In den vergangenen Monaten hat die Stadt viel rote Farbe benötigt, um in der Nähe des Bahnhofs aus einer normalen Straße eine Fahrradstraße zu machen. Auf einer Strecke von fast zwei Kilometern gilt jetzt: Wer mit dem Fahrrad von West nach Ost und umgekehrt fahren möchte, hat Vorrang. Schaut man sich den Verkehr dort an, scheint die Straße bei den Radfahrenden gut anzukommen. Autofahrende müssen sich nun an die geänderte Straßenführung anpassen.
Fahrgewohnheiten sorgen für Verkehrschaos in Kaiserslautern
Zum Teil wurden für die Fahrradstraße Abschnitte, die bisher in beide Richtungen befahren werden durften, zu Einbahnstraßen. An anderer Stelle wurden Einbahnstraßen umgedreht. Bei einigen Autofahrern sorgt die geänderte Straßenführung für Aufregung, weil sie jetzt nicht mehr wie gewohnt fahren dürfen. Bis sich alle Verkehrsteilnehmer an die neuen Regeln halten, wird es noch einige Wochen dauern, meint Rolf Jäger. Er ist der erste Vorsitzende des ADFC in Kaiserslautern.
Viele achten nicht darauf, wenn sie in eine Einbahnstraße reinfahren, die vorher keine war. Das ist ein Prozess, der wird noch einige Wochen dauern.
Schilder weisen auf neue Fahrradstraße in Kaiserslautern hin
Wir haben uns die Situation vor Ort angeschaut. Das Ergebnis: Innerhalb von 15 Minuten sind sieben Autofahrer entgegen der Einbahn gefahren. Die neuen Verkehrstafeln werden häufig übersehen. Schilder gibt es rund um die Fahrradstraße viele. Das wurde von Stadt und ADFC erst kürzlich geprüft. Bevor man in eine Straße einfährt, geht es erst vorbei an einem Schilderwald.
Besonders am Supermarkt in der Augustastraße kommt es nach Angaben eines Passanten, der in der Nähe arbeitet, regelmäßig zu Verkehrschaos. Das Lebensmittelgeschäft ist dort nur noch aus einer Richtung erreichbar. Das hätten einige noch nicht verinnerlicht, sagte die Radverkehrsbeauftragte der Stadt, Julia Bingeser. In Zukunft soll das Geschäft aber ohnehin neu gemacht werden. In dem Rahmen soll auch die Zufahrt geändert werden. Wer auf der neuen Straße schon falsch gefahren ist, wurde von der Polizei bisher nur mündlich verwarnt. Die stichprobenartigen Kontrollen wird es auch weiterhin geben. Die Polizei weist darauf hin, dass Autofahrende ab dem 26. Mai 2026 ein Bußgeld von 50 Euro riskieren, wenn sie entgegen der Einbahnstraße fahren.
Bevor die Straße für Radfahrende ausgelegt worden ist, wurde sie oft als Alternative zur viel befahrenen Barbarossastraße genutzt. Man konnte vom Messeplatz bis zum Stadtpark "durchfahren" - ohne an einer Ampel warten zu müssen. Weil die Einbahnstraßen in dem Bereich jetzt wechseln, geht das nicht mehr.
"Viele waren in der Augustastraße oft zu schnell unterwegs. Anwohner berichteten immer wieder von abgefahrenen Außenspiegeln", sagt Julia Bingeser. Durch den Wechsel der Fahrtrichtungen soll "zu schnell fahren" in dem Bereich jetzt schwieriger werden. Die Umsetzung der Fahrradstraße ist Teil des Mobilitätsplans Klima+ 2030 und wurde bereits vor Jahren vom Stadtrat beschlossen.