Wo im Dezember 2024 noch Flammen, Rauch und die Sorge um hunderte Arbeitsplätze waren, stehen jetzt Baumaschinen und ein Neuanfang. Für die Landstuhl geht es um weit mehr als den Neubau einer Wäscherei: Es geht um mehr als 400 Arbeitsplätze, um Kaufkraft, um Gewerbesteuer und um einen Standort, der für viele Familien seit fast 90 Jahren berufliche Heimat ist. Die Wäscherei in Landstuhl gib es nämlich bereits seit 1938.
Für Geschäftsführer Jörg Scherf ist der Moment entsprechend groß. Der Stein, der ihm vom Herzen falle, sei "in einer derartigen Dimension, dass auch das schwere Gerät, das wir hier haben, nicht in der Lage wäre, ihn zu bewegen." Der Spatenstich sei dabei nicht nur symbolisch. Ab Freitag rollen die Bagger in Landstuhl und es geht los. Wenn alles nach Plan läuft, sollen im Januar 2027 die ersten Testläufe starten, der richtige Betrieb dann im Februar oder März.
Elis Landstuhl: 35 Millionen Euro für eine neue Wäscherei
Der Neubau kostet 35 Millionen Euro und soll den Standort deutlich verändern. Geplant sind 10.000 Quadratmeter Produktionsfläche auf einem Gesamtgrundstück von fast 26.000 Quadratmetern. Das entspricht in etwa der größe von 3,5 Fußballfeldern. Um sich zu vergrößern, hat das Unternehmen ein angrenzendes Grundstück der Pfalzwerke gekauft. In Landstuhl entsteht nach Angaben von Geschäftsführer Scherf die modernste Wäscherei Europas - samt neuer Arbeitsplätze. Wie viele genau, stehe noch nicht fest.
Der Vorteil sei, dass komplett neu gebaut und nicht nur modernisiert und ergänzt werde. "Das bedeutet natürlich auch, dass wir einmal einen technischen Stand abbilden können, wo wirklich Geräte miteinander arbeiten, interagieren, wir Prozesse tracken und dokumentieren können, wo es auch von den Arbeitsbedingungen her für die Mitarbeiter ein vollkommen anderes Arbeiten ist, als es ja viele Jahre zuvor war, wo wirklich auch körperlich schwere Arbeiten in der Wäscherei erledigt werden mussten", erklärt Scherf.
Nach Großbrand hielt die Belegschaft den Betrieb am Laufen
Wie belastend die Monate seit dem Brand waren, macht Scherf vor allem mit Blick auf die Mitarbeitenden deutlich. Teile der Arbeit wurden auf andere Standorte verlagert, Beschäftigte pendelten mit Shuttle-Bussen nach Saarbrücken, Simmern, Alsfeld oder Mannheim. Geschäftsführer Scherf wird emotional, wenn er von seinen Mitarbeitern spricht. Sie hätten einen enormen Mehraufwand getragen, damit die Versorgung der Kunden trotz des Brands weiterläuft. Bereits 48 Stunden nach dem Feuer seien die Kunden wieder beliefert worden. Da sich die Wäscherei auf das Gesundheitswesen spezialisiert hat, gehören zu den Kunden zum Beispiel Krankenhäuser und Pflegeheime.
Mehr als 400 Arbeitsplätze: Warum Elis für Landstuhl so wichtig ist
Auch für Landstuhls Stadtbürgermeister Mattia De Fazio (CDU) ist der Wiederaufbau eine Nachricht mit besonderem Gewicht. "Das Projekt hat einen sehr großen Stellenwert, denn neben der wirtschaftlichen Kennzahl wie die Gewerbesteuereinnahme reden wir hier auch von Menschen und von Mitarbeitern", sagt er.
Gerade in Landstuhl sei das entscheidend, weil es bei Elis viele Arbeitsplätze gebe, die für Menschen vor Ort wichtig seien. Nach De Fazios Einschätzung wäre ein Scheitern des Wiederaufbaus für die Stadt und die Beschäftigten gleichermaßen fatal gewesen. Die Mitarbeiter hätten dauerhaft kaum an entfernte Standorte pendeln können, zudem würde ein Unternehmen dieser Größe auch im Stadtleben fehlen. Wer in Landstuhl arbeitet, kauft dort auch ein, nutzt Angebote in der Stadt und stärkt das Umfeld mit.
Baugenehmigung für Wäscherei in Landstuhl: Ein aufwendiger Prozess
Bei seinem Besuch beim Spatenstich vor Ort, hatte Landrat Ralf Lessmeister (CDU) die Baugenehmigung, den berühmten roten Punkt, im Gepäck. Und diese Genehmigung war so umfangreich, dass er nicht etwa nur einen Ordner, sondern gleich einen ganzen Karton voller Unterlagen dabei hatte. Lessmeister beschreibt das Verfahren als das umfangreichste, das er in dieser Form bisher erlebt habe. Er betonte außerdem, dass sich die die gemeinsame Wirtschaftsförderungsgesellschaft von Stadt und Kreis Kaiserslautern unter Geschäftsführer Philip Pongratz entscheidend für das Projekt eingesetzt habe.
"Gemessen an dem Unternehmen und den hier zur Verfügung gestellten Ausbildungs- und auch Berufsplätzen, ist das natürlich ein immenser Schritt", so Lessmeister. Dass Elis nach dem Brand nicht nur zurückkehrt, sondern den Standort erweitert und modernisiert, ist für ihn ein starkes Signal weit über Landstuhl hinaus.
Verheerender Brand der Wäscherei 2024
Im Dezember 2024 war die Wäscherei in Landstuhl in Brand geraten. Die Produktionshalle im Industriegebiet brannte damals komplett aus. Verletzt wurde niemand. Rund 200 Einsatzkräfte waren bei dem Feuer im Einsatz, auch die Feuerwehr der US-Amerikaner unterstützte. Als wahrscheinlichste Brandursache gilt ein technischer Defekt.