Sie kommen in Scharen, immer noch: Nach Angaben der Gemeinde Mörsdorf soll im Oktober schon der drei millionste Besucher über die Brücke laufen. Die Hängeseilbrücke im Hunsrück gehört inzwischen zu den Top-Attraktionen in ganz Rheinland-Pfalz und Mörsdorf ist seit 2015 zu einem Dorf geworden, das boomt.
Wir haben am Anfang sehr viel Gegenwind bekommen.
Dabei wurde die Idee zunächst von vielen belächelt: Sie entstand bei einem Dorferneuerungsprogramm. Mit dem Ziel, den ländlichen Raum zu stärken und für den Tourismus zu erschließen - und so das 600-Seelen-Dorf Mörsdorf zukunftsfähig zu machen. Denn damals ging die Zahl der Einwohner zurück.
Erst viel Gegenwind für das Brücken-Projekt
Die Hängeseilbrücke sollte diesen Trend umkehren, sagt Hans-Peter Platten, der Beigeordnete der Ortsgemeinde und einer der drei Ideengeber. "Wir haben am Anfang sehr viel Gegenwind bekommen", erinnert er sich. Eine Machbarkeitsstudie ging damals von nur 180.000 Gästen im Jahr aus. Und der Landesrechnungshof kritisierte das Projekt vorher als rausgeschmissenes Geld, so Platten. Nur wenige glaubten damals, dass das Projekt Erfolg haben könnte. Heute ist es ein Paradebeispiel dafür, was die Kommunalpolitik vor Ort schaffen kann.
Man reibt sich die Augen, wenn man sieht, wie sich das alles entwickelt hat.
Gemeinde Mörsdorf steht dank der Geierlay sehr gut da
Die Gemeinde Mörsdorf hat aber gegen alle Widerstände die Brücke gebaut. Und sie profitiert auch am meisten von den Touristen, vor allem durch Parkgebühren im Ort. Das Geld wird, genauso wie die Pachteinnahmen für Windkraftanlagen, die in Mörsdorf stehen, wieder in den Ort investiert, sagt Plattner.
Damit wird etwa eine eigene Gemeindeschwester bezahlt, die sich um die Senioren im Ort kümmert. Für sie wird mittags frisch gekocht und wer will, kann für drei Euro zusammen mit anderen im Bürgerhaus essen. Das Dorf hat zudem eine eigene "Gruppe, in der Kinder ab einem Jahr kostenlos betreut werden. Auch für die Betreuung der Grundschulkinder am Nachmittag müssen die Eltern nichts zahlen.
Neues Dorfgemeinschaftszentrum soll 2026 öffnen
Das macht den Hunsrück-Ort attraktiv für junge Familien. "Viele ziehen gezielt nach Mörsdorf", berichtet Plattner. "Andere kommen zurück, die weggezogen waren." Anfang nächsten Jahres macht zudem das neue Dorfgemeinschaftszentrum auf. Außerdem gibt es im Ort zwei Biergärten und mehrere Restaurants. "Man reibt sich die Augen, wenn man sieht, wie sich das alles entwickelt hat", zieht der Beigeordnete Bilanz.
Grundsätzlich ist die Brücke für die ganze Region eine Bereicherung.
Auch Sosberg auf der anderen Brückenseite profitiert
Doch auch für den Ort auf der anderen Seite, Sosberg im Kreis Cochem-Zell, lohnt sich die Geierlay inzwischen. Auch dort gibt es jetzt einen kostenpflichtigen Parkplatz. "Grundsätzlich ist die Brücke für die ganze Region eine Bereicherung", sagt der Ortsbürgermeister von Sosberg, Andreas Lehnert.
Und deswegen will Sosberg auch im kommenden Jahr ein Bistro auf seiner Seite der Brücke eröffnen, obwohl die Mörsdorfer das gerne verhindert hätten. Der Streit ging bis vor das Bundesverwaltungsgericht. Mit dem Ergebnis, dass Sosberg das Bistro bauen darf.
Geierlay hat Bekanntheit des Hunsrücks gesteigert
Die Geierlay hat auch den Hunsrück insgesamt deutlich bekannter gemacht, bilanziert der Rhein-Hunsrück-Kreis: Nach der Eröffnung vor zehn Jahren sei er für viele Menschen in Deutschland und der Welt überhaupt erst als mögliche Urlaubsregion ins Blickfeld gerückt. Die Brücke habe deshalb eine "herausragende Bedeutung" für die Entwicklung des Tourismus.
Das zeigen auch die Zahlen: Den Angaben zufolge ist die Geierlay mit rund 300.000 Besuchern im Jahr das "absolute touristische Aushängeschild im Hunsrück". Und die Gäste besuchen oft auch noch andere Orte im Hunsrück oder fahren weiter an die Mosel, heißt es von der Kreisverwaltung. Allerdings wisse man nicht, welchen Effekt das auf den dortigen Tourismus habe.
Mörsdorfer wurden als "Brückenträumer" belächelt
Über den großen Erfolg seiner Idee freut sich auch Marcus Kirchhoff. Auch er gehört zu den drei Mit-Initiatoren der Hängeseilbrücke und ist inzwischen Ortsbürgermeister von Mörsdorf. Vor zehn Jahren hatte er noch den Spitznamen "Brückenträumer".
Viele meinten nur: Ihr seid verrückt.
Für Kirchhoff und seine beiden Weggefährten aus dem Dorf war es damals ein mühsamer Kampf, die Menschen im Hunsrück für ihre Vision zu gewinnen: "Viele meinten nur: Ihr seid verrückt", erzählt er. "Aber wir sind uns zu dritt einfach sicher gewesen: Das ist unsere Chance, das schaffen wir." Zweifel habe er persönlich nie gehegt, sagt er. Denn für ihn stand von Anfang an fest, dass die Brücke ein Erfolg werden würde.
Noch mehr Ideen für die Zukunft
Und Ideen für die Zukunft gibt es in Mörsdorf noch mehr als genug. Vielleicht kann man die Tagestouristen ja auch dazubringen, länger im Hunsrück zu bleiben, sagt Hans-Peter Platten. Er könnte sich vorstellen, einen kleinen Tourismusverband der Dörfer rund um die Geierlay zu gründen, um gemeinsam interessante Sehenswürdigkeiten und Attraktionen wie den Tierpark in Bell zu vermarkten.