"Das war das schnellste Wochenende meines Lebens", sagt Teilnehmerin Sophie Röller. Sie gehört in diesem Jahr zur Wahl-O-Mat-Redaktion. Einer Gruppe aus 35 Menschen: 21 Jungwähler sowie Experten aus den Bereichen Wissenschaft, Journalismus und Bildung, und Vertreterinnen und Vertreter der Bundes- und der Landeszentrale für politische Bildung.
80 Thesen für den Wahl-O-Mat zur Landtagswahl 2026
80 Thesen hat die Redaktion im Haus Wasserburg in Vallendar in gerade mal zwei Tagen erarbeitet, um Wählern eine Entscheidungshilfe zu geben. "Wir haben auf Basis von Parteiprogrammen überlegt, was sind die zentralen Themen im Wahlkampf und wo gibt es Unterschiede zwischen den Parteien?", erklärt Lea Schrenk von der Bundeszentrale für politische Bildung, die das Projekt begleitet.
Der Auftakt des Workshops war zuerst einmal ein kreatives Chaos: "Es gab ein riesiges Brainstorming und jeder nannte ein Thema, das ihm dazu grob einfiel", erzählt Sophie Röller. Die 20-Jährige hatte sich für die Arbeitsgruppe "Verkehr, Infrastrukur, Klima und Energie" entschieden. "ÖPNV ist für mich das entscheidende Thema, weil es ganz stark mit Klimagerechtigkeit zusammenhängt. Da kann sehr viel auf Landesebene passieren", begründet sie ihre Entscheidung. Insgesamt gab es fünf Themengruppen unter anderem zu Bildung, Kultur, Justiz oder Demokratie.
In einem zweiten Schritt gehen die erarbeiteten Thesen an die Parteien.
Was steht in den Wahlprogrammen zu wichtigen Themen?
Sophie Röller erklärt, wie es nach dem Brainstorming weiterging: "Nehmen wir das Thema ÖPNV. Da kann man sagen, Bus, Bahn und vielleicht noch Radwege, aber auch Carsharing sind Themen des ÖPNV. Davon wird die Bahn, mit Streckenwiederbelebung oder Wiederaufbau, gerade am meisten diskutiert. Also fangen wir damit an und schauen, was die Parteien in ihren Programmen dazu schreiben."
Das sei nicht immer einfach gewesen, denn die Parteien hätten teils ihre Programme recht vage formuliert. "Das war so ein bisschen das Frustrierende, hier steht jetzt eine Formulierung im Parteiprogramm, aber ich weiß noch nicht genau, was daraus konkret werden soll", sagt Röller. In solchen kleinteiligen Schritten haben sich die Arbeitsgruppen von Thema zu Thema gehangelt und Thesen erarbeitet. Welche das sind, bleibt streng geheim.
Ich war tatsächlich überrascht von der Menge an Themen.
Wahl-O-Mat soll Unterschiede zwischen den Parteien aufzeigen
"In einem zweiten Schritt gehen die erarbeiteten Thesen an die Parteien", erklärt Schrenk. Die Parteien sollen sich dann dazu positionieren. Sie entscheiden, ob sie der These zustimmen, sie ablehnen oder sich neutral dazu äußern. Dann verfassen sie eine Begründung. Im Februar wird sich die Redaktion erneut treffen, um aus den formulierten Thesen die endgültigen 38 auszuwählen.
"Das sind dann die Thesen, die die wichtigen Wahlthemen abbilden und die die Unterschiede zwischen den Parteien aufzeigen. Wenn jetzt bei einer These alle Parteien zustimmen würden, dann ist es für uns keine gute These. Wir wollen Unterschiede aufzeigen", sagt Schrenk. Denn genau das sei das Ziel des Wahl-O-Mats.
Arbeit in der Wahl-O-Mat-Redaktion: "Besser als gedacht"
Der 18-jährige Julian Przybylla aus Andernach gehört ebenfalls zur Redaktion. Er hatte sich über die sozialen Medien für eine Mitarbeit beworben und war gespannt auf die Zusammenarbeit. Zufrieden blickt er auf den ersten Workshop in Vallendar. "Es war besser, als ich gedacht hatte. Man durfte viel mitarbeiten und wir konnten uns überall mit einbringen. Wenn wir irgendwo ein Veto einlegen wollten, war das immer möglich und die ganzen Thesen sind auch auf unserer Idee entstanden."
Auch Sophie Röller ist zufrieden. "Ich war tatsächlich überrascht von der Menge an Themen", vermisst habe sie eigentlich kein Thema. Außer vielleicht feministische Themen. Feminismus betreffe schließlich alle Menschen, sagt die 20-Jährige. Aber das sei ja auch kein Landesthema. Und deshalb auch kein Thema für den Wahl-O-Mat.