben. Es sei zwar schön, wenn Tochter oder Sohn drei Pullover mitbringen würden, aber beim Modemobil gehe es darum, die Selbstständigkeit zu fördern.
Am Ende gab es für jedes freiwillige Model eine Urkunde und kräftigen Applaus. "Ich musste mich eben so zusammenreißen, nicht zu weinen. Beim ersten Durchlauf hat eine Seniorin noch Unterstützung gebraucht und beim zweiten ist sie selbstbewusst allein über den Teppich gelaufen. Und genau für solche Momente machen wir das", sagt Michaela von der Groeben.