Neben Tischkicker, Bar und Billard haben sich für einen Abend viele Erwachsene im Haus der Jugend in Kusel eingefunden. Sie wollen zuhören. Denn 677 junge Menschen zwischen 12 und 25 Jahren aus dem Kreis Kusel haben im April 2026 gesagt, was sie wirklich bewegt. Eine Online-Befragung im Landkreis hat es möglich gemacht. Die Ergebnisse liegen jetzt vor.
Jugendumfrage Kusel: Mentale Gesundheit überrascht als Thema
Und es überrascht. Auch zum Teil die, die gefragt haben. Kreisentwicklungsplaner André Skock zum Beispiel: "Was wir nicht so ganz auf dem Schirm hatten, war wirklich das Thema der mentalen Gesundheit." Dabei ist das Bild der Umfrage eindeutig: Persönliches Wohlbefinden und Gesundheit landen gemeinsam mit Arbeit und Ausbildung ganz oben in der Umfrage. Jeweils 72 Prozent der Befragten halten diese Themen für wichtig.
Trotzdem gibt es eine Zahl die Hoffnung macht: 53 Prozent der Befragten können sich vorstellen, in Kusel zu bleiben. Familie, Freizeit, Natur; das alles sei hier positiv und motiviere zum Bleiben. Doch ein Aspekt wiegt schwer. Die 15-jährige Marie Leppla, Mitglied im Jugendforum Kusel, sagt: "Ich weiß halt nicht, ob ich hier einen Job finde."
Marie Leppla hat aber nicht nur abgestimmt. Sie hat mitgeholfen, die Fragen zu entwickeln. Weil sie findet, dass in Kusel zu oft über Jugendliche geredet wird, statt mit ihnen.
Mitmachen in Kusel? Ja, mit Unterstützung
Redet man mit ihnen, dann erfährt man: Der ÖPNV frustriert, die Jobperspektiven fehlen und der Klimawandel spaltet die Jugend – nur 38 Prozent halten ihn für wirklich wichtig. Was fast alle eint: Sie wollen mitmachen. Über die Hälfte der Befragten kann sich vorstellen, aktiv an Projekten mitzuwirken – wenn man sie lässt. Und wenn man ihnen eine Ansprechperson gibt.
Kino für Kusel? Der Haushalt macht's schwer
Landrat Johannes Huber (CDU) hat die Ergebnisse mit Hoffnung entgegengenommen. Der demografische Wandel treffe Kusel bereits, sagt er: "Wir wollen auf die Jugendlichen eingehen, ihre Perspektive sehen und dann bestenfalls auch was mit ihnen gemeinsam entwickeln, dass sie auch lieber in unserem Landkreis bleiben."
In den kommenden Monaten sollen die Ergebnisse der Jugendbefragung gemeinsam mit Schulen, Vereinen und Jugendzentren weiter besprochen werden. André Skock verspricht: "Wir wollen die Stimmen der jungen Menschen nicht nur hören, sondern ihnen auch Gehör geben." Und konkrete Projektideen haben die Jugendlichen für den Kreis auch schon: Projekte gegen Gewalt oder ein Kino. Doch ob letzteres möglich ist? Bei dieser Frage blickt Landrat Huber skeptisch auf seinen Haushalt.