Mit viel Kleister wird die Fassade der Villa Neuffer im Neufferpark Pirmasens diese Woche Stück für Stück beklebt. Der französische Künstler Thomas Rebischung legt schichtweise riesige Papierbilder auf das beinahe verfallene Haus – und macht daraus ein spektakuläres Urban Art Kunstwerk. "Die Muster stammen aus der mikroskopischen Welt – jetzt sind sie gigantisch", erzählt er. Die Formen erinnern an Bienenwaben, Pilzwucherungen und Korallen.
Neufferpark: Schaut die Natur auf uns?
Rebischung findet die umgekehrte Perspektive lustig: "Es sind nicht mehr wir, die auf das Kleine schauen – sondern das Kleine schaut jetzt auf uns." Mit diesem Blick fordert er dazu auf, verantwortungsbewusst mit der Natur umzugehen. 350 Meter Papier sind für das Projekt geliefert worden. Die Zeichnungen macht der Künstler digital und lässt sie dann vergrößern und drucken.
Die große Papier-Haut soll mehrere Monate zu sehen sein. Sie soll nicht entfernt werden, sondern so lange bleiben, bis sich das Papier löst oder die Fassade saniert wird. So ist das Urban Art-Kunstwerk lebendig und verändert sich mit der Zeit.
Die Villa Neuffer und der Kunstverein Pirmasens
Die Villa Neuffer in Pirmasens wurde 1929 als Ruheort für Schuhfabrikanten gebaut. Lange war das Gebäude dem Verfall nahe. Der Kunstverein Pirmasens hat sich jetzt der Sanierung angenommen. Bevor die Sanierung an der Fassade startet, wollten die Verantwortlichen etwas ganz Besonderes wagen: Ein Urban Art-Kunstwerk, das das Haus komplett verwandelt.
Der Kunstverein Pirmasens sieht das Projekt als "Jungbrunnen" für das Haus – ein Auftakt, der nicht nur die Villa verschönert, sondern auch den neuen Nutzungen den Weg bereitet: Kunst, Kultur, Lesungen und Musik sollen künftig hier ein Zuhause finden.
Urban Art in Pirmasens: Viel Zuspruch durch Passanten
"Niederschwellige Kunst für alle – genau das braucht Pirmasens", sagt Klaus Kadel-Magin, zweiter Vorsitzender des Kunstvereins. Die Besucher kommen schon jetzt begeistert und sind gespannt. Das Projekt bringt frische Ideen in die Stadt und zeigt, wie Kunst historische Gebäude aufwerten und modernisieren kann. "Mehr Urban Art würde der Stadt allgemein gut tun", sagt Kadel-Magin. "Es gibt so viele Brandwände an den Häusern, die leer sind und einfach grau gestrichen werden." Das könne besser aussehen.
Für Pirmasens ist das Kunstprojekt deshalb auch ein Symbol: Alt trifft jung, Geschichte trifft frische Ideen – und das mitten im Herzen des Neufferparks, für alle erlebbar.