Zwei von ihnen sind Heidi Larisch und Brigitte Hüneke aus Andernach. Die beiden Schwestern wollen zusammen mit ihrem Bruder und ihrer 90-jährigen Mutter mit dem Zug von Andernach bis ins baden-württembergische Ravensburg fahren. Eine durchgängige IC- oder ICE-Verbindung wurde auf der Strecke schon vor einiger Zeit gestrichen. Jetzt fallen auch die Regionalbahnen kurzfristig aus.
Grund dafür ist, dass auf der linksrheinischen Strecke gebaut wird. Dadurch sind die Bahnlinien quasi lahmgelegt, sowohl in Richtung Norden nach Köln als auch in südlicher Richtung nach Mainz. Fahrgäste müssen auf Ersatzbusse ausweichen, die für die Strecken teilweise doppelt so lange wie der Zug brauchen.
"Wir haben die Fahrkarte normal gekauft und es wurde erst hinterher kommuniziert, dass es nicht möglich ist."
Mit dem Taxi von Andernach nach Boppard
Auch Heidi Larisch und Brigitte Hüneke müssten eigentlich mit ihrer Mutter, die einen Rollator braucht, aus Andernach kurzfristig mit Ersatzbussen fahren. Der Reiseplan: zuerst einen Bus von Andernach nach Koblenz, dort Umstieg in einen zweiten Bus nach Boppard, von dort dann weiter mit der Regionalbahn nach Mainz.
Das alles ist den Frauen zu heikel. Deshalb machen sie es anders: "Wenn wir den zweiten Bus in Koblenz nicht bekommen, können wir den ICE in Mainz wahrscheinlich vergessen und deswegen haben wir uns ein Taxi bestellt", sagt Heidi Larisch. Von Andernach bis nach Boppard fahren die drei also mit dem Taxi. Und zahlen für die rund 40 Kilometer 100 Euro. Sie sind frustriert: "Das ist schon sehr ärgerlich. Wir haben unser Bahnticket normal gekauft. Es wurde erst hinterher kommuniziert, dass keine Züge fahren", sagt Heidi Larisch.
Mehr als zwei Stunden für den Weg zur Arbeit
Auch für Bahnpendler sind die Streckensperrungen ärgerlich. Teilweise brauchen die Menschen zurzeit doppelt so lange wie sonst. Auch Laura Juric kommt durch die kurzfristigen Änderungen in die Bredouille. Sie hat im Vorfeld nichts von dem provisorischen Fahrplan mitbekommen. Und ist jetzt für ihnen Arbeitsweg nach Boppard mehr als zwei Stunden unterwegs. "Das ist schon stressig", sagt sie. "Ich hoffe, dass ich um 7:45 Uhr endlich mal da bin."
Busfahrer: Die Busse sind überfüllt
Auch Busfahrer seien von den Verkehrsproblemen genervt, sagt Guido Meier, der einen der Schienenersatzbusse lenkt: "Die Situation ist sehr angespannt." Die Straßen am Mittelrhein seien zum Teil völlig überlastet. "Die Leute wissen zum Teil gar nicht, ob der Schienenersatzverkehr überhaupt kommt."
Die normalen Linienbusse sind laut Meier deswegen oft überfüllt. "Wir müssen zum Teil Menschen an den Haltestellen stehen lassen, weil kein Zutritt in den Bus mehr möglich ist", sagt der Busfahrer. Außerdem sei der Vorplatz am Bahnhof in Boppard gar nicht für so viele Busse gemacht.
Sperrungen sollen noch einige Zeit dauern
Die Vierergruppe um Heidi Larisch aus Andernach hat es irgendwann bis zum Bahnhof nach Mainz geschafft. Von dort kommt sie mit einem Fernverkehrszug weiter nach Baden-Württemberg. So weit, so gut!
Doch wie die vier am Sonntag wieder zurück von Ravensburg bis nach Andernach kommen sollen, wissen sie noch nicht. Denn die massiven Sperrungen auf der linksrheinischen Strecke dauern noch bis Montagmorgen. "Für die Rückfahrt haben wir eine E-Mail bekommen, die Fahrt sei nicht möglich", sagt Heidi Larisch. Eine Alternative nennt die Bahn nicht.