"Die Arbeitswelten werden immer digitaler - das gilt auch für die Arbeit von Polizistinnen und Polizisten", sagt Jürgen Süs, Leiter des Polizeipräsidiums Koblenz. Die Polizei nutze bereits viele digitale Lösungen, beispielsweise bei der Aufnahme von Verkehrsunfällen: Ein spezialisiertes Team macht Bilder und 3D-Modelle eines Unfallortes und wertet Fahrzeugdaten aus.
Früher habe die Datenerhebung oft Tage gedauert, sagt Süs. Heute könne häufig noch am Tag des Geschehens mit der Auswertung der Daten begonnen werden. So schnell geht es aber nicht überall: Aktuell sei es für die Polizei noch eine echte Herausforderung, große Datenmengen auszuwerten. Diese fallen laut Süs zum Beispiel an, wenn sichergestellte digitale Geräte wie Handys oder Computer nach Hinweisen auf Straftaten durchsucht werden müssen.
Auswertung großer Datenmengen erfordert viel Zeit und Personal bei der Polizei
Wenn Beamte alle Fotos, Videos, Chatnachrichten und E-Mails, die auf einem Handy gespeichert sind, einzeln sichten müssten, dauere das lange und nehme viel Personal in Anspruch, sagt Süs. Künstliche Intelligenz (KI) könnte helfen, diese Prozesse zu vereinfachen und zu beschleunigen. Deshalb hat das Polizeipräsidium Koblenz mit dem Fachbereich Informatik der Universität Koblenz eine Forschungskooperation vereinbart.
Professor Ralf Lämmel von der Universität Koblenz erklärt, eine Künstliche Intelligenz könne dahingehend trainiert werden, dass sie die Datensätze nach bestimmten Kriterien durchsuche. Zum Beispiel könne sie in Chatverläufen danach suchen, ob Treffpunkte unter Kriminellen vereinbart wurden, indem sie nach Orts- und Zeitangaben sucht. Bilderkennungsprogramme könnten beispielsweise Bilder oder Videos heraussuchen, die Missbrauchsdarstellungen an Kindern zeigten.
Kooperation bietet in vielen Bereichen Chancen für Polizei und Uni Koblenz
Aber auch bei Verwaltungsprozessen wie der Personalplanung könnten die Informatiker der Uni helfen. Es gebe viele Bereiche, die durch Forschung verbessert werden könnten, ist Jürgen Süs überzeugt. Deshalb haben sich mehrere Professorinnen und Professoren mit Mitarbeitenden des Polizeipräsidiums Koblenz zusammengesetzt und überlegt, in welchen Feldern sie gut zusammenarbeiten könnten.
Dabei seien acht Projektbereiche identifiziert worden: die Analyse von Massendaten und deren Visualisierung, Cybercrime, Automatisierung von Prozessen bei der Polizei, automatische Kennzeichen-Erfassung und deren Vernetzung mit anderen Daten, die digitale Tatortaufnahme, Kräfte- und Personalplanung und Bilderkennung im Bereich der Kinderpornografie. In diesen Feldern gebe es zwar bereits gute IT-Lösungen auf Landesebene, sagt Jürgen Süs, aber: "Die Forschung der Uni Koblenz soll mit dazu beitragen, sie zu verbessern und nach innovativen Lösungen zu suchen."
Datenschutz und Datensicherheit in der Forschungszusammenarbeit
Dass es bei all diesen Themen noch Hürden für eine Forschungszusammenarbeit gibt, ist Jürgen Süs und Ralf Lämmel aber bewusst. Viele rechtliche Fragen müssten für die unterschiedlichen Felder noch geklärt werden. Vor allem Datenschutz und Datensicherheit seien große und wichtige Themen, sagen die beiden. Wenn Studierende im Rahmen eines Projektes mitarbeiten wollten, sei es denkbar, dass mit Platzhaltern anstelle echter Daten gearbeitet werde, so Süs.
Selbst anonymisierte Daten dürften aber oftmals nicht außerhalb des Polizeinetzwerks genutzt werden. Trotzdem würde Jürgen Süs den Forschenden gerne die Möglichkeit eröffnen, damit zu arbeiten: "Wir wollen gerne prüfen, ob es möglich ist, sicherheitsüberprüfte Studierende an einen Arbeitsplatz innerhalb des Polizeipräsidiums zu setzen, um möglicherweise dann auch mit Echtdaten umgehen zu können." In diesen Fragen stehe das Polizeipräsidium Koblenz in enger Absprache mit dem Innenministerium Rheinland Pfalz.
Zusammenarbeit ist auch für die Universität Koblenz ein Gewinn
Auch für die Universität ist die Zusammenarbeit aus Sicht von Professor Ralf Lämmel ein Gewinn. Der Fachbereich Informatik habe ein großes Interesse an anwendungsorientierter Forschung. Studierende könnten künftig ihre Masterarbeiten in diesem Themenfeld oder Praktika im Präsidium machen.
Experten der Polizei sollen auch zu Gastvorträgen an die Uni eingeladen werden. Damit könne es, so Lämmel, auch schon in diesem Semester losgehen. Zudem hofft das Polizeipräsidium Koblenz, dass die Studierenden durch die Zusammenarbeit Lust bekommen, nach ihrem Abschluss bei der Polizei zu arbeiten.