Tag gegen den Schlaganfall

Schlaganfall mit 42: Simones Weg zurück ins Leben

Simone hatte mit Anfang 40 einen schweren Schlaganfall. Seitdem ist die Koblenzerin halbseitig gelähmt und kann nicht arbeiten gehen. Sie und ihre Schwester erzählen von dem Leben danach.

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Von Autor/in Finn Gabriel

Mit 42 nochmal komplett von vorne anfangen: alltägliche Dinge wie Zähneputzen und ein Brot schmieren ganz neu lernen. Das war für Simone vor acht Jahren Realität. Damals finden sie ihre Eltern an einem Montagmorgen bewusstlos in ihrer Wohnung.

Im Krankenhaus stellen die Ärzte fest: Sie hatte einen Schlaganfall. Damit ist sie eine von jährlich 270.000 Betroffenen in Deutschland. Simone selbst hat an die Zeit keine Erinnerung mehr, aber ihre Schwester Nina erinnert sich noch gut.

Ob Simone den Schlaganfall überlebt, ist am Anfang noch unklar

Als ihre Eltern Simone entdecken, liegt sie vermutlich schon mehr als einen Tag in ihrer Wohnung. Im Krankenhaus stellt sich dann auch die Ursache heraus. Eine Thrombose aus dem Bein war in den Hals gewandert. Ihr Gehirn wurde deshalb nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt, der Sauerstoff fehlte. Besonders tragisch: Simone arbeitet als Krankenschwester. Hätte sie den Schlaganfall auf der Arbeit bekommen, hätte man ihr vermutlich deutlich schneller helfen können.

Simones Zustand aber ist so kritisch, dass sie im Krankenhaus nicht auf die Schlaganfallstation, sondern direkt auf die Intensivstation kommt. Der Druck in ihrem Kopf ist so weit angestiegen, dass sie notoperiert werden muss. Die Schädeldecke muss abgenommen werden, sie wird ins künstliche Koma versetzt. "Die ersten Tage war auch gar nicht klar, ob sie es überlebt", sagt Nina.

Kein Pflegeheim will die junge Patientin aufnehmen

Simone schafft es. Als sie langsam wieder wach wird, kommt sie in eine sogenannte Früh-Reha. Dort lernt sie Grundlagen wie Atmen und Essen. "Die erste Phase ist wie auf einer Intensivstation, die müssen da wirklich bei Null anfangen", erzählt ihre Schwester Nina. Da die Krankenkasse die Versorgung aber nur für eine bestimmte Zeit zahlt, muss Simone die Früh-Reha bald wieder verlassen.

Man meint immer, wann wäre in Deutschland so gut versorgt und es klappt hier alles. Es ist ganz schrecklich eigentlich.

Sie soll übergangsweise in ein Pflegeheim. Das Problem: Keine Einrichtung will sie aufnehmen. Das habe daran gelegen, dass Pflegeheime in Deutschland in der Regel nur Patienten aufnehmen, die älter als 60 Jahre alt sind, erklärt Nina: "Die haben uns gesagt, wir haben keine Genehmigung für so einen jungen Menschen."

Am Ende nimmt sie eine Einrichtung auf, aber nur, weil sich dort ein ehemaliger Kollege für sie eingesetzt hat. "Man meint immer, man wäre in Deutschland so gut versorgt und es klappt hier alles. Es ist ganz schrecklich eigentlich", schildert Nina die Suche nach dem Pflegeplatz.

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Als später ihr Schädelknochen wieder eingesetzt wird, muss Simone wieder fast von vorne beginnen. In der Früh-Reha lernt sie diesmal auch, mit dem Stock zu gehen und Treppen zu steigen. Danach zieht sie wieder zu ihren Eltern und lernt dort Dinge wie Zähneputzen oder ein Brot zu schmieren.

Der Schlaganfall hat die Schwestern mehr denn je zusammengeschweißt. Für sie sei direkt klar gewesen, dass sie ihrer Schwester helfe, sagt Nina. Sie hat die gesetzliche Betreuung für ihre Schwester übernommen und hat damit Zugriff auf Dinge wie ihr Bankkonto und Versicherungen.

Das Bein ist noch nicht voll funktionsfähig, aber ich meistere das.

Nach Schlaganfall: Simone ist heute wieder größtenteils selbstständig

Heute wohnt Simone wieder in einer eigenen Wohnung in Koblenz in der Nähe ihrer Eltern. Seit dem Schlaganfall ist eine Körperhälfte gelähmt und sie kann nicht mehr arbeiten. Auch ihr Sprachzentrum wurde bei dem Schlaganfall beschädigt. Sprache kann sie trotzdem wieder verstehen und auch selbst Sätze formulieren. Manchmal braucht sie etwas länger, die Worte zu finden.

Zum Mittagessen gehe sie meist zu ihren Eltern, erzählt Simone. Sie mache aber sonst auch schon wieder viele Sachen eigenständig: "Das Bein ist noch nicht voll funktionsfähig, aber ich meistere das", sagt Simone.

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