Gefühlt unzählige Bierflaschen stehen in einem Büro der alten Brauerei – gefüllt wohlgemerkt. Premium Pilsner, Export, Pils, Winterbock, Falkensteiner Weizen... Ein Stück Winnweilerer Biergeschichte. Am anderen Ende des Geländes der ehemaligen Brauerei Bischoff am Donnersberg stapeln sich in einer Lagerhalle noch (leere) Bierfässer. In großen Kartons warten tausende Verschlüsse darauf, auf frisch gefüllte Bierflaschen geschraubt zu werden.
Doch Bier wird hier in Winnweiler seit Jahren nicht mehr gebraut, geschweige denn in Fässer oder Flaschen abgefüllt. Mehr als 150 Jahre war das bei Bischoff der Fall. Das endgültige Aus kam im Herbst 2022. Die Brauerei war in finanzielle Schieflage geraten und hatte schließlich Insolvenz angemeldet. Seitdem steht das Gelände leer. Abfüllanlagen oder Braukessel sind längst abgebaut.
Wohnungen statt Brauerei am Donnersberg
Doch nun soll sich was tun. Zwei Unternehmen aus der Westpfalz haben das Gelände der alten Brauerei gekauft. Bier werden sie dort nicht mehr brauen – aber in ein paar Jahren soll hier im wahrsten Sinne des Wortes wieder Leben einziehen. Das sagt Thomas Knieriemen, Geschäftsführer von Immo 150 aus Kaiserslautern. Ein Unternehmen, dass unter anderem Häuser, Wohnungen und Geschäftsgebäude baut.
Mehrfamilienhäuser und Wohnungen sollen auch auf dem Bischoff-Gelände gebaut werden. Außerdem würde die Firma gerne ein so genanntes Servicewohnen anbieten. Das sind Wohnungen für ältere Menschen, die aber auch bestimmte Unterstützungen bekommen können, zum Beispiel einen Einkaufsservice oder Hilfe beim Putzen. Um die 130 Wohneinheiten könnten in Winnweiler entstehen, sagt Knieriemen. Eine deutliche Millioneninvestition. Über den Kaufpreis des Geländes wurde Stillschweigen vereinbart.
Auch neue Unternehmen sollen nach Winnweiler kommen
Bevor die Wohnungen gebaut werden können, werden erst einmal aber große Teile der alten Brauerei abgerissen. Ein Haus auf dem Gelände, das in Privatbesitz ist, das ehemalige Verwaltungsgebäude und eine Lagerhalle sollen aber bestehen bleiben.
Geschäftsführer Knieriemen ist überzeugt davon, dass Winnweiler ein guter Standort für ein solches Projekt ist: "Winnweiler hat mit einem Gymnasium, einer Realschule Plus, Kindergärten, einem medizinischen Versorgungszentrum oder einem Schwimmbad eine perfekte Infrastruktur. Alles, was man braucht, was das Wohnen attraktiv macht, ist hier vorhanden."
Hinzu kommen weitere Gewerbegebiete, die bei Winnweiler entstehen und an denen das Lautrer Unternehmen ebenfalls beteiligt ist. Dadurch würden Arbeitsplätze geschaffen - und für die Menschen, die dort arbeiten, brauche es auch Wohnungen.
Unternehmen aus Imsbach kauft Lagerhalle der Brauerei
Neben Immo 150 hat die Firma Schultz aus Imsbach einen Teil des Brauerei-Geländes gekauft. Dabei handelt es sich um die ehemalige Leerguthalle. Dort will sich das Dachdecker-, Zimmerer- und Gerüstbauunternehmen erweitern, sagt Firmenchef Timo Schultz: "An unserem Standort in Imsbach sind wir flächenmäßig am Ende. Wir brauchen ganz dringend eine Lagerhalle. Das hier ist ein richtiger Glücksgriff." Für ihn eine perfekte und zukunftsweisende Lösung – denn seine beiden Söhne sind ebenfalls Teil der Geschäftsführung, sollen den Betrieb einmal übernehmen und hätten so gute Voraussetzungen.
Rudolf Jacob (CDU), der Bürgermeister der Orts- und Verbandsgemeinde Winnweiler, ist froh, dass das alte Brauerei-Gelände zu keinem dauerhaften "Lost Place" wird. "Es ist für die Orts- und Verbandsgemeinde ein ganz wesentlicher Zukunftsbaustein, dass hier die Dinge vorangehen und sich was entwickelt", sagt der Bürgermeister.
Braustube von Bischoff soll erhalten bleiben
Für das Verwaltungsgebäude gebe es bereits den einen oder anderen Interessenten. Was genau aus dem Gebäude wird, das soll laut Knieriemen nach und nach noch entwickelt werden.
Auch wenn kein Bier mehr auf dem Gelände gebraut wird, an die mehr als 150-jährige Brauerei-Geschichte soll auch in Zukunft noch das eine oder andere auf dem Gelände erinnern – angefangen beim Namen "Bischoff-Quartier" bis hin zu einer Braustube im Verwaltungsgebäude, die Thomas Knieriemen gerne erhalten und wieder mit Leben füllen würde. Gut möglich also, dass dort in ein paar Jahren zumindest ab und an mit einem Bier oder alkoholfreien Getränk angestoßen wird - auch wenn es dann kein Bischoff aus den Kesseln der Brauerei in Winnweiler sein wird.