Die Gegend rund um die St. Elisabeth-Kirche im Koblenzer Stadtteil Rauental gehörte in den vergangenen Sommern zu den heißesten Orten in der Stadt - kein Wunder bei wenig Grün und viel versiegelter Fläche. Doch das soll sich ändern: Bis Ende des Jahres soll aus dem Vorplatz der Kirche sowie der angrenzenden Moselweißer Straße ein Vorbild in Sachen klimaangepasstem Bauen werden.
Unter anderem wird der Vorplatz der Kirche komplett umgestaltet mit einer im Boden eingelassenen Zisterne. Außerdem werden am Straßenrand der stark befahrenen Moselweißer Straße auch acht neue Bäume gepflanzt. Das Besondere an diesen Bäumen sind die Wasserspeicher, mit denen ein Großteil versehen wird - sogenannte Rigolen. Diese Speicher sollen dafür sorgen, dass die Bäume im Sommer nicht zusätzlich gegossen werden müssen.
Hochschule Koblenz wertet Messdaten von Bäumen aus
Ob der Plan aufgeht, ist aber nicht sicher. Daher ist bei dem Projekt auch die Hochschule Koblenz mit im Boot. Sie wertet nach Angaben des zuständigen Landschaftsarchitekten Rainer Kronenberg die Daten von Messgeräten aus, die die Wasserzufuhr der Bäume überwachen: "Wir wollen testen, welche Systeme sich in Zukunft für die Stadt eignen, auch in extrem engen, extrem heißen Straßenräumen beste Lebensqualität für den Baum zu schaffen".
Stadt will klimaresilient werden Wie sich Koblenz vor Hitze schützen will
Durch den Klimawandel wird es in Koblenz zunehmend heißer. Die Stadt hat das Problem erkannt, aber der Hitzeschutz geht trotz vieler Ideen nur langsam voran.
Wie Kronenberg berichtet, führt mittlerweile kein Weg mehr am klimaangepassten Bauen vorbei: "Jeder merkt es doch im Sommer, dass es kaum mehr auszuhalten ist in der Stadt." Bäume seien aber nicht nur effektive Schattenspender, sondern auch Luftbefeuchter - wenn sie genug Wasser bekommen.
Bäume sollen Insekten anlocken
Die acht neuen Bäume, die in der Moselweißer Straße gepflanzt werden, wurden speziell ausgesucht. Es handelt sich um die aus Amerika stammende Art "Gleditsia triacanthos", die sowohl mit heißen Sommern wie kalten Wintern gut klarkommen soll. Ihre Blüten sollen zudem Insekten eine Futterquelle bieten.
Wenn alles nach Plan läuft, soll der Vorplatz der Kirche bis Spätsommer fertig sein und die Arbeiten an der Straße bis zum Ende des Jahres. Das ganze Projekt kostet nach Angaben der Stadt Koblenz rund 1,1 Millionen Euro - 850.000 Euro davon kommen vom Bund. Ziel ist es laut Stadt, die aus dem Projekt gewonnenen Erkenntnisse auf andere Stadtteile übertragen zu können.
Auswirkungen des Klimawandels auf Koblenz
Bei dem Projekt "Klimaresilente Verkehrsraum- und Quartiersentwicklung Koblenz-Rauental" geht es nicht nur um das Thema Hitze, sondern auch die Verbesserung des Regenwassermanagements in der Stadt - Stichwort "Schwammstadt". Aus Sicht des Koblenzer Oberbürgermeister David Langer (SPD), muss sich Koblenz zügig auf die veränderten Bedingungen durch den Klimawandel einstellen, nicht nur auf mehr heiße Tage, sondern auch auf immer mehr Starkregen: "Es geht darum, wie wir mit den Folgen des Klimawandels - die wir einfach nicht mehr verhindern können - umgehen."