23. Mai: Ein 11-jähriger Junge wird leblos im Becken des Freibads in Birlenbach gefunden. Das Kind wird reanimiert, stirbt jedoch kurz darauf im Krankenhaus.
24. Mai: Ein 4-jähriges Kind ertrinkt im Nichtschwimmerbecken in einem Schwimmbad in Ludwigshafen.
Im vergangenen Jahr sind bundesweit 38 Kinder und Jugendliche im Alter von 1 -20 Jahren bei Badeunfällen ums Leben gekommen. Bei den 11- bis 20-Jährigen ist der Anstieg besonders deutlich. Doch an heißen Tagen sind die Schwimmbäder so voll und für Bademeisterinnen und Bademeister ist es schwierig, alles im Blick zu behalten. Könnte Künstliche Intelligenz (KI) sie nicht unterstützen und Leben retten?
- So beurteilen Schwimmbäder KI-Überwachung
- Darum ist KI-Überwachung in Freibädern schwierig
- Kann die KI auch in vollen Schwimmbecken Notfälle erkennen?
- Was passiert mit den Aufnahmen, die die KI gemacht hat?
- Was sagt die DLRG zu KI-Überwachung im Schwimmbecken?
- Kann KI Rettungsschwimmer ersetzen?
Immer mehr Schwimmbäder setzen auf Sicherheit durch KI
Aktuell werden rund 250 Schwimmbecken in Deutschland, wohlgemerkt Becken, nicht Schwimmbäder, mit Hilfe Künstlicher Intelligenz (KI) überwacht. Das teilte Christian Kuhn, Sprecher der Bäderallianz Deutschland mit. In Rheinland-Pfalz sind beispielsweise das Moselbad Koblenz und das Taubertsbergbad in Mainz dabei.
Schwimmbäder sehen in KI "Riesen-Unterstützung"
In den Hallenbädern behalten Kameras an der Decke über den Schwimmbecken die Badegäste im Blick. Registriert die Kamera eine ungewöhnliche Bewegung, erhält die Badeaufsicht eine Warnung auf die Smartwatch. Die Bademeisterin oder der Bademeister bekommt genau angezeigt, in welchem Schwimmbecken und an welcher Stelle dort genau der mögliche Notfall registriert wurde.
Die Installation der KI-Überwachung kostete das Moselbad in Koblenz rund 100.000 Euro. Für Wartung und Software-Updates kalkuliert das Bad zusätzlich 10.000 bis 12.000 Euro pro Jahr. Das Schwimmbad verzichtet dafür aber auf eine Badeaufsicht und kann die jährlichen Kosten damit decken. Seit der Eröffnung des Bades im August 2024 gibt es die KI-Überwachung. Kuhn erzählt, ein Kind sei dadurch schon gerettet worden.
Auch das Taubertsbergbad in Mainz spricht ein Jahr nach der Einführung von einer "Riesen-Unterstützung" für das Aufsichtspersonal.
Darum ist KI-Überwachung in Freibädern schwierig
Im Freibad Waschmühle in Kaiserslautern sollte KI zur Sicherheit im Schwimmbecken eingesetzt werden. Der Stadtrat Kaiserslautern hatte es beschlossen. Doch daraus wird erst einmal nichts. Nach Angaben der Stadt Kaiserslautern bräuchte es mindestens zehn Masten mit sechs Meter Höhe um das lange Becken mit seinen Ausbuchtungen mit Kameras zu überwachen. Viele Firmen hätten deshalb abgesagt oder sich einfach nicht mehr gemeldet.
Der Sprecher der Bäderallianz, Kuhn, bestätigt, für Freibäder sei es viel schwieriger. Die Masten mit den Kameras müssten zum Beispiel sehr stabil sein, damit sie nicht im Wind schwankten und falsche Daten lieferten.
Zwei Kinder in Freibädern ums Leben gekommen DLRG: So vermeiden Sie Unfälle beim Schwimmen und Baden
Die Hitze lockt derzeit viele Menschen ins Wasser. Das Risiko schwerer Badeunfälle nimmt dabei zu. Was ist zu beachten beim Schwimmen? Welche Regeln sollten befolgt werden?
Kann die KI auch in vollen Schwimmbecken Notfälle erkennen?
Was die KI kann, sagt Vogt, ist die Badeaufsicht warnen, wenn es in einem Becken übermäßig voll wird. Für den Bademeister heißt das dann, an diesem Schwimmbecken muss er besonders genau hinschauen.
Was passiert mit den Aufnahmen, die die KI gemacht hat?
Die Kameras nehmen tatsächlich nur Badegäste auf, die sich im Wasser befinden. Außerhalb des Beckens überwacht die KI nicht. Das wäre laut Landesdatenschutzgesetz auch gar nicht erlaubt. Außerdem werden die mutmaßlichen Notfälle nur schematisch auf der Smartwatch der Badeaufsicht angezeigt. Es gibt keine Klarbilder der Personen. Und die Daten werden nicht aufgezeichnet, sondern live von der KI verarbeitet und an die Schwimmaufsicht übermittelt.
Die KI lernt Notfälle zuverlässiger einzuschätzen, in dem die Badeaufsicht bestätigt, ob das auffällige Bewegungsmuster tatsächlich einen Notfall darstellt. Das heißt: die KI merkt sich, welche auffälligen Bewegungen ein Mensch in Not macht.
DLRG offen für KI in Schwimmbädern
"Wir sind offen für jede Technik, die uns hilft Leben zu retten", sagt Marco Vogt, Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V. Rheinland-Pfalz (DLRG). Allerdings fehlten dem DLRG noch Erfahrungen, wie zuverlässig eine KI funktioniere, wenn zum Beispiel viele Menschen gleichzeitig im Becken seien.
"Die allerwichtigste Sicherheitsmaßnahme ist aber, dass Kinder so früh wie möglich schwimmen lernen", betont Vogt. Und natürlich sollten auch Erwachsene schwimmen können. "Und", fügt Christian Kuhn von der Bäderallianz hinzu, "Eltern müssen mehr auf ihre Kinder achten. Früher hieß es mal, Eltern sollten maximal eine Armlänge entfernt sein. Heute sitzen immer mehr Eltern am Beckenrand und schauen ins Handy."
Bäder sind alarmiert Eltern am Handy - DLRG befürchtet mehr Badeunfälle in Rheinhessen
Den Blick immer aufs Handy anstatt auf die eigenen Kinder gerichtet. Im Schwimmbad kann das zu einem ernsten Problem werden.
KI kann keine Rettungsschwimmer ersetzen
Dass die KI Rettungsschwimmer ersetzen könnte, darüber macht die DLRG sich keine Sorgen. "Dazu müsste es ja einen Roboter geben, der ins Wasser springt", sagt Vogt. Dennoch hofft die Bäderallianz, dass durch die KI langfristig weniger Personal gebraucht wird. Denn Bademeisterinnnen oder Bademeister sind schwer zu finden.