Langsam legt Maria zwei Lagen von Stoff übereinander und lässt die Maschine rattern. "Ich steppe das Futter an das Oberleder", erklärt die Mitarbeiterin in der Josef Seibel Schuhfabrik. Was Maria hier tut, haben in Hauenstein einst Tausende getan. Bis die Branche zusammenbrach.
Hauenstein lädt zum Schuhmachermarkt
Seither hat Hauenstein in der Südwestpfalz den Wandel zum Touristen- und Shoppingort gewagt – mit Schuhmuseum und Schuhmeile. Zum Jubiläum 140 Jahre Schuhindustrie wird im Schuhdorf am Wochenende einiges geboten.
Der Ort lädt zum Schuhflohmarkt, einer Schuholympiade und vielen Konzerten ein. So treten Samstagfrüh um 11 Uhr zum Beispiel die Anonymen Giddarischden auf, ebenso viele andere Bands, wie das ausführliche Programm verrät. Auf der Schuhmeile soll es außerdem einen Flohmarkt mit über 30 Ständen geben.
Dass Hauenstein noch untrennbar mit der Schuhindustrie verbunden ist, wird schon klar wenn Besucher von der Bundesstraße abfahren. Wo man hinschaut, auf jedem Wegweiser findet sich das Wort "Schuh" mehrmals. Seien es ausgeschilderte Schuhläden oder die nach einer Schuhmacherei benannte Gaststätte "Zwickerstubb". Dazu Denkmäler und ein riesige roter High Heel am Ortseingang.
Ohne die Schuhgeschichte würde Hauenstein wohl nicht annähernd so viele Touristen anlocken, erklärt Sonja Spieß von der Tourist-Info.
Der Schuh ist das Gen und der Motor für den Tourismus hier.
Für sie ist der Schuh "Gen und Motor" des lokalen Tourismus. Das der zieht, sieht man auch im Deutschen Schuhmuseum, das an die 20.000 Besucher im Jahr anlockt, so berichtet Museumsleiter Carl-August Seibel.
Darin finden sich auf drei Etagen viele Maschinen zur Schuhherstellung, nostalgische Schaufenster und unzählige – teils verrückte, teils entzückende – Schuhmodelle.
Besucher können in Schuhfabrik Seibel reinschnuppern
Carl-August Seibel leitet in vierter Generation die Schuhfabrik Josef Seibel. Mit seinen Vorfahren, den Gebrüdern Seibel, und ihrer ersten Schuhstanzmaschine ging es 1886 in Hauenstein los.
Jeder zweite Schuh kam einmal aus der Schuhstadt Aufstieg und Fall der einstigen Schuhmetropole Pirmasens
In den 1960er Jahren wurde jeder zweite Straßenschuh in Deutschland in Pirmasens hergestellt. Heute gibt es nur noch wenige Schuhfabriken. Die Geschichte eines Wandels.
Nach einem Boom in den 1950ern brach die Produktion hierzulande zusammen. Auch die Seibels haben daraufhin ihre Produktion nach Asien verlegt – doch nicht ganz. In der Hauensteiner Schuhfabrik werden noch Muster und einzelne Linien gefertigt. Besucher können den Mitarbeitern bei allen 200 Arbeitsschritte über die Schulter schauen.
Die Schuhfabrik und das Museum und nicht zuletzt Wandertourismus locken viele Menschen nach Hauenstein. Doch inwieweit auch das Shoppingangebot in der Schuhmeile eine Rolle spielt, ist unklar.
Einst mit 15 Händlern gestartet verkaufen heute noch etwa die Hälfte der Schuhfirmen ihre Modelle in der Einkaufsstraße. "Es war mal ganz groß als wir vor über 25 Jahren angefangen haben", sagt Carl-August Seibel. Dann seien mit dem Siegeszug des Onlineshoppings die Verkaufszahlen eingebrochen.
"Es hat sich auf einem niedrigeren Niveau eingependelt", so Seibel zum Umsatz auf der Schuhmeile. Trotz der Probleme sei die Meile wichtig für Shoppingfans, die auch sonntags einkaufen wollen. Und nicht zuletzt für sein Schuhdorf Hauenstein.