Interview zu Problemen auf der rechtsrheinischen Bahnstrecke

VIAS kritisiert: Deutsche Bahn informiert zu spät über Baustellen am Mittelrhein

Bahnfahren am Mittelrhein ist oft nervenaufreibend. Im SWR-Interview erklärt der zuständige VIAS-Geschäftsleiter, warum es zwischen Frankfurt und Neuwied so viele Zugausfälle gibt.

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Von Autor/in Sarah Mauer

In den vergangenen Monaten gab es auf der Linie RB10 viele Zugausfälle und Verspätungen. Auf der rechten Rheinseite südlich von Koblenz fahren ausschließlich Personenzüge der VIAS GmbH. Mit welchen Problemen das Unternehmen zu kämpfen hat, erklärt der zuständige VIAS-Geschäftsleiter Andreas Pietsch im Interview. 

SWR Aktuell: Es gibt Beschwerden über Zugausfälle, Verspätungen und zu wenig Informationen - woran liegt das?

Andreas Pietsch: Also wir haben im Wesentlichen zwei Probleme. Das eine ist: Wir haben aktuell zu wenig Lokführer. Wir sind zwar dabei, neue Lokführer ins Unternehmen zu holen, sowohl mithilfe sogenannter Leihlokführer als auch, indem wir selbst neues Personal ausbilden. Das andere große Problem ist die Baustellenplanung der DB InfraGO, also der Eisenbahninfrastruktur. Die Baumaßnahmen werden uns gegenüber einfach viel zu spät und häufig fehlerhaft kommuniziert. Das hat wiederum einen ganzen Rattenschwanz an Folgen, was die weitere Planung angeht. Das führt letzten Endes dazu, dass Züge ausfallen oder verspätet sind.

Das Bild zeigt Andreas Pietsch. Er ist Geschäftsleiter SPNV Region Mitte der VIAS Rail GmbH.
Andreas Pietsch ist Geschäftsleiter SPNV Region Mitte der VIAS Rail GmbH. Er sagt, die RB10 sei oft unpünktlich oder falle sogar aus, weil es zu wenig Lokführer gebe. Außerdem werde die VIAS oft zu spät über anstehende Baumaßennahmen informiert. Die Hoffotografen GmbH Berlin

SWR Aktuell: Wieviel Vorlauf brauchen Eisenbahnverkehrsunternehmen wie die VIAS? Und ja, wie ist es in der Realität?

Pietsch: Normalerweise sollen diese Baumaßnahmen uns gegenüber erstmalig mit einem halben Jahr Vorlauf kommuniziert werden, im Detail spätestens vier Monate vor der Baumaßnahme. In der Realität ist es so, dass wir teilweise nur wenige Wochen Vorlauf haben und erst dann im Detail wissen, wann welcher Zug von wo nach wo fahren kann.

SWR Aktuell: Unseren Informationen nach kommt es aber auch immer wieder zu Problemen mit den Fahrgastinformationen am Bahnhof. Woran liegt das?

Pietsch: Das Problem ist, dass wir in zwei Schritten vorgehen. Wir als Eisenbahnverkehrsunternehmen geben die Informationen, welcher Zug verspätet ist und warum, über Systeme an die DB InfraGO weiter. Die DB InfraGO wiederum steuert die Ansagen und Anzeigen an den Bahnhöfen und Haltestellen. Bei diesem "Übersetzungsprozess" scheint es häufiger mal Schwierigkeiten zu geben und unsere Informationen werden falsch interpretiert.

SWR Aktuell: Ab dem kommenden Jahr soll die Bahnstrecke auf der rechten Rheinseite umfassend saniert werden. Zurzeit laufen dort bereits die ersten vorbereitenden Arbeiten. Hat das negative Auswirkungen?

Pietsch: Ja. Ein Beispiel: Wenn das Tagesprogramm beendet ist, müssen unsere Züge über Nacht irgendwo parken. Es ist manchmal nur für wenige Stunden, aber wir brauchen dann Abstellgleise in bestimmten Bahnhöfen. Einige dieser Gleise stehen uns gerade nicht mehr zur Verfügung, weil die DB InfraGO sie für Baumaßnahmen benötigt. Das heißt, wir müssen die Züge irgendwo anders hinstellen, mitunter dreißig bis fünfzig Kilometer weiter weg. Zum Beispiel: Anstatt in Kaub steht der Zug dann in Mainz-Bischofsheim. Dadurch kann der erste Zug morgens nicht in Kaub losfahren und fällt aus Sicht der Reisenden tatsächlich erstmal aus.

SWR Aktuell: Was bedeutet das für das Zugpersonal?

Pietsch: Für das Personal hat das Mehrarbeit zur Folge. Die Lokführer, die zum Beispiel abends den letzten Zug fahren, müssen dann noch mal ganz woanders hinfahren. Das dauert teilweise - wenn es blöd läuft – anderthalb Stunden länger. Unsere Kundenbetreuer, die auf den Zügen mitfahren, werden natürlich ständig von den Reisenden angesprochen, was eigentlich los ist. Und das teilweise auch auf eine sehr negative Art und Weise. Das ist für sie eine psychische Belastung. Ich kann da nur um Verständnis bitten, für unsere Kolleginnen und Kollegen. Das sind auch nur Menschen. Ich denke, wir sollten immer versuchen, menschlich miteinander umzugehen – auch, wenn die Umstände nicht immer so ganz schön sind.

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