Ralf Himbert ist kein Neuling in der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Zweibrücken. Der 60-jährige Jurist ist dort seit 2018 tätig. Anfangs war er nur für die männlichen Insassen zuständig. Die JVA Zweibrücken ist aber vor allem als Frauengefängnis bekannt. Mit dem SWR hat Ralf Himbert über die Herausforderungen und seine neuen Aufgaben gesprochen.
SWR Aktuell: Was machen Sie als Leiter der JVA Zweibrücken?
Ralf Himbert: Ich habe die Zuständigkeit für die ganze Organisation, sowohl für den Männer- als auch für den Frauenvollzug und das Bildungszentrum hier in Zweibrücken. Das sind unsere drei Standbeine insgesamt. Als Leiter ist man eher für die organisatorischen Aufgaben zuständig, aber auch für das Personal. Dafür fühle ich mich insbesondere verantwortlich.
SWR Aktuell: Aber verspüren Sie eine gewissen Aufregung vor der neuen Position?
Himbert: Nein, aktuell nicht. Es liegen schon einige Herausforderungen vor uns. Innerorganisatorisch werden wir uns schon einiges anschauen, was wir an den Abläufen zu ändern haben. Wir haben einen gewissen Personalmangel mit dem wir umgehen müssen und auch hohe Anforderungen im Vollzug.
JVA in Zweibrücken sucht noch Personal
SWR Aktuell: Wo brauchen Sie denn noch Verstärkung?
Himbert: Insbesondere im mittleren allgemeinen Vollzugsdienst. Da haben wir auch offene Stellen. Die Kolleginnen und Kollegen gehen aktuell mit 60 in den Ruhestand. Da ist ein ständiger Personalwechsel vor Ort. Wir haben in der letzten Zeit viele junge Kolleginnen und Kollegen einstellen können und sind weiterhin auf der Suche nach entsprechendem Fachpersonal.
SWR Aktuell: Die JVA Zweibrücken ist vor allem für das Frauengefängnis bekannt. Wo ist denn eigentlich der Unterschied bei der Unterbringung von Männern und Frauen?
Himbert: Bei den Frauen ist es so, dass sie im Wohngruppenvollzug untergebracht sind. Der Frauenvollzug ist schon ein bisschen anders ist als der Männervollzug. Frauen sind häufig auch Opfer von Straftaten geworden. Die Männer kommen nicht in den Genuss von Wohngruppenvollzug. Die sind hier im alten Gebäude untergebracht und gehen ihrer Ausbildung nach. Der Unterschied liegt in der Unterbringung. Bei den Behandlungsansätzen ist es aber ähnlich.
SWR Aktuell: Was ist die größte Herausforderung bei der Unterbringung von Frauen, gerade wenn man das wichtigste Frauengefängnis in Rheinland-Pfalz und dem Saarland ist?
Himbert: Die größte Herausforderung für die Zukunft wird sein, dass wir für die weiblichen Inhaftierten gute berufliche Angebote schaffen. Also das wir schauen, welche Berufe von den Frauen nachgefragt werden und welche Ausbildungsangebote wir ihnen daraufhin machen können.
Schule und Ausbildung in der JVA Zweibrücken möglich
SWR Aktuell: An der JVA in Zweibrücken kann man neben einer Ausbildung auch zum Beispiel einen Schulabschluss nachholen. Wie muss man sich das vorstellen?
Himbert: Im Grunde ist das wie draußen. Wir bieten Ausbildungsberufe an und haben die schulischen Angebote vor Ort, auch mit entsprechenden Lehrkräften. Hier kann man zum Beispiel eine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker machen. Man arbeitet hier aber auch in der Schlosserei oder in der Schreinerei. Sie werden an den Abschlüssen oder Zeugnissen nicht erkennen, dass sie innerhalb der JVA Zweibrücken gemacht wurden. Das wird nicht angegeben. Das sind ganz normale Abschlüsse von der Industrie- und Handelskammer oder der Handwerkskammer.
SWR Aktuell: Ist die Ausbildung oder Schule für die Insassen aber nicht schwieriger, wenn es vorher eventuell keinen oder nur wenig Bezug zu Ausbildung gab?
Himbert: Die Insassen werden von uns entsprechend herangeführt. Die Kolleginnen und Kollegen sind da engagiert dabei und unterstützen nach Kräften die hier untergebrachten Gefangenen. Das klappt schon ganz gut.
SWR Aktuell: Wie gehen Sie mit Problemen wie zum Beispiel Drogensucht bei den Insassen um?
Himbert: Wir haben hier eine eigene Suchtberatung in den letzten Jahren installieren können. Damit können wir den Gefangenen entsprechende Angebote machen. Die sind angebunden an die entsprechenden Hilfestellen und werden innerhalb der Anstalt betreut durch eigene Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, aber auch durch Psychologen, die sich im Bereich Sucht entsprechend auskennen.
SWR Aktuell: Was sind die ersten Projekte, die Sie als neuer Leiter anpacken möchten?
Himbert: Wir haben einen relativ hohen Belegungsdruck innerhalb des geschlossenen Vollzugs. Gemeinsam mit den Kollegen will ich schauen: Wie lässt sich die Kapazität im offenen Vollzug, der gerade nicht ausgelastet ist, entsprechend weiter auslasten. Ich denke da an den Bereich Geldstrafe, die werden auch teilweise hier inhaftiert. Da werden wir schauen, ob es die Möglichkeit gibt, die im offenen Vollzug unterzubringen. Darüber hinaus schauen wir, wie die Organisation noch reibungsloser verlaufen kann.
SWR Aktuell: Herr Himbert, vielen Dank für das Gespräch.