Stadt investiert 16 Millionen Euro

"Pier 56": Ein Sprungbrett für Start-Ups in Koblenz

Nachhaltig, innovativ, zukunftsorientiert: Der neue Bürokomplex "Pier 56" in der Nähe der Universität soll Start-Ups Raum zum Wachsen bieten und Koblenz als Gründerregion stärken.

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Karin Kretzer ist "hyped up", wie man wohl unter jungen Unternehmerinnen und Unternehmern sagen würde. Zum ersten Dezember zieht sie gemeinsam mit ihrem rund 80-köpfigen Team ins neue Bürogebäude "Pier 56" direkt neben der Uni in Koblenz. Kretzer bildet zusammen mit Timo Ziegler die Doppelspitze der "Brickmakers". 2010 als Tech-Start-Up in Koblenz gegründet, zog das junge Unternehmen zuerst in Büroräume in Köln und der Koblenzer Altstadt. Jetzt wird der Standort Altstadt ganz gezielt für das "Pier 56" aufgegeben.

Karin Kretzer ist eine der Geschäftsführerinnen des Koblenzer Tech-Unternehmens "Brickmakers".
Karin Kretzer ist eine der Geschäftsführerinnen des Koblenzer Tech-Unternehmens "Brickmakers".

Modernes Konzept, nachhaltig gebaut

Das "Pier 56" sei einfach repräsentativer, sagt Kretzer: "Weil es hier moderne Raumkonzepte gibt." Zudem habe sie die energieeffiziente Bauweise überzeugt: "Das Gebäude verbraucht rund 40 Prozent weniger Energie als Vergleichsgebäude und es wurde zum Beispiel auch recycelter Beton eingesetzt." Das alles lässt sich die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) Koblenz etwas kosten, um Start-Ups in die Stadt zu holen und zu halten.

Rund 16 Millionen Euro sind für das "Pier 56" veranschlagt, das für seine nachhaltige Bauweise Mittel von der Förderbank KfW erhalten hat. "Ansonsten haben wir das Projekt frei finanziert", berichtet WFG-Prokurist Jan Hagge dem SWR. So wolle man sich die Unabhängigkeit bewahren, frei über die künftigen Mieter entscheiden zu können.

Ankermieter ziehen zum 1. Dezember ein

Zwei Drittel der Fläche sind nach Angaben der WFG bereits vergeben, zum Beispiel an Ankermieter wie das Koblenzer Bildungs-Start-Up "Sdui" (gegründet 2018) oder eben den relativ jungen Software- und KI-Dienstleister "Brickmakers". Sie sollen zum 1. Dezember einziehen und in Zukunft weitere Unternehmen anlocken. Denn für mehrere Einheiten sucht die WFG auch weiterhin noch Mieter aus einer ganz bestimmten Zielgruppe.

Das Foto zeigt das Gebäude "Pier 56" in Koblenz.
Am 1. Dezember sollen die ersten Mieter im "Pier 56" einziehen.

Projekt soll junge Unternehmen an Koblenz binden

"Das 'Pier 56' ist als Ergänzung zum Technologiezentrum TZK zu sehen. Im TZK können Unternehmen in den ersten fünf bis sieben Jahren nach ihrer Gründung ihren Standort finden. Und dann stellt sich immer die Frage: Wo geht es danach hin?", erklärt Jan Hagge, der auch gleichzeitig Geschäftsführer des Technologiezentrums ist. Das "Pier 56" soll hier künftig den Anschluss für etablierte, junge Unternehmen bilden. "Mit den gleichen Standortvorteilen", versichert Hagge.

Die "Brickmakers" sind eben so ein Koblenzer Ex-Start-Up, das 2010 im TZK gegründet wurde. Den unternehmerischen Kinderschuhen entwachsen, folgt mit dem Einzug ins "Pier 56" die Rückkehr nach Metternich. Warum dieses klare Bekenntnis zum Standort Koblenz?

Das Bild zeigt Jan Hagge, Prokurist der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) Koblenz und Geschäftsführer des Technologie Zentrum Koblenz (TZK).
Jan Hagge ist Prokurist der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) Koblenz und Geschäftsführer des Technologie Zentrum Koblenz (TZK).

Zum einen sei die zentrale Lage zwischen den Metropolregionen Köln und Frankfurt ein ausschlaggebender Faktor gewesen, sagt Karin Kretzer. Und sie betont, "dass die Stadt und auch die Wirtschaftsförderung es ernst meinen, was tun zu wollen, um auch als Business-Standort weiter zu wachsen.“ Die Investition ins "Pier 56" sei ein klarer Indikator hierfür.

WFG: Koblenz überzeugt durch zentrale Lage

Die WFG ist von Koblenz als Gründerstandort überzeugt, unter anderem aufgrund der Branchenvielfalt und der guten Vernetzung von Stadt und Umland. Koblenz verfüge außerdem über "sehr hohe Zentralitätskennwerte im deutschen Vergleich", erklärt Jan Hagge. So sei die regionale Bedeutung von Koblenz als Einkaufsstandort, Gesundheitsstandort und auch Bildungsstandort hoch.

Gleichzeitig betont der Prokurist der WFG: "Koblenz hat eine der höchsten Arbeitsplatzdichten in Deutschland." Arbeitgeber und Arbeitnehmer hätten hier einen guten Marktzugang, "bei relativ moderaten Preisen, im Vergleich zu Metropolregionen."

Wenn du eine sehr gute Idee hast, ist es ein sehr seltener Zufall, dass du dann auch noch das nötige Kleingeld hast.

Kammern wünschen sich mehr private Geldgeber

Auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie die Handwerkskammer (HwK) Koblenz stützen die These, dass die Vernetzung aller Akteure in Stadt und Umland gut sei. Weiterhin schafften die Gründerbüros von Universität Koblenz und Hochschule Koblenz, das TZK als Anlaufstelle für Start-Ups und die Nähe zur WHU in Vallendar große Potenziale.

Ungeachtet dessen sehen die Kammern aber auch Nachholbedarf. Beide betonen, es fehle im Vergleich zu Metropolregionen an ausreichenden privaten Finanzierungsmöglichkeiten. Auch Karin Kretzer, die neben ihrer Rolle als Geschäftsführerin auch als Mentorin junge Gründerinnen betreut, weiß: "Wenn du eine sehr gute Idee hast, ist es ein sehr seltener Zufall, dass du dann auch noch das nötige Kleingeld hast." Sie fordert noch mehr Einsatz von allen Akteuren in Koblenz, um private Finanziers in die Stadt zu holen.

Land RLP soll Wirtschaftsstandort Koblenz unterstützen

Neben dem Aufholen eines Investoren-Defizits müsse Koblenz auch zukünftig mit den Ballungszentren in den Wettbewerb um hochqualifizierte Fachkräfte treten. Das fordert weiterhin die IHK. Sie macht deshalb den Vorschlag, neben dem TZK für digitalwirtschaftliche Start-Ups auch ein Technologiezentrum für Gründer aus dem produzierenden Gewerbe aufzubauen.

Um den Wirtschaftsstandort Koblenz langfristig solide aufzustellen, sieht die WFG auch die Landesregierung in der Pflicht. So formuliert Jan Hagge: "Wir brauchen attraktive Flächen und wir brauchen attraktive und leistungsfähige Studiengänge, damit Unternehmen gute Perspektiven haben, Mitarbeiter und Führungskräfte am Standort Koblenz zu binden."

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