Die Büttenrede gehört zur Tradition des Karnevals. Aber immer weniger Menschen wollen in die Bütt steigen und eine Rede halten. Andreas Münch, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Koblenzer Karneval (AKK), schlägt Alarm: "Die Vereine müssen Redner aus anderen Ortschaften zukaufen, wenn sie ihre Sitzungen abwechslungsreich gestalten wollen. Es findet sich kaum Nachwuchs."
Hohe Erwartungen an Büttenreden
Die Messlatte für Büttenreden liege hoch, sagt Münch. "Die Besucher der Sitzungen sind anspruchsvoller geworden und erwarten die gleiche Qualität wie bei Comedians aus dem Internet." Gleichzeitig wollten viele lieber ausgelassen feiern, als aufmerksam zuzuhören.
Je später der Abend, desto weniger hören die Leute zu.
Das sei früher ganz anders gewesen, sagt der 81-jährige Stefan Zlotnik aus Lind an der Ahr. Er tritt regelmäßig bei Karnevalssitzungen des Hausener Carnevalvereins (HCV) in Mayen-Hausen auf. "Das Publikum war früher aufmerksamer und es ist gut, wenn Büttenredner am Anfang der Sitzung drankommen und nicht erst am Ende, da ist der Alkoholspiegel bei den Zuschauern schon gestiegen und da fehlt die Aufmerksamkeit."
Das Publikum hat sich verändert
Diese Veränderung bestätigt auch Sven Weber, Vorsitzender des HCV. "Je später der Abend, desto weniger hören die Leute zu", sagt er. Während der Büttenreden müsse er das Publikum oft bitten, leiser zu sein und Respekt gegenüber dem Redner zu zeigen. Besonders gegen Ende einer Sitzung wird es für die Büttenredner schwierig, die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu halten. "Am Ende des Abends kann ich nur noch Topredner platzieren", so Weber.
Ein solcher Topredner ist der Mayener Werner Blasweiler. Er schafft es, das Publikum mit seinen Reden zu begeistern, aber auch er muss kurz nach 23 Uhr gegen einen hohen Geräuschpegel ankämpfen. Früher absolvierte er bis zu 50 Auftritte pro Karnevalssession, heute sind es nur noch 15.
Und so wie Blasweiler machen es viele, deshalb gibt es immer weniger Büttenredner und immer weniger kommen nach. "An einer allgemeinen Karnevalsmüdigkeit liegt es nicht", betont Sven Weber. Es sei immer noch ein Unterschied, ob man in einer Tanzgruppe unter vielen auftritt oder sich alleine präsentieren muss.
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Büttenredner-Nachwuchs gibt Hoffnung
Aber es gibt auch Lichtblicke: Clara Hähn, eine 15-jährige Nachwuchsrednerin aus Koblenz, begeistert das Publikum der Gülser Seemöwen. Seit ihrem siebten Lebensjahr steht sie auf der Bühne und präsentiert die Texte, die ihre Mutter schreibt. Clara hat bereits mehrere Auszeichnungen für ihre Auftritte erhalten. "Das Auswendiglernen ist zwar stressig, aber es macht mir großen Spaß, die Menschen zum Lachen zu bringen", erzählt sie.
AKK-Präsident Andreas Münch wünscht sich mehr junge Talente wie Clara. Büttenreden seien ein fester Bestandteil des traditionellen Karnevals. "Ohne sie unterscheiden sich Karnevalssitzungen nicht mehr von anderen Festen oder Partys", warnt er.