Thorsten Hemmer ist zufrieden. "Es war ein spannendes Verfahren. Wir haben viele Bewerbungen erhalten", sagt der Geschäftsführer des Westpfalz-Klinikums. Bis Ende Juni konnte man sich für das Wintersemster und damit den Start einer Kooperation bewerben.
Die sieht folgendermaßen aus: Die Medizin-Studierenden werden die Hälfte ihres Studiums an der Semmelweis Universität in Budapest und den anderen Teil in Kaiserslautern absolvieren. "Wir konnten alle 40 Plätze, die dafür vorgesehen waren, besetzen", erzählt Hemmer.
Drei Jahre Budapest, dann Studium in Kaiserslautern
Zunächst läuft das Studium für drei Jahre in Budapest. Dann sollen drei Jahre in Kaiserslautern folgen. Da wird es dann vor allen Dingen um Praxis-Inhalte gehen. "Wir freuen uns schon darauf, die Studierenden in Kaiserslautern begrüßen zu können", sagt der Geschäftsführer des Westpfalz-Klinikums im Gespräch mit dem SWR.
Zusammen mit ungarischer Universität In Kaiserslautern gibt es künftig ein Studium für Medizin
Das Westpfalz-Klinikum will mit einer ungarischen Universität das Medizinstudium nach Kaiserslautern holen. Jetzt wurde festgelegt, wie der neue Studiengang aussehen soll.
Unter den Studierenden sind nach seinen Angaben junge Menschen aus der Region. "Das war ja genau unser Ziel", so Hemmer. Aber es seien auch Bewerberinnen und Bewerber aus ganz Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland im Auswahlverfahren gewesen.
Westpfalz-Klinikum will attraktiv für junge Leute sein
Der Geschäftsführer des Krankenhauses hofft, dass den jungen Menschen das Studium in Kaiserslautern so gut gefällt, dass sie im Anschluss als Mediziner in der Westpfalz bleiben. "Für uns ist das ein absolutes Leuchtturm-Projekt."
Doch bis das in Kaiserslautern starten kann, ist in den nächsten drei Jahren noch einiges zu tun. Ziel ist es, dass für die so genannte Medical School auf dem Pfaff-Gelände ein Campus entsteht. "Dort sollen die Berufe des Gesundheitswesens und des Medizinstudiums gemeinsam abgebildet werden", beschreibt es der Geschäftsführer. Heißt: Azubis des Westpfalz-Klinikums und Studierende sollen dort gemeinsam lernen.
Studierende und Azubis sollen in speziellen Räumen trainieren
"Gemeinsam" ist hier durchaus wörtlich zu nehmen. Herzstück des Campus soll nämlich ein so genanntes Skills Lab sein. "Das ist ein Bereich, in dem man in einem echten Umfeld einen Operationssaal hat, eine Intensivstation, eine normale Station und kann dann an den Geräten aus diesen Bereichen trainieren. Medizin, Pflege und andere Bereiche des Gesundheitswesens können dann hier sozusagen im Echtbetrieb gemeinsam üben", erläutert der Geschäftsführer.
Neben dem Studium soll auch die Forschung in Kooperation mit der ungarischen Universität ein großer Teil des Projekts sein. Am Ende haben die Studierenden dann einen Abschluss der ungarischen Semmelweis Universität. Damit sind sie auch in Deutschland anerkannte Ärztinnen und Ärzte und können hier praktizieren. Das Studium wird auf Deutsch sein.
Kein Numerus Clausus für Medizinstudium
Kooperationspartner für das Privatstudium, für das kein Numerus Clausus - also eine Zulassungsbeschränkung - notwendig ist, sind das Westpfalz-Klinikum, die Semmelweis Universität, das Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit Rheinland-Pfalz, die Stadt Kaiserslautern, der Donnersbergkreis und der Landkreis Kusel. Für das Studium vergibt die Initiative "Ärzte für die Westpfalz" auch Stipendien.
Zuversicht trotz hohen Defizits Stellenabbau und Umstrukturierungen: Wie das Westpfalz-Klinikum aus der Krise kommen will
Die Nachricht sorgte für Aufsehen: Das finanziell angeschlagene Westpfalz-Klinikum muss sich neu aufstellen. Erste Maßnahmen wurden umgesetzt - dazu gehört auch ein Stellenabbau.
Für die Planungen der Bauarbeiten in Kaiserslautern läuft nach Angaben des Westpfalz-Klinikum-Geschäftsführers das Verfahren. "Wir wollen den Campus gemeinsam mit einem Investor errichten", sagt Hemmer. Er hofft, dass dies im zweiten Halbjahr geklärt und dann im nächsten Jahr mit den Bauarbeiten gestartet werden kann. "Wir müssen als Krankenhaus attraktiv sein und wollen den jungen Menschen zeigen, wie schön die Berufe im Gesundheitswesen sind", so Hemmer.
Mehr als 500 Menschen sollen auf dem Medizin-Campus lernen
Dafür werde eine moderne Ausstattung gebraucht. 500 bis 700 Menschen sollen dann einmal auf dem Campus auf dem Pfaff-Gelände zusammenkommen und lernen. Thorsten Hemmer ist davon überzeugt: In Zusammenarbeit mit den Forschungsinstituten werde das ein Gewinn für den Wissenschaftsstandort Kaiserslautern.