Der Möhnen-Club Mülheim bezeichnet sich selbst als der größte Möhnenverein des Landes. Wo zur Karnevalszeit stets die Frauen das Sagen hatten, mischen seit letztem Jahr auch Männer mit. Nach einer Satzungsänderung dürfen sie als Möhnen-Männer (MöMa) auch Mitglied sein. Laut Präsidentin Martina Niepagen sind bereits 70 von den rund 900 Vereinsmitgliedern "MöMas". Dazu gehören auch Dirk Müller und Bernd Bleses. Sie sind seit Tag eins dabei und ziehen jetzt ein Fazit.
Männer unterstützten schon immer im Hintergrund die Möhnen
"Ich würde es jederzeit wieder machen. Etwas anderes dürfte ich wahrscheinlich auch gar nicht sagen", berichtet Dirk Müller und muss lachen. Denn: Er ist der Mann der diesjährigen Obermöhn und deshalb ohnehin im Hintergrund bei vielen öffentlichen Terminen dabei. "Wir gehen auf Sitzungen, besuchen Grundschulen, Kindergärten und natürlich auch Sponsoren. Das Pensum ist enorm", ordnet Obermöhn Martina Müller-Schösser ein.
Die Männer waren auch früher immer da, bevor sie offiziell zum Verein gehört haben.
Sie ist dankbar, dass ihr Mann sie unterstützt. Aber das sei ohnehin schon immer so gewesen: "Die Männer waren auch früher immer da, bevor sie offiziell zum Verein gehört haben. Sie haben uns beim Aufbau der Bühnenbilder geholfen, den Saal geschmückt oder haben an der Theke gestanden." Den Titel MöMa sieht sie jetzt als offizielle Anerkennung dessen, was ohnehin schon immer der Fall war: "Karneval feiert man zusammen, egal ob Männlein oder Weiblein."
Männer haben Tanzgruppe in Mülheim gegründet
Über die reine Mitgliedschaft hinaus engagieren sich viele der MöMas sehr aktiv im Verein. Sogar eine Männer-Tanzgruppe gibt es mittlerweile. Wie es dazu gekommen ist? Das weiß Bernd Bleses auch nicht so genau: "Das war wahrscheinlich irgendwie eine Schnapslaune. Irgendwann kam jemand auf die Idee, wir müssten vielleicht auch was machen für die Feiern. So kam ein Männerballett ins Spiel und irgendwie ist daraus eine Tanzgruppe entstanden."
Aus ihrer Rolle als Helfer im Hintergrund sind die Männer des Mülheimer Möhnen-Clubs heute also selbst ins Rampenlicht des Karnevals getreten. Auch beim Möhnenumzug am Schwerdonnerstag, 12. Februar, fahren sie in diesem Jahr mit einem eigenen Prunkwagen mit. Dass ihr Verein so im Wandel ist, begrüßt Obermöhn Martina: "Die Männer sind eine Bereicherung. Und sie haben sich super integriert."
Spötter von Außen stören Zusammenhalt nicht
Diese Begeisterung teilen offenbar aber nicht alle Karnevalisten in der Region. "Ich bin schon sehr lange im Karneval hier in Mülheim-Kärlich aktiv. Und ja, da kriegt man halt mal einen blöden Spruch. Aber damit ist es dann auch gut", berichtet Dirk Müller. Seine Frau kann nicht verstehen, warum die Männer manchmal belächelt werden - auch von anderen Möhnenvereinen.
Die machten sich teilweise über ihre Mülheimer Männer lustig, berichtet Müller-Schösser. "Ziehst du jetzt ein Röckchen an?", die Frage habe sie schon gehört: "Auch in den anderen Möhnenvereinen sind immer Männer im Hintergrund. Die Unterstützung, die brauchen wir. Und warum sollen die Männer nicht im Möhnenverein sein?" In Mülheim-Kärlich wollen sie sich jedenfalls nicht beirren lassen. Das Fazit nach der ersten gemeinsamen Session von Möhnen und MöMas fällt positiv aus.
Was zählt, ist die Gemeinschaft im Möhnenverein
Und ob der Schwerdonnerstag, also der klassische Frauentag im Karneval, jetzt noch ein echter Schwerdonnerstag ist? Obermöhn Martina findet, schon: "Auf jeden Fall! Wir sind stolz, dass wir jetzt Männer im Möhnenverein haben. Wir haben die Männer bei uns, bei den Möhnen - wir haben sie jetzt adoptiert." Und die Männer? Die sehen die "Adoption" laut Bernd Bleses gelassen: "Letztendlich geht es um die Gemeinschaft."