Die Tätowiernadel surrt leise, Justine von einem Kaiserslauterer Tattoostudio schaut konzentriert auf den Oberarm von Enno Zeeck. Dort ist sie gerade dabei, einen Halbkreis zu tätowieren. "Mein Organspendeausweis verblasst so langsam. Und um was Dauerhaftes zu haben, habe ich mich jetzt für das Tattoo entschieden", sagt Zeeck, der sonst keine Tattoos hat. Es sei ihm wichtig, dass sein Wunsch, im Ernstfall seine Organe zu spenden, den Ärzten auch sofort klar sei. Darum jetzt das Tattoo, denn "es kann ja sein, dass mein Portemonnaie zu hause liegt, wenn mir irgendwo etwas passiert".
Organspendetattoo rechtlich nicht bindend
Enno Zeeck ist einer von 40 Menschen, die sich im Westpfalz-Klinikum das Organspendetattoo des Vereins "Junge Helden" hat stechen lassen. Die Nachfrage sei aber viel größer gewesen, erklärt der Transplantationsbeauftragte des Westpfalz-Klinikums, Felix Kindel. "Es hatten sich mehr als 100 Leute angemeldet. Für alle, die heute nicht zum Zug gekommen sind, wollen wir einen weiteren Termin im Herbst anbieten." Die große Nachfrage freut Kindel, aber das Tattoo ist nicht rechtlich bindend. Ohne Organspendeausweis oder Patientenverfügung geht es nach wie vor nicht.
Tattoo soll zum nachdenken über Organspende anregen
Alleine im Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern warten im Augenblick etwa 130 Menschen auf ein Spenderorgan, erklärt Felix Kindel. Aber nur 25 pro Jahr bekämen auch eines. Daher erhofft sich Kindel, dass auch die Menschen aus der Westpfalz über die Tattoos ins Gespräch kommen. Er selbst habe auf einer Feier mitbekommen, wie jemand mit dem Tattoo angesprochen worden sei, was die beiden Halbkreise und der Vollkreis zu bedeuten hätten. Wenn sich dadurch der ein oder andere für eine Organspende entscheiden würde, sagt Kindel, dann wäre schon etwas gewonnen.
Enno Zeeck schaut zufrieden auf das Tattoo auf seinem Oberarm. Gut möglich, dass er bald nicht mehr der Einzige in seiner Familie mit dem Organspendetattoo ist. Denn seine Tochter wolle sich wahrscheinlich auch eines stechen lassen.